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Region Cham
Donnerstag, 22. Februar 2018 5

Auftritt

Eine Sternstunde des Jazz

Im Konzerthaus Blaibach gab es für das Thilo-Wolf-Quartett nach einer grandiosen Vorstellung frenetischen Beifall.

Mit Spitzen-Jazz brachten sie das Konzerthaus zum Toben (v. l.): Markus Schieferdecker, Paul Hochstädter, Thilo Wolf und Johanna IserFoto: cjr

Blaibach.Das schaffen sonst nur die Klassik-Stars: Das Konzerthaus in Blaibach war zum Bersten gefüllt, als am Samstagabend war einer der profundesten Jazzmusiker der Republik, der Pianist Thilo Wolf, mit seinem Trio angekündigt war. Mit dabei: Der Schlagzeuger Paul Höchstädter und am Kontrabass Markus Schieferdecker. Beide sind sowohl in seiner Bigband als auch in kleineren Besetzungen unverzichtbare Rhythmusspezialisten. Und, als Herzstück dieses wunderbaren Abends, die junge Sängerin Johanna Iser mit ihrer Hommage „Spirit of Ella Fitzgerald“. Der Abend war wohl letztendlich nur zustande gekommen, weil persönliche Kontakte Landgrafs zu diesen Spitzenjazzern das ermöglichten, und man seitens der weit gereisten, gut gebuchten Musiker auch ein wenig neugierig war auf das „Wunderding Konzerthaus Blaibach“ und seine legendäre Akustik.

Das Publikum ließ sich von Beginn an anstecken von der unaffektierten Performance und Moderation. Es war wohl eine „Sternstunde des Jazz“ für das Publikum mit den Besten, die man derzeit für ein solches Recital aufbieten kann. Eine Sängerin mit durchschlagender Ausstrahlung, mit einer Stimme, die mühelos drei Oktaven abgreift, mal rauh und kehlig und dann wieder im „Kleinmädchen-Modus“ und weich.

Johanna Iser spielte mit der Figur Ella und war ganz sie selbst, der uneitle Mittelpunkt der Show. Dabei ließ sie keinerlei Zweifel aufkommen, was ihr am wichtigsten ist: Den Stil der großen Ella möglichst zu treffen, ohne das unter den Teppich zu kehren, was sie selbst kann: persönliche Lust am Jazz, am Scat-Gesang ausleben.

„Jazz ist Rhythmus“

Dem langatmigen Versuch eines schweizerischen Musikwissenschaftlers, „Jazz“ zu definieren, setzte der Bandleader das so einfache wie verständliche „Jazz ist Rhythmus, Melodie und Harmonie“ entgegen. Den weiten Raum, den diese Definition lässt, füllten die Vier in einer Weise aus, die tiefe Leidenschaft, größte Musikalität und handwerkliches Können verrieten. Das Trio steckte den Rahmen mit „Fascinating Rhythm“ von George Gershwin. Überhaupt kreisten die Titel des Abends im Wesentlichen um das Dreigestirn Gershwin, Count Basie und Duke Ellington. Eine schier grenzenlose Fantasie legten Thilo Wolf, das Rhythmuspaket mit Markus Schieferdecker am Kontrabass und der Schlagzeuger Paul Höchstädter, ob Solo oder im harmonischen Zusammenspiel, an den Tag. Höchstädter, der ebenso eine ganze Bigband intuitiv und mit viel Führungskraft zusammenhält und antreibt, wie er filigran im Trio/Quartett agiert, ist eine absolute Bank an den Drums. Ein Meister der Besenarbeit und des präzisen Stockspiels hielt er sich in traumwandlerischem Swing dezent, aber ungeheuer effektiv zurück. Er zeigte darüber hinaus in atemberaubenden Solo-Chorussen, was wirklich möglich ist auf seinem erstklassigen Standardset. Schieferdecker sang und swingte auf seinem großen Bass, wusste zusammen mit den Drums eine federnde Rhythmusbasis zur Verfügung zu stellen. Er komplettierte die Harmonie, mit tollem Stil und souveränen Vorstellungen.

Die höchsten zehn Prozent

Und Thilo Wolf, der erfahrene und universelle Könner hielt am Flügel alle Fäden in der Hand, war gleichzeitig Solist, wie er der Sängerin sensibel ihre Rolle überließ. Wunderschön waren seine Einleitung zu „Summertime“ oder seine Eigenkomposition „Generally Moments“. Rhythmuswechsel komplettierten hier mit seinen vorzüglichen Sidemen diese lautmalerische Nummer als kleinen Durchatmer zwischen dem artistischem Geschehen. Gäbe es Genusspunkte zu verteilen, so wäre auf der nach oben offenen Skala ein sicherer Platz bei den höchsten zehn Prozent für diese Ausnahmemusiker reserviert, allein schon für ihre wechselseitigen 4-Takt-Relais.

Auch mit der ultimativen Zugabe, auf persönlichen Sonderwunsch von Karl Landgraf einfeuriger „Boogie mit allem“, hatte das Publikum noch nicht genug – Pfiffe, frenetischer Beifall, Bravos, Standing Ovations… (cjr)

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