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Vortrag

Energieeinsparung als Akt der Nächstenliebe

Simon Berger hielt ein Plädoyer für sorgsamen Umgang mit Ressourcen. Als Begründung diente ihm auch die christliche Lehre.
Hans Schmelber

Rita Wagner und Pfarrer Michael Reißer (r.) dankten dem Referenten Simon Berger. Foto: Hans Schmelber
Rita Wagner und Pfarrer Michael Reißer (r.) dankten dem Referenten Simon Berger. Foto: Hans Schmelber

Waffenbrunn.Eine Sensibilisierung zum Thema Energie auf Basis zentraler Themen der Menschlichkeit bot am Montagabend Diplom-Ingenieur (FH) Simon Berger im Pfarrzentrum in Waffenbrunn. Der KDFB des Orts hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen, bei der Energieeinsparen auch als Akt der Nächstenliebe bezeichnet wurde.

Der Referent arbeitet als beratender Ingenieur bei der Versorgungstechnik der Hochschule München und ist beratender Ingenieur bei der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau (BayIKBau), der Berufsvertretung der Ingenieure aus Bauwesen, Bauwirtschaft, freien Berufen und öffentlichem Dienst in Bayern. Außerdem ist er Inhaber eines Ingenieurbüros für technische Gebäudeausrüstung HLS und ELT mit acht Mitarbeitern in Regensburg.

Das Mantra des Abends stellte der Referent gleich zu Beginn seines Vortrages in den Raum: „Das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, ist unvertretbar.“ Seinen Vortrag begann er mit dem Thema „Veränderung in der kirchlichen Lehre“. Die Nächstenliebe sei schon immer ein zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens, aber rein auf den Menschen bezogen. Umwelt- oder Tierschutz konnte man früher, wenn überhaupt, als Ableitung der Folgen auf die Menschen erahnen.

Glaube neu interpretiert

Im Juni 2015 erschien allerdings die von Papst Franziskus erstellte Enzyklika „Laudato si“, in der er den christlichen Glauben neu interpretiert. Die erste Umwelt-Enzyklika des Papstes weise Menschen und Kirche einen neuen Platz zu. Sie werden laut Berger zum Teil der Erde, anstatt sie zu beherrschen. In der Enzyklika steht unter anderen: „Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle.“ Vor allem auch deshalb, weil die Folgen des Klimawandels vor allem die Armen der Welt treffen.

Das Lehrschreiben sei im Geist der christlichen Soziallehre verfasst: „Wenn wir berücksichtigen, dass der Mensch auch ein Geschöpf dieser Welt ist, das ein Recht auf Leben und Glück hat und das außerdem eine ganz besondere Würde besitzt, können wir es nicht unterlassen, die Auswirkungen der Umweltzerstörung, des aktuellen Entwicklungsmodells und der Wegwerfkultur auf das menschliche Leben zu betrachten.“

Simon Berger wies darauf hin, dass die Ärmsten von der Gesellschaft weggeworfen und zugleich gezwungen sind, von Wegegeworfenem zu leben. Sie müssten zu Unrecht die Folgen des Missbrauchs der Umwelt erleiden. Es seien bereits gewisse Höchstgrenzen der Ausbeutung des Planeten überschritten worden, ohne dass man das Problem der Armut lösen konnte.

Dabei stelle sich allerdings die Frage, wo und wie man Grenze definiert. Rohstoffkonzerne hätten in Afrika zum Teil unbrauchbares Land zurückgelassen. „Wir setzten Glyphosat ein zur Ertragsoptimierung, sind uns anscheinend aber über die Tragweite nicht im Klaren.“

An dieser Stelle brachte der Referent den Umweltschutz und den Tierschutz ins Gespräch und sah diese direkt und indirekt als Bestandteil der Nächstenliebe. „Für mich sehe ich hier die Zusammenführung zweier Wertesysteme – zweier Welten, die nun endlich in Einklang stehen.

Teil zwei seines Referats war überschrieben mit „Sensibilisierung, Verbrauch und Konsum“ und begann mit Gründen für den Hunger in der Welt. Als wichtigen Punkt dafür sah Berger auch die Veredelung von Produkten. Das bedeute eine Wertsteigerung von Materialien und Produkten durch intelligente Bearbeitung, Verarbeitung oder Ausbesserung, allerdings unter Zuhilfenahme von anderen Produkten, sprich weiteren Ressourcen, die anderweitig fehlen. Bergers stellte die Frage, wie viel ein Mensch pro Tag zum Leben benötigt. Er ist sich sicher, dass alle Menschen auf der Welt genügend zu Essen hätten, aber die Nahrung nicht überall hin transportiert werden kann. Berger erklärte den Begriff Nahrungsmittel-Kalorienäquivalent und stellte letztendlich die Frage „Wo kommen denn die Ressourcen her?“ und schlussfolgerte dann: „Verzicht ist Nächstenliebe.“

Verzicht ist ein zentrales Thema

Damit war Berger schon beim Teil drei seiner Ausführungen – Zusammenfassung und Schlussfolgerung. „Verzicht ist wie die Nächstenliebe ein zentrales Thema unseres Glaubens.“ Sei man künftig alle Sünden los, wenn man einen Tag die Heizung runtergedreht habe? Essen nur noch vegetarisch, fahren nur noch mit dem Fahrrad oder laufen, sitzen in einer kalten Wohnung und zum Trinken statt Bier nur Wasser?

„Ich bin der Letzte, der das predigen kann und würde“, versicherte Berger. Er meinte aber auch, dass Nachdenken gefordert sei, was man tun könne, ohne Lebensqualität zu verlieren – und dass man sich mit den Themen Umweltschutz und Energieeinsparung auseinandersetzen sollte. Er forderte die Aufnahme dieser neuen Überzeugungen und daraus die entsprechenden Konsequenzen ins tägliche Leben.

„Energiesparen schont den Geldbeutel und die Umwelt“, gab der Referent den Anwesenden noch mit auf den Weg. Doch welche Maßnahme ist am effektivsten? Neue Fenster, die Fassadendämmung oder doch der Heizkesselaustausch?

Was bringen Energiesparlampen? Wie kann ich Stromdiebe in meinem Haushalt identifizieren? Und was bedeuten die Energieeffizienzangaben auf Kühlschränken und Waschmaschinen? Hier brachte der Diplom-Ingenieur den Verbraucherservice Bayern (VSB) ins Spiel.

Der zeigt auf und berät, wo Einsparpotenzial besteht und welche Fördermöglichkeiten es gibt. Zudem gibt er Infos zu den Themen Energiesparen (Strom und Heizenergie), gesundes Raumklima (Heizen und Lüften), moderne Heizungstechniken, Warmwasserbereitung, Energetisches Sanieren, Baulicher Wärmeschutz (Dämmung), Einsatz von erneuerbaren Energien, Informationen zum Energieausweis sowie über aktuelle Fördermittel für Neubau und Sanierung. (fsh)

Der Vortrag

  • Infos:

    Berger hatte viele Flyer zu den unterschiedlichsten Themen mitgebracht und stand nach dem Vortrag auch für Fragen zur Verfügung, wie Einsatz von Batterien, Photovoltaik- und Solaranlagen.

  • Dank:

    Rita Wagner, Vorsitzende des KDFB Waffenbrunn, bedankte sich beim Referenten mit einem kleinen Präsent und versicherte, dass etliche nützliche Sachen angesprochen wurden.

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