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Baubranche

Eine Zehn-Euro-Lohnlücke droht

Ohne Akzeptanz des Mindestlohns droht den 3600 Bauarbeitern im Kreis Cham laut IG BAU großer Konkurrenzdruck.

Rund 3600 Bauarbeiter gibt es nach Angaben der Industriegewerkschaft Bau im Landkreis Cham. Foto: Christophe Gateau/dpa
Rund 3600 Bauarbeiter gibt es nach Angaben der Industriegewerkschaft Bau im Landkreis Cham. Foto: Christophe Gateau/dpa

Cham.Zwei Bauarbeiter, die gleiche Arbeit – und trotzdem zwei unterschiedliche Löhne: Gut zehn Euro könnten die Löhne pro Stunde auf den Baustellen im Landkreis Cham bald auseinandergehen. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Davor warnt die IG BAU Oberpfalz.

Betroffen davon könnte ein Großteil der rund 3600 Bauarbeiter im Kreis Cham sein. „Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG BAU schon gemacht hat: Die Arbeitgeber müssen nämlich einem Schlichterspruch und damit neuen Bau-Mindestlöhnen zustimmen. Passiert das nicht, droht dem Bau im Landkreis Cham schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze“, sagt IG BAU-Bezirksvorsitzender Christian Lang. Der Schlichterspruch sieht vor, dass die Branchen-Mindestlöhne auf dem Bau ab April steigen – und zwar auf 12,55 Euro für Hilfsarbeiten (Mindestlohn 1) und auf 15,40 Euro für Facharbeiten (Mindestlohn 2). „Diese Bau-Mindestlöhne sind die Lohn-Stoppschilder nach unten. Und genau die braucht der Bau ganz dringend. Wenn die Arbeitgeber die neuen Branchen-Mindestlöhne allerdings nicht akzeptieren, dann wäre das ein Lockruf an alle Billig-Firmen aus dem In- und Ausland, als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen. Diese Billigheimer würden dann ordentlich arbeitenden und den Tariflohn bezahlenden Unternehmen im Kreis Cham wirtschaftlich das Handwerk legen“, sagt Lang. Der Vorsitzende der IG BAU Oberpfalz warnt die heimischen Bauunternehmen davor, sich hier auf einen „Kamikaze-Kurs“ einzulassen.

Entscheidung fällt bis Freitag

Der Countdown dazu laufe bereits: Die Arbeitgeber müssen bis Freitag, 17. Januar, grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben. Die IG BAU ruft deshalb „alle anständigen Bauunternehmen im Landkreis auf, im Schulterschluss mit anderen als starke Bayern-Kraft klare Signale an den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und an den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes zu senden – und zwar für das Akzeptieren der neuen Bau Mindestlöhne.

„Der Bau darf nicht zur Niedriglohn- Branche werden.“

Christian Lang, IG BAU-Bezirksvorsitzender

„Hier steht viel auf dem Spiel. Nämlich der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung. Der Bau darf nicht zur Niedriglohn-Branche werden. Die Folgen für die Beschäftigungsentwicklung wären verheerend – und das mitten im Bau-Boom: Selbst Facharbeiter würden dann abwandern“, macht Christian Lang klar. Gerade jungen Menschen solle das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne.

Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer im Kreis Cham liege derzeit bei 20,63 Euro. „Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von über zehn Euro beim Stundenlohn bedeuten. Das würde der Bau nicht verkraften“, so Lang. Dem Bau drohe ein regelrechter Preiskampf.

Lohn-Tarifrunde im Frühjahr

Genau dieser Punkt habe den Präsidenten des Bundessozialgerichts, Prof. Dr. Rainer Schlegel, als Schlichter für das Bauhauptgewerbe offensichtlich bewogen, sich für neue Bau-Mindestlöhne auszusprechen. „Dieser Schlichterspruch ist für alle Seiten – für die IG BAU, die ihm bereits zugestimmt hat, vor allem aber für Bauhandwerk und Bauindustrie – akzeptabel“, fordert der Vorsitzende der IG BAU Oberpfalz, Christian Lang. Wie es tarifpolitisch auf dem Bau weitergeht, darüber werden IG BAU und Bau-Arbeitgeber bereits im Frühjahr verhandeln: Dann steht die neue Lohn-Tarifrunde an.

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