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Natur

Er ist DER Christbaum schlechthin

Die Nordmanntanne hat vom Kaukasus aus einen einmaligen Siegeszug angetreten – auch bis tief in den Bayerwald hinein.
Von Petra Schoplocher

So kennt man sie: Während die Nordmanntanne waldbaulich keine große Bedeutung hat, ist sie als Christbaum sehr gefragt. Auch bei Hans Geiger wird eine im Zimmer stehen – aus eigener Pflanzung. Fotos: Schoplocher
So kennt man sie: Während die Nordmanntanne waldbaulich keine große Bedeutung hat, ist sie als Christbaum sehr gefragt. Auch bei Hans Geiger wird eine im Zimmer stehen – aus eigener Pflanzung. Fotos: Schoplocher

Grafenwiesen.Das haben wir ja bestens hinbekommen, meine Herren Förster: DEN Christbaum schlechthin als Serienteil am 24. Dezember (ich gebe zu, ich kann wenig bis gar nichts dafür). Die Nordmanntanne also. Los geht es mit einer Überraschung. Ihr Name hat nämlich nicht etwa mit der Himmelsrichtung zu tun, sondern ist nach einem finnischen (immerhin!) Biologen Alexander von Nordmann benannt. Der hatte die Baumart Mitte des 19. Jahrhunderts im Kaukasus entdeckt. Dort - und nur dort - ist ihre ursprüngliche Heimat, auf rund 13 000 Hektar Fläche, zerteilt in vielen kleine Vorkommen, informiert Hans Geiger.

Von dort aus trat sie einen Siegeszug an, der seinesgleichen sucht. Während sie als Forstbaum kaum Bedeutung erlangte – die Weißtanne sitzt ihr da gewissermaßen vor der Nase, ist sie Europas Weihnachtsbaum Nummer eins. Der Grund dafür sind ihre besonders dekorativen und intensiv glänzenden, weichen Nadeln, die schön anzusehen und leicht zu schmücken sind. Zusätzliche Trümpfe sind ihre lange Haltbarkeit und ihr angenehmer Duft.

Monokulturen sind ein „No go“

Hans Geiger, Förster im Revier Bad Kötzting Foto: kad
Hans Geiger, Förster im Revier Bad Kötzting Foto: kad

Das kleine Dänemark ist Plantagenland Nummer eins, über 100 Millionen Nordmanntannen werden dort angebaut, über fünf Millionen jedes Jahr exportiert. Für Förster Geiger bedenklich. Schließlich werden häufig Pestizide eingesetzt, um Nadelpilze abzutöten, „Die gelangen ja auch ins Ökosystem“, meint er nachdenklich. „Ich hätte kein gutes Gefühl“. Regional und nicht aus dem Discounter, lautet sein Appell. Den Kopf schütteln kann er nur über Züchtungen mit goldenen oder blauen Nadeln.

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Nun aber weg von den Gedanken an bunte Kugeln und Lametta und zurück in den Wald. Dass die Nordmanntanne da keinen großen Stich macht, liegt an den Erfahrungen, die man über 1000 Jahre mit der Weißtanne gesammelt hat. Gleichzeitig hat man mit dem flächigen Anbau von Nordmanntannen schon Schiffbruch erlitten. Aber Monokulturen sind ja längst ein „No go“, ruft der Fachmann in Erinnerung. Wer sich dennoch entschließt, Nordmanntannen zu integrieren, muss aufpassen, dass man ihr den Schirm nicht zu schnell wegnimmt, sie ist relativ lichtempfindlich.

Die Nordmanntanne wächst in kühl-humidem Klima auf tiefgründigen, humosen Lehmböden und stellt nur geringe Ansprüchen an den Wasser- und Nähstoffhaushalt ihres Standorts. Junge Bäume sind empfindlich gegen Früh- und Spätfröste. Außerdem leiden sie stark unter Trockenheit. Je höher die Lage, desto besser wächst sie, lautet eine Erfahrung aus Oden- oder Schwarzwald, wo sie vereinzelt vorkommt. Zurückzuführen ist das wohl auf die größeren Niederschlagsmengen. Grundsätzlich kann sie bis zu 600 Jahre alt und 60 Meter hoch werden.

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Der Weihnachtsbaum braucht Schutz

Die Nordmanntanne hat viel mit ihrer „weißen“ Verwandten gemein. Beide sind dank ihrer Pfahlwurzel annähernd gleich sturmfest. Allerdings ist „der Weihnachtsbaum“ im Jugendwachstum noch langsamer. . Die Unterscheidung ist einfach: Bei der Weißtanne sind die Nadeln in einer Ebene angeordnet, bei der Nordmanntanne meist spiralig am Trieb, so dass die Zweige „buschig“ aussehen. Außerdem wächst bei der Nordmanntanne an manchen Zweigen ein Trieb nach unten. Diese sterben aber nach wenigen Jahren ab. Das Holz ist weitgehend harzfrei.

Unser Experte

  • Zur Person

    : Hans Geiger (50) wohnt in Grafenwiesen. Er studierte Forstwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan und leitet seit Februar 2001 das Revier Bad Kötzting der Bayerischen Forstverwaltung.

  • Verbundenheit:

    „Unser Wald ist ein wunderbarer, vielfältiger Organismus. Auch wegen des Klimawandels müssen wir auf noch viel mehr Artenvielfalt setzen.“

  • Beratung/Kontakt

    : AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09972) 94 30 20.

Mit der Baumart hat man aus dem Kaukasus die (Weißtannen)Trieblaus eingeschleppt, die „schon Sorgen macht“, zumal sie auch andere Tannenarten bedroht. Und weil auch Verbiss ein großes Thema ist, „geht ohne Schutz gar nichts“. Jahre später wird man dann mit einem wunderschönen Baum belohnt. Einen Weihnachtsbaum eben.

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