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Vortrag

Er erklärte die Welt der Käfer

Kleine Krabbeltiere lösen oft Ekel aus. Doch viele davon können uns bei der Gartenarbeit helfen, sagt Experte Rolf Steigerwald.
Rainer N. Heinrich

Etliche Krabbeltiere hatte ein Gast in einem Schraubglas mit der Bitte um Bestimmung mitgebracht. „Tausendfüßler“, waren sich die Experten sicher.  Foto: Rainer N. Heinrich
Etliche Krabbeltiere hatte ein Gast in einem Schraubglas mit der Bitte um Bestimmung mitgebracht. „Tausendfüßler“, waren sich die Experten sicher. Foto: Rainer N. Heinrich

Bad Kötzting.„Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen.“ Dieses Wort von Goethe könnte man ergänzen: ebenso die „guten“ und die „bösen“ Käfer. Über diese Krabbeltiere wusste Rolf Steigerwald beim Vortragsabend des Vereins für Gartenbau und Landespflege Bad Kötzting am Donnerstagabend im Januelsaal mit einer unterhaltsamen Powerpoint-Präsentation viele interessante Details zu berichten.

„Bei meinem Hobby, der Makrofotografie, fielen mir an Blättern und Pflanzen Fressschäden auf. Die Verursacher interessierten mich“, sagte der Vereinsvorsitzende des OGV Viehhausen. Immerhin 350000 Käferarten gibt es auf der Erde. Der wohl bekannteste und in Deutschland am häufigsten vorkommende Käfer ist der Marienkäfer. Alleine hier lassen sich 40 Arten unterscheiden. Steigerwald stellte ihn und andere Käfer auf Fotos vor und erklärte, wo sich er und seine Larven aufhalten.

Der Marienkäfer etwa ist ein „ganz wichtiger Helfer im Garten“, sagte Steigerwald. Denn er vertilgt am Tag circa 50 Blattläuse, Schildläuse und Spinnmilben. Die Larve bringt es innerhalb von drei Wochen auf bis zu 600 Läuse. Der 22-Punkt-Marienkäfer, eine gelbe Spezies, ist als Vegetarier auf Mehltaupilze spezialisiert. Der Asiatische Marienkäfer ist noch gefräßiger und sei deshalb von einer belgischen Großgärtnerei zur Schädlingsbekämpfung in ihren Gewächshäusern eingeführt worden, sagte der Experte. Doch er wird zunehmend zum Problem: Einigen Exemplaren gelang die Flucht – weil er sich sehr schnell vermehrt, bereitet der sogenannte Harlekinkäfer inzwischen im Obst- und Gartenbau Sorgen.

Ein gefährlicher Doppelgänger

Auch über den Weidenbaum referierte Steigerwald. Er locke nicht nur Vögel an, sondern sei auch eine der wichtigsten Pflanzen für Insekten. Er diene etwa dem Moschusbock, der auch an andere Weichhölzer geht als Wirtspflanze. Der eher harmlose Käfer darf nicht mit dem Asiatischen Laubbockkäfer (ALB) verwechselt werden. „Wo der auftritt, gibt es nichts mehr zum Lachen. Da ist jeder Laubbaum gefährdet, denn der macht vor nichts Halt“ warnte Steigerwald vor dem meldepflichtigen Neozoon, das in Deutschland erstmals im Jahr 2014 auftauchte. Genauso hätten Maiglöckchenhähnchen und Lilienhähnchen zwar eine schön karminrote Farbe. Doch sie befallen gerne Kaiserkronen und Lilien, Knoblauch oder Zwiebeln. Der Käfer-Experte riet, die Käfer abzusammeln und ihre Larven mit einem scharfen Wasserstrahl von den Pflanzen abzuspritzen.

Der kleine Rapsglanzkäfer ist da harmloser. Er „steht auf gelb“, sagte Steigerwald. Im Rapsfeld könne er Schaden anrichten, aber „bei seinem Auftreten im Garten brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.“ Wer Erdflöhe im Garten hat, könne sie am besten durch Gießen, Mulchen und Hacken vergraulen. Aber auch durch die Anwendung von Gesteinsmehl und Algenkalk könne man nicht nur diesen Fraßschädlingen Einhalt gebieten. Denn auch Schnellkäfer seien eigentlich ungefährlich, aber ihre Larve, der „Drahtwurm“, wegen seiner Lust auf Kartoffeln und Co. sehr lästig.

Rosenkäfer und Egel sind Helfer

Mai- und Junikäfer verursachen an Laubbäumen große Fraßschäden. Auch die Engerlinge, die sich bis zu vier Jahre lang im Boden aufhalten, bereiten Probleme. Ausführlich zeigte Steigerwald auf, wie der Hobbygärtner Maikäferengerlinge von den ihnen ähnlichen Engerlingen des Rosenkäfers unterscheiden kann. Denn dieser wiederum sei völlig unschädlich und sehr nützlich im Garten. Da er keine frischen Pflanzenteile verdauen könne, fresse er totes Pflanzengewebe: „Er lässt den gesamten Komposthaufen durch seinen Darm. Das Ergebnis ist sei bestes Kompostmaterial“, sagte Steigerwald. Zum Schluss ging er noch auf die Große Egelschnecke ein, auch Tigerschnegel genannt. Schnegel fressen andere Nacktschnecken und deren Eigelege sowie totes Pflanzenmaterial, gehen aber nicht an lebende Pflanzen. Auch sie sind deshalb keine Schädlinge im Garten, sondern Nützlinge, erklärte der Experte. (kni)

die Käfer Erkennen

  • Rosenkäfer:

    Entscheidend ist ihre Fortbewegung: Auf einer glatten Unterlage „robbt“ der Rosenkäfer auf dem Rücken davon. Der Maikäfer-Engerling bewegt sich gekrümmt in Seitenlage, der Junikäfer kriecht in Bauchlage weg.

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