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MZ-Serie

Einmal oben ohne, immer oben ohne

Kann ein Selfie aus dem Urlaub das Arbeitsklima einer Firma stören? Birgit Zwicknagel gibt Tipps, wie Sie damit umgehen.
Von Birgit Zwicknagel

Freizügige Selfies werden oft völlig naiv und unbedarft ins Netz gestellt.
Freizügige Selfies werden oft völlig naiv und unbedarft ins Netz gestellt. Symbolfoto: dpa

Cham.Letzte Woche zeigte mir der Personalchef einer größeren Firma ein „Oben-ohne-Profilfoto“ bei Facebook von seiner 18-jährigen Auszubildenden. Aufgenommen hat sie das Selfie in Spanien, wo sie gerade ihren Urlaub verbringt. „Das Problem dabei“, schildert der Mann, „ dieses Profil ist öffentlich und alle Kollegen und Kolleginnen unserer Firma haben nun die junge Dame halbnackt gesehen und einige wahrscheinlich auch auf ihren Handys gespeichert.“

Auf die Nachrichten, die der Personalchef ihr geschrieben hat, um sie auf diesen fatalen Fehler hinzuweisen, reagiert sie nicht. Vielleicht hat sie ja auch grad keinen Internetzugang. Er ist sichtlich schockiert und auch ratlos, denn wie soll man der jungen Frau gegenübertreten, wenn sie vom Urlaub zurückkommt? Eigentlich sei sie ja als sehr verantwortungsvolle und engagierte Kollegin bekannt. Er habe Angst, dass diese Sache das ganze Arbeitsklima nachhaltig stören werde – und das würde er sehr bedauern…

Was soll ich jetzt machen?

Kein Einzelfall – leider. Und auch nicht auf eine Altersgruppe beschränkt. Vom Schulalter bis zum (reifen?) Erwachsenen erlebe ich das immer wieder: freizügige Selfies, die völlig naiv und unbedarft ins Netz gestellt werden, oft als Profilfoto. Der Katzenjammer ist dann groß, wenn dann auf einmal alle möglichen Leute dieses Foto kommentieren, teilen, liken oder anzügliche Bemerkungen machen. Spätestens dann landet die Frage bei mir: „Was soll ich denn jetzt machen?“

Die Computermäuse

  • Serie

    Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Internet aufmerksam. Sie schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Birgit Zwicknagel (46) hat selbst drei Kinder, die mittlerweile 19, 22 und 23 Jahre alt sind.

  • Technik

    Die Stamsriederin beschreibt sich selbst als stark technikaffin. „Ich hab mich schon immer für Technik begeistert und kenne alle gängigen Betriebssysteme seit dem C64.“ Wenn es um Handys oder die Anwendung von mp3 oder DAB ginge, sei sie immer bei den ersten Nutzern in der Region gewesen. Sie sei auch diejenige, die in der Familie die neuen Geräte in Betrieb nehme.

  • Erfahrung

    Ihre erste Anregung für die Gefahren mit neuen Medien erhielt Birgit Zwicknagel durch ihre Tochter, die damals die 5. Klasse besuchte. Ein Lehrer hatte damals Internetadressen für alle Schülerinnen angelegt. Das Muster lautete „Vorname.Name-Klasse @ gmx.de“.

  • Gefahr

    Dem Lehrer sei damals nicht bewusst gewesen, dass er so Geschlecht und Alter seiner Schülerinnen schon mit der Adresse preisgab und die Kinder selbstverständlich ihre neue Adresse nutzten, um sich auf allen möglichen Plattformen anzumelden.

  • Verein

    Aus dieser Anregung entstand später der Verein „Computermäuse“ und die Homepage „www.clever-ins-netz.de “.Hier werden Beratung und Vorträge angeboten, aber auch schon viele erste Vorschläge und Tipps gegeben.

  • Motivation

    „Meine Motivation ist es, Menschen mit meinem Wissen helfen zu können, die selber wenig oder keine Ahnung haben!“ (ik)

Das Foto schnellstmöglich zu löschen ist natürlich der erste Schritt, doch man kann oft gar nicht alle Personen erreichen, die sich das Foto bereits kopiert haben, geschweige denn, dass man das Bild aus den Köpfen der anderen „löschen“ kann. Auch im beschriebenen Fall wurde mit den Mitarbeitern ein Gespräch geführt und um Diskretion gebeten – doch jeder wird die Auszubildende künftig mit anderen Augen sehen. DAS lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Einmal im Netz, immer im Netz.

Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam.
Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam. Foto: Computermäuse

Bitte denken Sie VORHER nach und stellen Sie keine Fotos ins Netz, die nicht morgen auch auf dem Titelblatt Ihrer Tageszeitung abgedruckt sein dürften! Und achten Sie auch streng darauf, für wen Ihr Profil sichtbar ist: öffentlich für alle oder privat nur für Ihre Kontakte?

Nacktbilder als Flugblätter

Das gilt für alle Portale, sei es Facebook, Instagram, Snapchat oder einfach nur WhatsApp. Machen Sie Personen, bei denen Sie solche Fotos sehen, darauf aufmerksam, dass sie öffentlich sichtbar sind, statt die Bilder munter zu teilen. Und denken Sie dran: freizügige Fotos gehören nicht ins Netz! Sie würden doch auch nicht halbnackt durch Ihren Heimatort laufen oder Ihre Nacktbilder als Flugblätter verteilen.

Lesen Sie eine Geschichte, wie sich Erwachsene mit Fakeprofilen das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen erschleichen.

Hier lesen Sie Birgit Zwicknagels Geschichte über Cybermobbing.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

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