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Elf Räte und sieben Ortssprecher gehen

Mit Josef Brückl, Egon Mühlbauer und Walter Urban verlassen prägende Gestalten den Stadtrat von Waldmünchen
Von Martin Hladik

Die scheidenden Stadträte und Ortssprecher
Die scheidenden Stadträte und Ortssprecher

Waldmünchen.Die letzte Sitzung des Stadtrates der Periode 2014 bis 2020 war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Erstmals tagten am Dienstagabend die Stadträte in der großen Dreifachturnhalle. Jeder Rat hatte eine eigene Bierbank für sich, die im großen Abstand zur nächsten stand. So sollen die Abstandsregelungen in Coronazeiten auch im Stadtrat gewährleistet werden. Trotz des großen Raumes war die Akustik bei der Sitzung brauchbar. So war die erste Sitzung in Coronazeiten gelungen.

Etwas besonderes waren aber auch die vielen Verabschiedungen. Wegen elf Ausscheidern werden im Stadtrat über die Hälfte der Sitze mit neuen Mitgliedern besetzt. Insgesamt waren die elf ausscheidenden Mitglieder 193 Jahre für ihre Stadt verantwortlich tätig. Darunter „drei Urgesteine“, so Bürgermeister Markus Ackermann, wie Ehrenbürger Josef Brückl, der 42 Jahre im Stadtrat war. Auf 36 Jahre kommt Egon Mühlbauer und auf 30 Jahre Mitarbeit im Gremium kommt der Träger der Bürgermedaille Walter Urban.

Sieben Ortssprecher verabschiedet

Verabschiedet wurden auch sieben Ortssprecher, die gemeinsam 102 Jahre für ihre jeweiligen Ortsteile tätig waren. Dies könnte aber nur ein Abschied auf Zeit sein. Denn sobald die Versammlungsverbote der Corona-Pandemie vorbei sind, können wieder Ortssprecherwahlen durchgeführt und die bisherigen Ortssprecher durchaus wiedergewählt werden.

Die Ortssprecher

  • Katzbach:

    Sechs Jahre Franz Kerscher

  • Schäferei:

    Sechs Jahre Klaus Roßmann

  • Albernhof:

    Sechs Jahre Johann Rötzer

  • Untergrafenried:

    Zwölf Jahre Walter Roßmann

  • Höll:

    18 Jahre Dirk Kirsten

  • Ulrichsgrün:

    18 Jahre Willibald Vogl

  • Herzogau

    : 36 Jahre Alfons Lang

„Da gehen eine Menge Kompetenz, Überzeugungstäter und leidenschaftlicher Arbeiter für Waldmünchen“, sagte Bürgermeister Ackermann zur Verabschiedung der elf Stadträte. Für jeden hatte er ein persönliches Wort, eine Urkunde und zum Zeichen des Dankes einen großen Glasstern, der am Gibacht produziert wurde. „Denn ihr seid alle Sterne“, bemerkte Ackermann zur Übergabe der Sterne.

Erster in der Reihe der zu verabschiedenden Stadträte war Jürgen Lampatzer (CSU), der nicht wiedergewählt wurde. Lampatzer war Mitglied im Kultur- und Tourismusausschuss sowie im Werkausschuss. Ackermann beschrieb ihn als emotional und leidenschaftlich in seiner Stadtratsarbeit. Lampatzer sagte, er werde sich weiter für die Stadt engagieren und wünschte den Neugewählten eine glückliche Hand.

Ebenfalls sechs Jahre war Dieter Müller (JW) im Stadtrat. Auch er wurde nicht wiedergewählt. Er war Mitglied des Tourismus- und Kulturausschusses. Ackermann beschrieb ihn als „engagiert und nachfragend“. Müller bedankte sich wie durchgehend alle anderen Stadträte beim Bürgermeister, der Verwaltung und den Kollegen im Stadtrat für die gute Zusammenarbeit.

Franz Hausner (WWL) hat nicht mehr für den Stadtrat kandidiert. Er war sechs Jahre im Stadtrat und zuvor sechs Jahre Ortssprecher. Zudem war er im Bau- und Umweltausschuss sowie im Tourismus- und Kulturausschuss tätig. In den Ausschüssen habe er seine beruflichen Kenntnisse mit eingebracht. Seine „blumige Art und Weise“ Dinge zu beschreiben, sei geschätzt, sagte Ackermann. Auch Hausner dankte allen für die „problemlose Zusammenarbeit“.

Johann Ederer (WUL) war zwölf Jahre Stadtrat. Für die nächste Periode hat er nicht mehr kandidiert. Durchgehend war er Mitglied des Zweckverbandes Jugendhaus, die letzten sechs Jahre saß er zusätzlich im Tourismus- und Kulturausschuss. Seine „verantwortungsbewusste, ruhige und besonnene Art“, so Ackermann, habe viele Entscheidungen positiv beeinflusst. Ederer sagte: „Es war eine schöne Zeit, die ich vermissen werde, aber ich bin dennoch froh, dass es vorbei ist!“

Elisabeth Hutterer geht

Elisabeth Hutterer (CSU) hat nach zwölf Jahren nicht mehr für den Stadtrat kandidiert. Die ersten sechs Jahre war sie im Tourismus- und Kulturausschuss, in der zweiten Periode im Bauausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss. Mit ihrer „quirligen Art“, so Ackermann, habe sie eine große Bandbreite der Stadtratsarbeit abgedeckt, und ihre Arbeit immer gut vorangebracht. Hutterer lobte vor allem die Verwaltung der Stadt. Froh sei sie, dass es gelungen sei, für sie eine Frau als Nachfolgerin zu platzieren. Mit „Es war mir eine Ehre“ verabschiedete sich die Stadträtin.

Johann Beer (WWL) wurde nach zwölf Jahren im Stadtrat und im Werkausschuss nicht wiedergewählt. Zuvor war Beer zwölf Jahre lang Ortssprecher. Mit 24 Jahren Arbeit für die Stadt sei Beer ein Überzeugungstäter, der die nötige Ruhe und das nötige Sitzfleisch besitze, lobte Ackermann. Er habe das offene und ehrliche Miteinander geschätzt, sagte der Bürgermeister. Beer entgegnete, er habe drei Bürgermeister „erlebt und ausgehalten“. Interessant sei es immer gewesen, „schön meistens“.

Als Nachrücker war Josef Aumann (PWL) 13 Jahre im Stadtrat. Für die neue Periode hat er nicht mehr kandidiert. Fachwissen und eine klare und besonnene Linie bescheinigte Ackermann dem scheidenden Stadtrat, der auch im Umweltausschuss und im Werkausschuss war. Auf seine Tätigkeit im Stadtrat sei er „immer stolz“ gewesen, sagte Aumann. Er verabschiedete sich mit: „Bleibt’s gesund, ich geh’ in Rente!“

18 Jahre war Helmut Blahnik (CSU) im Stadtrat. Er wurde nicht wiedergewählt. Er gehörte dem Bau- und Umweltausschuss und die letzten sechs Jahre zusätzlich dem Kulturausschuss an. Ackermann beschrieb Blahnik als „unbestritten leidenschaftlichen Kämpfer“, der immer bürgernah gewesen sei. Er habe in den 18 Jahren viel gelernt, sagt Blahnik. Diese Zeit habe ihn auch geprägt. Er wünschte dem neuen Stadtrat „gute Entscheidungen“.

Drei Urgesteine des Stadtrats

Seit 30 Jahren ist Walter Urban (FWG) im Stadtrat. Der Träger der Bürgermedaille und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler war nicht zur Wiederwahl angetreten. Er sei immer ein besonnener Mann gewesen, der Themen sehr akribisch angegangen sei, der dabei aber immer das konstruktive Miteinander gesucht habe, sagte Ackermann. Urban war Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss. „Mir war es eine Ehre, 30 Jahre Waldmünchen zu vertreten“, sagte Urban. Rund 300 Sitzungen dürften es in dieser Zeit gewesen sein. Er dankte seinen „Weggefährten“ und schloss mit seinem Sinnspruch zum Umgang im Stadtrat: „Der Angriff gilt immer dem Ball und nicht dem Mann!“

Festakt

Eine Verneigung vor den Vorbildern

Der Höhepunkt des Jahresempfangs in Waldmünchen war die Verleihung der silbernen Bürgermedaille an drei Bürger.

Auch Egon Mühlbauer (WUL) hat nach 36 Jahren im Stadtrat nicht mehr kandidiert. Er war im Bau- und Umweltausschuss und im Werkausschuss tätig. Als Fachmann, so Bürgermeister Ackermann, habe Mühlbauer „immer sachkundig, immer mit Augenmaß und immer wohlwollend“ gehandelt. Dass ihm der Schalk im Nacken saß, habe manche kritische Situation gerettet. Mühlbauer: Er habe drei Bürgermeister erlebt und mit ihnen „loyal zusammengearbeitet“. Bei vielen Bauten könne er sagen, dass er mitentschieden habe, dass sie jetzt da seien. Er habe auch Zeiten erlebt, in denen es der Stadt nicht gut ging. Er hoffe jetzt, dass das Coronavirus den Stadtsäckel nicht zu sehr angreife.

Auszeichnung

Josef Brückl zum Ehrenbürger ernannt

Die politischen und beruflichen Verdienste Josef Brückls sind unbestreitbar groß. Die Stadt Waldmünchen verlieh ihm daher die Ehrenbürger-Rechte.

Als Superlativ in ganz Bayern bezeichnete Ackermann die 42 Jahre von Ehrenbürger Josef Brückl (WUL) im Stadtrat. Zunächst war Brückl ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Sinzendorf. Nach der Gebietsreform drei Perioden zweiter Bürgermeister in Waldmünchen. Er saß im Finanzausschuss, im Bauausschuss, im Fremdenverkehrs- und im Umweltausschuss. Brückl sei ein Kämpfer, der hochengagiert, leidenschaftlich und nie entmutigt sei. Bei all dem habe er nie Härte, sondern immer den Kompromiss gesucht.

Für viele Entwicklungen und Ideen in der Stadt sei er der Ideengeber. Ackermann benannte Brückl als persönliches Vorbild, vor dem er größten Respekt habe. 42 Jahre erschienen lang, seien aber schnell verflogen, sagte Brückl. Gerne erinnere er sich, wie die 210-Einwohner-Gemeinde Sinzendorf der Stadt Waldmünchen eine Last von 1,6 Millionen Mark hinterlassen habe. Die Anfangszeit der Gebietsreform sei schwierig und interessant gewesen. Man sei aber zusammengewachsen. Die gute Zusammenarbeit von Stadt und Umland seien der Grund, warum die Stadt jetzt so gut dastehe. Brückl wünschte dem neuen Stadtrat weiterhin Harmonie und Erfolg.

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