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Jahresempfang

Eine Region krempelt die Ärmel hoch

Michael Matts Entscheidung für Waldmünchen ist mehr als eine Wirtschaftsnachricht. Sie ist ein Bekenntnis und ein großes Lob.
Von Petra Schoplocher

Ein Hoch auf Waldmünchen, natürlich mit einem „Rhaner“: die Unternehmer (von links) Werner Eichenseher, Inhaber von Tischer Fahrzeugbau und Festspielschirmherr 2018 und Dr. Alois Plößl von der Brauerei Rhan mit Tischer-Prokurist Hans Werner Dendorfer Foto: Schoplocher
Ein Hoch auf Waldmünchen, natürlich mit einem „Rhaner“: die Unternehmer (von links) Werner Eichenseher, Inhaber von Tischer Fahrzeugbau und Festspielschirmherr 2018 und Dr. Alois Plößl von der Brauerei Rhan mit Tischer-Prokurist Hans Werner Dendorfer Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Was für ein Abend! Es war nicht nur die Nachricht selbst, dass Michael Matt groß investieren und das neue Produktions-, Logistik- und Ausbildungszentrum in Waldmünchen sein Zuhause finden wird. Es war die Begründung, die den Menschen runtergegangen sein muss wie Öl. Denn dass sie „hier die Ärmel hochkrempeln und sich engagieren“, war mit ausschlaggebend für die unternehmerische Entscheidung.

Entsprechend groß war der Applaus, als der Regensburger diese Bombe platzen ließ, entsprechend gut war die Stimmung beim Jahresempfang. Bürgermeister Markus Ackermann stimmte in den Jubel mit ein. „Sie werden mich selten wieder so strahlen sehen“, sagte er zu den über 300 Gästen.

Überraschung

Matt siedelt sich in Waldmünchen an

Beim Jahresempfang der Stadt teilt der Optik-Unternehmer Matt mit, dass er Produktions- und Logistikzentrum ansiedelt.

Matt Optik, so hatte der Geschäftsführer mitgeteilt, wird im neuen Gewerbegebiet „nicht unerheblich“ in ein neues Produktions-, Logistik- und Ausbildungszentrum investieren. Konkret bedeutet das: Der Familienbetrieb kauft ein rund 7000 Quadratmeter großes Grundstück und schafft sich rund 1200 Nutzfläche. Wenn alles gut läuft, könnte im Herbst 2021 Einweihung gefeiert werden, erklärte Michael Matt im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Herzlichkeit war Trumpf: Polizeichef Christian Pongratz war nicht der Einzige, der umarmte und umarmt wurde von Bürgermeister-Gattin Petra Ackermann; im Hintergrund „Trenck“ Werner Zellmer. Foto: Schoplocher
Herzlichkeit war Trumpf: Polizeichef Christian Pongratz war nicht der Einzige, der umarmte und umarmt wurde von Bürgermeister-Gattin Petra Ackermann; im Hintergrund „Trenck“ Werner Zellmer. Foto: Schoplocher

Wieviele neue Arbeitsplätze geschaffen werden, sei schwer abschätzbar, er gehe aber von um die 30 aus. Hinzu kommen die Auszubildenden aus dem Gesamteinzugsbereich des Unternehmens. Sie durchliefen ihre praktische Schulung bisher in den Matt-Räumen am Marktplatz, werden aber dann auch in das neue Zentrum umziehen. Im vergangenen Jahr hatte Matt Optik 32 Lehrlinge eingestellt, obwohl nur 27 geplant waren. „Aber es waren viele Gute dabei“, erklärte der Unternehmer, der seit rund eineinhalb Jahren auch Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim ist. Es sei zwar regional unterschiedlich, aber im Großen und Ganzen habe man keine Schwierigkeiten, Azubis zu finden. Vor allem dort nicht, wo Matt Optik eine seiner 85 Filialen habe.

Das neue Produktions-, Logistik- und Ausbildungszentrum

  • Unternehmen:

    Die Ursprünge des Unternehmens gehen ins Jahr 1955 zurück, als sich Michael Matts Vater Bernhard selbstständig machte. Mittlerweile hat Matt Optik mit Sitz in Regensburg 85 Filialen und beschäftigt an die 500 Mitarbeiter. Michael Matt und seine Frau Birgit führen es gemeinsam.

  • Verbundenheit 1:

    Seit achteinhalb Jahren werden die Auszubildenden in Waldmünchen praktisch geschult. Mit dem Neubau sollen die Räume am Marktplatz (im ehemaligen Kaufhaus Reitmeier) an den Eigentümer zurückgegeben werden.

  • Verbundenheit 2:

    Im vergangenen Jahr war Michael Matt Schirmherr des Festspiels. Er wurde nicht müde zu betonen, welch wundervolle Erfahrung das für ihn war und wie warmherzig er von den Trenckianern und den Menschen aufgenommen wurde.

  • Neubau:

    Auf einem 7000 Quadratmeter großen Grundstück sollen bis Herbst 2021 rund 1200 Quadratmeter Nutzfläche entstehen, erste Planentwürfe gibt es bereits. Michael Matt rechnet mit etwa 30 neuen Arbeitsplätzen, wenngleich Prognosen gerade dazu im jetztigen Stadium schwierig seien.

Auch am Tag nach seinem Coup war Michael Matt die (Vor)Freude anzumerken. Bereits der erste Entwurf des Planungsbüros sei wunderbar gewesen, berichtet er, aktuell werden die Platzbedürfnisse ausgelotet, schließlich möchte das Familienunternehmen sanft weiter wachsen. Der Bau werde trotz schöner Optik („Seien Sie gespannt!“) zweckmäßig, „wir wollen uns schließlich kein Denkmal setzen“.

Optimistische Unternehmer

„Wir fühlen uns in Waldmünchen schon beinahe heimisch“, hatte er beim Jahresempfang verkündet. „Schuld“ daran sei vor allem seine Schirmherrschaft für die Trenckfestspiele gewesen, verdeutlichte er. Matt plädierte für Optimismus, „wir Unternehmen sind das von Haus aus“ und brach eine Lanze für den Mittelstand mit seinen starken Strukturen. „Die Zukunft der Region liegt in unser alle Hände“, betonte er und wünschte sich mit Blick auf das neue Jahr(zehnt), dass es – in Anlehnung an die 1920er – golden werden möge.

Knapp zwei Stunden, dann war der farbenfrohe Waldmünchner Marktplatz fertig. Künstler Max Lochner malte das Bild während des Empfangs. Foto: Schoplocher
Knapp zwei Stunden, dann war der farbenfrohe Waldmünchner Marktplatz fertig. Künstler Max Lochner malte das Bild während des Empfangs. Foto: Schoplocher

Es wäre schon einfacher gewesen, ein Grußwort zu sprechen, gab Landrat Franz Löffler zu, denn „die wichtigen Reden wurden schon gehalten“. Löffler sah in der Entscheidung von Michael und Birgit Matt ein Bekenntnis zum und eine Auszeichnung für den ländlichen Raum. Michael Matt sei ein Mensch, der Mut habe und dem es die Menschen angetan hätten. Ein guter Rahmen für die Überzeugung des Landrats, dass „der Mittelstand der prägende Rückhalt unserer Region ist“.

„Demokratie ist nicht selbstverständlich“

Löffler griff aber auch die Gedanken auf, die Markus Ackermann in seiner Ansprache geäußert hatte. „Wir nehmen die freiheitlich-demokratische Grundordnung als selbstverständlich hin, die ist es aber nicht!“, führte er vor Augen. Eigenverantwortung statt Vollversorgungsmentalität sei das Gebot der Stunde, um die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen. Der Waldmünchner bat, die soziale Balance im Blick zu haben, Alt und Jung, Arm und Reich, verschiedene Kulturen. Dann gelinge ein gedeihliches Miteinander.

Menschen

Der Trenck-Schirmherr mit Durchblick

Durch diese Art Brille hat das Trenckfestspiel noch niemand gesehen. Michael Matt teilt seine Perspektive mit uns.

Eindrucksvolles Beispiel für das entsprechende Engagement sei die Zahl von über 700 Flüchtlingen im Landkreis, die sich in Ausbildung befänden – bei insgesamt 1700. Was da an Integrationsleistung aufgebracht wurde, sei beispielgebend. „So etwas kann man staatlich nicht verordnen.“

Festvortrag zum Aktionsbündnis

Ines Niedziella musste auch feststellen, dass sie zu fortgeschrittener Stunde und nach diesen Vorreden keine leichte Aufgabe hatte. Sie habe kurz überlegt, 2021 wieder vorbei zu kommen, stieg sie mit einem Augenzwinkern in ihren Festvortrag ein. Dieser sei nun mal fertig und so sei es ihr folglich eine Freude, die Zuhörer mitzunehmen auf eine spannende Reise in die Tiefen des Aktionsbündnisses Čerchov plus.

Aktionsbündnis: Segel stehen auf voller Fahrt

Die Referentin des Abends, Aktionsbündnis-Projektmanagerin Ines Niedziella, bekam von Markus Ackermann für den Vortrag und ihr großes Engagement einen von Ralph Wenzel gefertigten Glasstern.Fotos: Schoplocher
Die Referentin des Abends, Aktionsbündnis-Projektmanagerin Ines Niedziella, bekam von Markus Ackermann für den Vortrag und ihr großes Engagement einen von Ralph Wenzel gefertigten Glasstern.Fotos: Schoplocher

Bürgermeister Markus Ackermann war schon voll des Lobes, ehe Ines Niedziella überhaupt die Bühne betreten hatte. Die Projektmanagerin des Aktionsbündnisses Cerchov plus und Festrednerin beim Jahresempfang vereine nicht nur beste menschliche Eigenschaften auf sich, sie schmeiße schlicht den Laden. Die Bürgermeister der sieben Landkreis- und mittlerweile 50 tschechischen Gemeinden habe sie souverän in der Hand, ihre Handschrift tragen viele bereichernde und profilgebende Projekte.

Triebfeder für den 2004 erfolgten interkommunalen und internationalen Zusammenschluss sei der Wunsch gewesen, die Region zu entwickeln, erinnerte Ines Niedziella. Ziel war und ist eine deutsch-tschechische Ideenschmiede, ein Begegnungsraum. Die Grundspannung durch die Zeit und die Nachwehen des Eisernen Vorhangs sah sie positiv, mit dem verschwundenen Dorf Untergrafenried als Stolperstein im guten Sinne.

Das Aktionsbündnis bringe Städte wie Furth im Wald und böhmische Dörfer mit vielleicht 300 Einwohnern zusammen, stellte sie heraus. Zudem sei es der Garant für das Abgreifen von Instrumenten und Fördermitteln, die einzelne Kommunen nicht abgreifen könnten.

Die Projektmanagerin machte deutlich, dass die Kooperation nichts ohne ihre Partner ausrichten könnte. Ehrenamtliche, Stichwort Aktivregion Gibacht, wie regionale Touristiker und viele mehr. Die wichtigste Strategie sei ihrer Meinung nach, überhaupt eine zu haben und nicht einfach loszurennen. Das Aktionsbündnis habe stets versucht, langfristig zu denken und nichts statisch zu sehen. Stillstand habe es jedenfalls nie gegeben.

Desweiteren wurden stets die Themen der Region aufgegriffen, als konkrete Beispiele nannte sie Lückenschlüsse bei Radwegen oder die Lebensachse Schwarzach. Der Blick über den regionalen Tellerrand sei eine weitere Leitlinie, umgesetzt etwa durch die grenzüberschreitende Mountainbikeregion.

Zu guter Letzt würden die einzigartigen Naturpotenziale des Grenzkamms eine Strategie vorgeben. Die Ganzjahresnutzung als Antwort auf den Klimawandel zu vereinbaren mit der ökologischen Verletzlichkeit sei Herausforderung und Auftrag zugleich. „Jede Entwicklung beginnt mit Visionen“, machte sie Mut.

Der Imagefilm der Aktivregion und ein letztes Stück der Blechscho’n-Musiker manövrierte die Gäste dann sanft in den gemütlichen Teil hinüber. Für Gesprächsthemen war reichlich gesorgt, an diesem für die Stadt so besonderen Abend.

Der Jahresempfang in Waldmünchen

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