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Region Cham
Samstag, 26. Mai 2018 25° 3

Gastronomie

Er fand sein Glück auf dem Heilbrünnl

Josef Gallmeier ist seit 2016 Wirt in der Wallfahrtsgaststätte bei Roding. Vor allem der Grill ist seine Leidenschaft.
Von Rupert Schlecht

Josef Gallmeier versorgt seine Ziegen mit Bananen. Ebenso wenig abgeneigt sind sie Weintrauben. Für die schöne Aussicht hinunter zum Regen und hinüber nach Roding bleibt während der Fütterung auch Zeit. Fotos: R. Schlecht

Roding.Dieser Mann hat Schwein gehabt. Was wörtlich zu nehmen ist. Josef Gallmeier, Wirt der Wallfahrtsgaststätte am Heilbrünnl, ist an diesem Frühlingsmorgen gerade dabei, Rosina und Maria mit Bananen zu füttern. „Den beiden Damen geht es prächtig.“ Die Hängebauchschweine sind nicht nur bei ihrem Herrchen beliebt. „Sie haben auch schon einen richtigen Fanclub.“ Gallmeier freut’s: Manche Besucher kommen jeden Tag zum Heilbrünnl herauf, um sie zu besuchen. Ab und zu gibt’s sogar Babykarotten.“

Das Feedback, das ihn lenkt

Die Heilbrünnl-Hängebauchschweine finden Bananen besonders lecker. Fotos: R. Schlecht

Putzige Borstentiere, das Gasthaus, die schmucke Kirche, die ergrünende Natur, dazu der Blick hinab zum Regen, dessen Wasser in der Sonne gleißt, und am Horizont Roding im Morgendunst: Das Heilbrünnl und dessen Umfeld können, selbst wenn’s womöglich abgedroschen klingt, getrost als Idyll bezeichnet werden. Allzu viel Zeit, dieses in Gänze zu genießen, gönnt sich Gallmeier nicht. Schließlich hat er zu tun, und das tüchtig. Seit Oktober 2016 ist der 29-Jährige der Wirt der Heilbrünnl-Gaststätte. Da scheint die Zeit reif für ein Zwischen-Fazit: „Im Großen und Ganzen“, bilanziert Gallmeier, „bin ich zufrieden. Das Gasthaus wird gut angenommen.“ Hört sich bescheiden an? – Ja, so könne man das auch sehen. „Mir ist wichtig, dass die Leute Feedback geben. Das lenkt mich.“

Gallmeier macht kein Hehl daraus, am Heilbrünnl sein Glück gefunden zu haben. Dieses wiegt den Stress, den seine gastronomische Arbeit zwangsläufig mit sich bringt, ein Stück weit auf. Das Heilbrünnl mit seiner Gaststätte (90 Plätze drinnen, 120 im Biergarten) ist ihm zur Arbeitsstelle, Lebensmittelpunkt und Heimat geworden. Der Wirt hat seine Wohnung im Gasthaus. Vom Fenster im ersten Stock aus schaut er, wenn er mal Muse hat, mitunter auf den Biergarten und das Gehege von Maria und Rosina. Dort zugegen sind neben diesen auch Ziegen, die mit den Hängebauchschweinen in Koexistenz beisammen sind.

„Bodenständig und vernünftig“

Der Grill wird schon mal geputzt. „Es“, so Josef Gallmeier, „muss nicht immer Steak sein.“ Fotos: R. Schlecht

Gallmeier ist Küchenmeister. Über die Vorzüge seines Berufes befindet er so: „In der Gastronomie kann man sich entfalten. Man hat die Möglichkeit, Menschen glücklich zu machen. Und man kann selbst entwickelte Produkte verkaufen. Meistens erhält man sofort Rückmeldung darüber.“ Seine Art zu arbeiten charakterisiert er als „bodenständig und vernünftig“. Und sein Beruf am Heilbrünnl ist quasi ein Fulltime-Job. Der junge Wirt ist sich bewusst, dass er die verantwortliche Position in der Küche auf Dauer nicht alleine schultern kann. Also müsste ein Küchenmeister her, dem er gegebenenfalls verantwortliche Tätigkeiten übertragen könnte. Gallmeier, ein gebürtiger Rodinger, habe infolge des Geschäfts ohnehin viel um die Ohren, und jede Menge Vorhaben. Eine seiner Leidenschaften gehört dem Grillen. Gallmeier hat, ehe er am Heilbrünnl angeheuert hat, mehrere Stationen in der Gastronomie hinter sich, dabei die im Restaurant einer Großgärtnerei in Regensburg. Das hat er sechs Jahre geführt, darüber hinaus Grillseminare veranstaltet und geleitet. Er bevorzugt den Gasgrill, schlicht, weil Grillen damit seiner Erfahrung nach unkompliziert ist. Schmackhaftes vom Grill kommt rasch und sauber auf den Teller. „Dabei muss es nicht immer Steak sein.“ Warum nicht auch mal Braten vom Grill? Müssen jetzt Maria und Rosina um ihr Leben bangen? – Gallmeier schüttelt den Kopf. Seine Hängebauchschweine bleiben unangetastet. Schlachten? – „Niemals.“

Das freut auch den Wirt: „Die letzten drei Tage ist es richtig hellgrün geworden.“ Fotos: R. Schlecht

Wer mit dem Heilbrünnl-Wirt übers Gelände am Heilbrünnl schlendert, landet unter Garantie über kurz oder lang auch im Biergarten. Dort fällt einem die kleine Holzhütte auf. „Die“, sagt Gallmeier, „stammt noch vom letzten Christkindlmarkt am Heilbrünnl, ich habe sie gekauft.“ Mit der beziehungsweise in der Hütte hat er so einiges vor – Forellen räuchern zum Beispiel. Schuppentiere, die gibt’s nämlich auch am Heilbrünnl. „Dieser Tage habe ich den Brunnen gereinigt.“

In diesem Brunnen ist momentan allerdings nur eine Forelle. Alsbald jedoch soll der Bestand wieder auf rund 20 Exemplare anwachsen. Ferner spiet Gallmeier mit dem Gedanken, zusätzlich Störe und Saiblinge anzuschaffen.

So oder so, die Tierschar am Heilbrünnl ist, wenn es nach Josef Gallmeier geht, noch nicht vollständig. „Zurzeit bin dran, mir noch Schafe zuzulegen. Den Zaun habe ich schon gekauft.“ Wenn alles glatt läuft, sind dann auch all die neuen Tiere beim Fest im Sommer zugegen. Gallmeier plant nämlich zum Jubiläum 350 Jahre Heilbrünnl in Absprache mit der Kirche eine Veranstaltung – mit Live-Musik, Hüpfburg und einem professionellen Feuerwerk. Ihm gehen die Ideen nicht aus. Zurzeit lebt er am Heilbrünnl seinen Traum. Andersherum gesagt: echt Schwein gehabt.

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