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Menschen

Er feiert Priesterjubiläum „dahoam“

Pater Alois Stautner feiert Sonntag in Döfering ein zweites Mal. Ein Gespräch über dieses Herzensanliegen, Kirche und Welt.
Von Petra Schoplocher

Pater Alois Stautner feiert am Sonntag in Döfering Goldenes Priesterjubiläum. Er tut das ganz bewusst „Zuhause“.  Foto: Stautner
Pater Alois Stautner feiert am Sonntag in Döfering Goldenes Priesterjubiläum. Er tut das ganz bewusst „Zuhause“. Foto: Stautner

Schönthal.Pater Alois Stautner hat eine Vorahnung, was da auf ihn zukommt. Einmal hat der 76-Jährige nämlich schon goldenes Priesterjubiläum gefeiert, Ende Juni, in Gars am Inn, wo er lebt. „Da ist der Blutdruck gestiegen und ich war nervös“, erzählt der Redemptoristenpater. So wird es ihm sicher auch am Sonntag gehen, wenn die Erinnerung an die Weihe vor 50 Jahren in Döfering begangen werden, seiner Heimatpfarrei, seinem Zuhause.

Das ist die früher selbstständige Gemeinde immer geblieben, betont der Geistliche – und das, obwohl er nach der Schulzeit nie mehr zurückgekehrt ist. „Ich möchte gerne in der Heimat feiern“, betont Stautner.

Wann immer Alois Stautner in der Heimat ist, nimmt er auch am Döferinger Leben teil. Hier stößt er mit den Senioren bei der Neujahrssitzweil auf ein gesundes 2019 an. Foto: ps
Wann immer Alois Stautner in der Heimat ist, nimmt er auch am Döferinger Leben teil. Hier stößt er mit den Senioren bei der Neujahrssitzweil auf ein gesundes 2019 an. Foto: ps

Im Schnitt fünf Mal im Jahr schafft er es, „nach Hause“ zu kommen, in letzter Zeit noch lieber, weil sich ein „Geschwistertreffen“ – Stautner hat nach dem Tod der ältesten Schwester noch fünf, von denen vier hier wohnen – etabliert hat. Gemütlich, bei Kaffee und Kuchen, sitze man zusammen, erzählt Stautner dankbar.

Dass er Priester wurde, habe weniger mit Engeln oder einer anderen Erleuchtung zu tun, sondern vielmehr mit dem Lehrer und dem Pfarrer, blickt er zurück und erklärt: Früher war es am Dorf üblich zu schauen, bei wem sich Interesse für den Beruf wecken ließe und wer somit auf die höhere Schule geschickt wurde. „Oft war das nur einer.“ Stautner spricht von einem geraden Weg, den er gegangen sei. Was nicht bedeutet, dass er nicht in sich gegangen sei, vor der Weihe. „Das ist schon ein Schritt“, sagt er nachdenklich.

Noch immer hilft der 76-Jährige im Pfarrverband Gars am Inn (im Erzbistum München gelegen) aus, im Bild eine Fahrzeugsegnung in Au am Inn. In Gars liegt auch das Redemptoristenkloster. Foto: Stautner
Noch immer hilft der 76-Jährige im Pfarrverband Gars am Inn (im Erzbistum München gelegen) aus, im Bild eine Fahrzeugsegnung in Au am Inn. In Gars liegt auch das Redemptoristenkloster. Foto: Stautner

Den Wunsch, außerhalb des Klosters zu leben oder eine eigene Pfarrei zu leiten, habe er nie verspürt. Kennengelernt hat er dieses andere Wirken als Kaplan in Trostberg und ab 1978, als er beim Aufbau von Pfarrverbänden in Landau in der Pfalz eingesetzt war. Zu der Zeit lebte er auch in einer Mietwohnung, aber „Kloster ist eben Kloster“.

Bereits 1970 wurde er Präfekt im Redemptoristen-Schülerheim in Riedlingen und unterrichtete am Gymnasium. Nach Riedlingen ist er immer wieder für eine gewisse Zeit zurückgekehrt, auch wenn ihn sein Weg über eine Zusatzausbildung für Heimleiter nach Köln oder eben in die Pfalz führte. 2005 übernahm er schließlich die Verwaltungsleitung des Klosters Gars, „nebenbei“ engagierte er sich im Pfarrverband, in dem er bis heute als „eine Art Kaplan“ hilft.

Es kann „hart“ kommen

Einfühlungsvermögen und Kontaktfreudigkeit sieht der Ordensgeistliche als wichtigste Eigenschaften für einen Priester an. Gerade Ersteres fordere oft einen persönlichen Preis. „Es gibt schon Dinge, die einem sehr schwerfallen“, gibt der 76-Jährige zu. Momente, in denen es „hart“ wird. Der Geistliche erinnert sich an einen 21-jährigen Motorradfahrer, der vor drei Jahren tödlich verunglückte.

Die Kirche war voller (junger) Leute, wie oft in solch tragischen Fällen lastete auf ihnen die Frage nach dem „Warum?“. Er könne nur versuchen, vom Glauben her eine Antwort zu geben“, erklärt der Priester. Die lautet: Mit dem Tod ist nicht alles aus, „wir dürfen ein neues Leben erwarten.“

Pater Alois Stautner ist viel und gerne in der Natur unterwegs. Ganz bewusst geht er auch in dem rund 4000 Einwohner zählenden Städtchen viel zu Fuß, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Foto: Stautner
Pater Alois Stautner ist viel und gerne in der Natur unterwegs. Ganz bewusst geht er auch in dem rund 4000 Einwohner zählenden Städtchen viel zu Fuß, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Foto: Stautner

Dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden, bereite ihm natürlich Kummer, wie „die ganze Entwicklung“. Ihm komme es vor, als sei „der Glaube im Volk etwas verdunstet“. Was im übrigen keine deutschlandspezifische Erscheinung sei, auch in Ländern wie Polen, in denen es vor vielen Jahren viele neue Priester gab, gehen die Zahlen deutlich zurück.

Dabei sei nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965) und somit in seinen Anfangsjahren als Priester ein Aufbruch spürbar gewesen, beschreibt er die damalige Stimmung. Eine, von der er sich mitreißen ließ. „Da hatte man schon das Gefühl, es geht was vorwärts.“

Keine neuen Ideen

Inzwischen sei es aber leider so, dass manches eher rückläufig ist. Und: Vieles, das heute als Überlegung verkauft würde, „haben wir damals schon diskutiert“.

Heute beobachtet er „einen gewissen Aktionismus von oben“, Programme, Strukturänderungen... „Das Ordinariat wird immer größer, beim Volk wird’s weniger“, sagt er kritisch. Und mit Aussagen wie „Die Bischöfe überdenken das“, setze man nicht gerade Zeichen.

Raum und Zeit für Seelsorge

Auf der anderen Seite aber habe man erkannt, dass die Pfarrer Entlastung bräuchten und Verwaltungsaufgaben auf andere Schultern verteilt, damit wieder mehr Raum für die Seelsorge bleibt. „Darum sollte es schließlich gehen“, betont der 76-Jährige.

Für die Menschen da sein, das wollte und will auch Pater Stautner und liegt damit voll im Kern der Redemptoristen-Gemeinschaft. Diese betrachtet sich vorrangig als Seelsorgs- und Predigerorden.

Wenn er – trotz Nervosität auch mit großer Vorfreude – an den Sonntag denkt, hat er vor allem einen Wunsch: „Die Leute sollen ein schönes Fest feiern.“ Und zwar nicht im Sinne eines Volksfest-Besuchs, sondern miteinander im christlichen Glauben.

Der Neffe hält die Festpredigt

Die Festpredigt wird sein Neffe halten, wie schon beim silbernen Priesterjubiläum, „die Idee ist also nicht ganz neu“, schmunzelt der Geistliche. Ob sich der langjährige Krankenhaus- und jetzige Telefonseelsorger eine eigene Stelle im Evangelium aussucht oder das für Sonntag vorgesehene Lukasevangelium aussucht, weiß Alois Stautner nicht. „Ich lasse mich überraschen.“

Und sein Wunsch für die Kirche? „Dass sie es fertig bringt, die Menschen in der Jetzt-Zeit mit ihren Problemen anzusprechen“. Die Menschen wiederum sollten den Gedanken an die Transzendenz nicht verlieren und auf der Suche bleiben. Die mit einem Begleiter wie Pater Alois Stautner sicher einfacher ist.

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