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Jubiläum

Eisenbahnromantik im Lokschuppen

Ausstellung „Unterthänigst erbeten“ – 100 Jahre Lokalbahn Wutzlhofen – Falkenstein wurde eröffnet und kann bis 30. Juni besucht werden.

  • Bürgermeister Thomas Dengler eröffnete die Ausstellung. Fotos: rfa
  • Der Fahrkartenverkaufsschrank für aufrecht stehende Fahrkarten“ aus dem Jahr 1913
  • Der Bürgermeister überreicht Landrat Löffler das erste Exemplar des Bildbands „Das Falkensteiner Bockerl“.
  • Fantastische Schwarz-Weiß-Bilder aus den Jahren des Bahnbaues und den Jahren danach werden gezeigt.
  • Die diversen Modelle der Loks, die auf der Strecke zwischen Falkenstein und Regensburg eingesetzt waren

FALKENSTEIN.Vor einem Jahrhundert, am 22. Dezember 1913, wurde die Lokalbahn Wutzlhofen–Falkenstein eröffnet und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltet die Marktgemeinde Falkenstein eine äußerst sehenswerte Ausstellung, die am Samstagnachmittag – wie könnte es anders sein – im Alten Lokschuppen eröffnet wurde.

Für den musikalischen Aufenthalt sorgte vor der einstigen Lok-Herberge Christiane Aschenbrenner mit ihrer Diatonischen passend zum Thema mit dem Lied „Die alte Dampfeisenbahn“.

Bürgermeister Thomas Dengler freute sich, zahlreiche Ehrengäste, darunter Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Ehrenbürger und Altlandrat Ernst Girmindl, das Team des Arbeitskreises, Claus-Jürgen Wincke, der seine Kindheit in Falkenstein verbrachte und wie bereits beim 90. Jubiläum Fotos für die Ausstellung zur Verfügung stellte, begrüßen zu können. Ferner galt sein Gruß insbesondere Monika und Gerd Frank, den Eigentümern des Ausstellungsraumes, seinen Bürgermeister- und Marktratskollegen sowie allen Eisenbahnfreunden aus nah und fern.

Die Geschichte einer Lokalbahn

In seinem Grußwort zeigte Bürgermeister Dengler großen Respekt vor den Bahnpionieren vor 100 Jahren, die ohne schweres Gerät, nur mit Muskelkraft, Trassen ins Land getrieben und die Bahnstrecke darauf dann innerhalb kurzer Zeit fertiggestellt haben. Die Geschichte einer Lokalbahn, so das Gemeindeoberhaupt, sei untrennbar mit der wirtschaftlichen Entwicklung der umgebenden Region verbunden. Die Lokalbahn Wutzlhofen–Falkenstein sei eine der Hauptlebensadern für den wirtschaftlichen Aufstieg der Region, der Geschäfte und des Handels gewesen.

In dieser Zeit waren Pfeifen und Signale der Züge noch keine Lärmbelästigung, gehörten untrennbar zum Tagesablauf, man habe keine Armbanduhr benötigt, denn „Pfeiftöne des Zugs und Glockenschlag waren Zeitmesser“.

Rad- und Wanderweg

Unter Hinweis auf den ständigen Wandel und die Veränderungen seien Straßen und heute Datenautobahnen ebenso wichtig geworden wie Bahnstrecken. Nach Einstellung des Bahnbetriebs, so Dengler weiter, wurde die Bahntrasse in einen Rad- und Wanderweg umfunktioniert. Im Winter werde dort zur Freude der Wintersportler auch eine Langlaufloipe gespurt.

„Die Liebe zur Eisenbahn und zu unserer Heimat hat dazu beigetragen, dass diese Ausstellung heute zustande gekommen ist“, unterstrich das Gemeindeoberhaupt und bedankte sich mit einer Flasche „Grüner Veltliner“ aus der Patengemeinde Falkenstein/NÖ beim Team des Arbeitskreises: Udo Dietl, Alfred Aschenbrenner, Jürgen Steinlein, Dr. Harald Schumny, Erwin Winter, Frauke Holzer, Monika und Gerd Frank, Anton Feigl sowie der Instrumentalistin Christiane Aschenbrenner.

Die Chancen wurden genutzt

„100 Jahre Eisenbahn Wutzlhofen – Falkenstein sind Grund genug, ein Jubiläum zu feiern und sich dieser großartigen Geschichte zu erinnern“, konstatierte Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler und fügte dem hinzu: „Was wäre gewesen, hätte es diese Eisenbahn nicht gegeben? Dann wäre Falkenstein nicht das, was es heute ist“. Heute sei diese Verbindung nach Regensburg ein Radweg. Als wichtig erachtete er in diesem Zusammenhang, dass man nach Einstellung der Bahn die Chancen nutzte und ein Angebot geschaffen habe, „das wieder Menschen anzieht“. Der Ausstellung wünschte er viele Besucher.

Anschließend überreichte Bürgermeister Thomas Dengler an den Landkreischef das erste Exemplar des Bildbandes von Udo Dietl „100 Jahre – Das Falkensteiner Bockerl“ mit fantastischen Bildern von Johann Dietl und Josef Dietl aus den Anfängen der Bahn in Falkenstein.

Jürgen Steinlein, der diese Ausstellung als Höhepunkt seiner Hobby-Eisenbahner-Zeit bezeichnete, erläuterte kurz Herkunft und Art der Exponate und Utensilien der Ausstellung und wies auf seinen am Samstag, 15. Juni, 19 Uhr, stattfindenden Vortrag über die Geschichte der Lokalbahn Wutzlhofen–Falkenstein hin.

Anschließend hatten die Vernissagegäste noch jede Menge Zeit, bei Erfrischungsdrinks und Häppchen die zahlreichen historischen und bisher kaum bekannten Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Johann Dietl aus der Zeit des Bahnbaus vor 1913 sowie aus den ersten Jahren des Bahnbetriebs nach der Eröffnung zu betrachten, ebenso die Fotos des Hamburgers Claus-Jürgen Wincke. Auf Interesse stießen auch die Kurzfilme von Erwin Winter und Hans Zwick, die Eisenbahnimpressionen aus der jüngeren Zeit bis hin zur Stilllegung 1985 zeigten.

Zahlreiche Eisenbahn-Utensilien

Ergänzt wurde die Ausstellung durch Kopien alter Dokumente wie die „Unterthänigste gehorsamste Bitte um Erbauung einer Lokalbahn“ des Eisenbahn-Comitees von 1896 an das königliche Staatsministerium, Zeitungsberichte und Baupläne verschiedener Bahnbauten und der Lageplan des Bahnhofsgeländes.

Zahlreiche Eisenbahn-Utensilien, die mit der Lokalbahn nach Falkenstein in Verbindung stehen, wie etwa der „Fahrkartenverkaufsschrank für aufrecht stehende Fahrkarten“ aus dem Jahr 1913, die Uniform des letzten Bahnhofvorstehers Peter Schmalzl sowie seine letzte Fahrkarte mit den Unterschriften der beiden Zugführer, sind in der Ausstellung ebenso zu sehen wie Modelle von Dampf und Diesel betriebenen Zuggarnituren sowie ein Modell des Falkensteiner Bahnhofsgebäudes. (rfa)

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