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Menschen

Er ist Waldmünchens Geschichts-Zeichner

Seinen 70. Geburtstag feiert Hans Peter Wagner gesundheitlich angeschlagen. Heute ist er die personifizierte Heimatliebe.
Von Petra Schoplocher

„Das Zeichnen und meine Frau halten mich am Leben“. Obwohl Hans Peter Wagner gesundheitlich angeschlagen ist, freut er auf seinen heutigen Geburtstag und die Begegnungen mit Weggefährten. Und er verspricht: „Nachgeben tu’ ich nicht!“ Fotos: Schoplocher
„Das Zeichnen und meine Frau halten mich am Leben“. Obwohl Hans Peter Wagner gesundheitlich angeschlagen ist, freut er auf seinen heutigen Geburtstag und die Begegnungen mit Weggefährten. Und er verspricht: „Nachgeben tu’ ich nicht!“ Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.Die Waldmünchener vermissen derzeit einen der Ihren: „Wo ist eigentlich der Wagner Hans Peter?“ Schließlich war der beliebte, bekannte und engagierte Herzogauer nahezu täglich irgendwo zu sehen. Wer nicht im Stillen überlegte, sondern in der Stadt Tochter Barbara getroffen hat, weiß von den gesundheitlichen Problemen, die ihm vor allem seit Mai schwer zusetzen. Und die einen Grauschleier über seinen heutigen Geburtstag legen.

Es mutet an wie Vorfreude mit angezogener Handbremse. Die schöne Aussicht, alte Weggefährten zu sehen und ein paar unbeschwerte Momente erleben zu dürfen, wird getrübt von der Sorge, ob die Kraft reichen wird. Aber Wagner wäre nicht Wagner, wenn er sich nicht auch dieser Herausforderung stellen würde. Verkriechen gilt nicht. „Die Leute werden schon akzeptieren, dass ich jetzt so bin, wie ich bin.“ Und noch was macht er deutlich: Nachgeben, nein, Nachgeben werde er ganz sicher nicht, sagt er kurz vor seinem Geburtstag mit Nachdruck.

Zur Person

  • Heimat

    Geboren und aufgewachsen ist Hans Peter Wagner mit drei Geschwistern in Waldmünchen. Dass er aus einem Baugeschäft stammt, hat ihn nicht nur beruflich geprägt. „Solange es ging, ist er immer mit dem Meterstab ums Haus“, erzählt Evi Wagner.

  • Familie

    Die Wagners haben einen Sohn, Sebastian, und eine Tochter. Barbara (Konering) lebt mit ihrer Familie in Herzogau. Ihre zwei Kinder und die vier ihres Bruders sind die große Freude ihrer Großeltern.

  • Engagement

    Kirchenpfleger ist Hans Peter Wagner seit 1978, Kreisheimatpfleger gleich zum wiederholten Mal: Von 1977 bis 1984 und wieder seit 2008. Sein Einsatz an der Spitze der Feuerwehr wurde mit dem Ehrenvorsitz gewürdigt. Hinzu kamen Jahre als Goldsteig-Wanderweg-Pate und, und, und...

  • Autor

    Als (Orts)Chronist hat der 70-Jährige zahlreiche Bücher verfasst und gestaltet. Seine Abhandlung über die Glashütten der Region erscheint demnächst. (ps)

„Eine Wertschätzung“

Seine Tochter Barbara Konering, die in der Stadt regelmäßig angesprochen wurde und wird, sieht die Nachfragen als Wertschätzung, spürt, dass sich die Fragenden kümmern. Kein einziges Mal sei ein Gespräch lästig gewesen, unterstreicht sie. Und wertzuschätzen gibt es bei dem studierten Bauingenieur und Berufsschullehrer eine Menge. Kreisheimatpfleger, Gastgeber, Wanderwegbetreuter, Kirchenpfleger, Autor, Geschichtskenner, Projektinitiator, Heimatliebhaber: Es gäbe viel zu schreiben über das Engagement des Jubilars und noch mehr von dem, was er erlebt und bewegt hat. So fand er eines Tages, dass es nicht reiche, „nur“ Kirchenpatrozinium zu feiern: Das Annafest wurde geboren. Als er fand, dass ein Kriegerdenkmal würdevoll sei, war dies schon errichtet, ehe sich der ein oder andere versah. Und wenn er sich ein Büchlein über den Kreuzweg einbildete, schrieb er eines.

Projekt: Derzeit zeichnet Hans Peter Wagner alle ehemaligen Forstämter im Forstbetrieb nach. Ein Buch über heimische Glashütten ist gerade fertig. Fotos: Schoplocher
Projekt: Derzeit zeichnet Hans Peter Wagner alle ehemaligen Forstämter im Forstbetrieb nach. Ein Buch über heimische Glashütten ist gerade fertig. Fotos: Schoplocher

Auch zum Amt des Kirchenpflegers – das er seit 40 Jahren (!) innehat – sei er wegen seiner anpackenden Art gekommen. „Weil sich kein anderer gefunden hat“, erinnert sich der Jubilar schmunzelnd. Kreisheimatpfleger wurde er, weil Ende der 1970er Jahre die Denkmalliste überarbeitet werden musste „und jemand gebraucht wurde, der vom Bau was versteht“. Das tat Wagner, der später als Berufschullehrer – die Bauzeichner lagen ihm besonders am Herzen – seine Berufung fand. Noch immer würden ihn Schüler respektvoll und herzlich grüßen, „das ist doch was“, meint er. Überhaupt sollte das Zeichnen eines seiner Markenzeichen werden. Zahlreiche Chroniken hat er illustriert, für die Firmengeschichte des Bauunternehmens Wagner hielt er 2003 125 Jahre bauwerkliches Schaffen in Skizzen fest.

„Das Zeichnen und meine Frau halten mich am Leben“, sagt der Herzogauer derzeit über seine Situation. Jeden Tag greift er immer wieder zum Stift, wenn er gerade nicht an seinem „Forsthaus“-Projekt arbeitet, dient auch schon mal ein Blumenstrauß als Inspiration. „Weil man da mal kreativ was dazu erfinden kann.“ Denn ansonsten gilt höchste Genauigkeit.

Glas als Herzensangelegenheit

So vielseitig Hans Peter Wagner auch aufgestellt ist, eine „Sache“ hat es ihm besonders angetan: Glas, für ihn eine „Herzensangelegenheit“. Früher habe er ein Buch dazu im Schrank gehabt, heute ist es ein ganzes Wandregal voll. Dieses wird bald um eine Neuanschaffung reicher sein: Hans Peter Wagner hat sich mit einem eigenen Buch über Glashütten einen langgehegten Wunsch erfüllt. Zu allen, die es in der Region gegeben hat, bis Charlottenthal und ins Böhmische hinein, hat er Informationen gesammelt und Bilder gezeichnet. Eigentlich hätte das Buch zu seinem Geburtstag fertig sein sollen. „Aber da steckst du halt nicht drinnen“, sagt er prosaisch.

Wenn auch das Führen des Landhotels der Bereich von Evi Wagner und ihrem „guten“ Team – das Adjektiv ist ihr wichtig – ist, so war doch auch immer das Engagement des Chefs gefragt. „Er hat abgespült und Kartoffel geschält“, erzählt Evi Wagner. Auch bei den Umbauten und Sanierungen seien die beiden ein gutes Team: sie für die Ideen, er für die Umsetzung.

Beim Blick zurück auf die Jahre fällt Evi Wagner das Geschenk der Schule ein. Die Charakterzüge ihres Mannes sind darauf verewigt. „Genau so ist er“, sagt sie und lächelt ihren Mann liebevoll an. Hat doch was Gutes, so ein Tag kurz vor einem runden Geburtstag.

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