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Forst

Er sorgte für Vielfalt in Kötztings Wald

20 Jahre führte Hans Kastl die Waldbauernvereinigung als Vorsitzender. Hier lernte er, dass Monokultur ein Auslaufmodell ist.
Von Alois Dachs

Hans Kastl in seinem „Wunschwald“ mit Fichte, Tanne, Buche, Eibe und Bergahorn, die noch durch andere Arten ergänzt werden könnten. Foto: Dachs
Hans Kastl in seinem „Wunschwald“ mit Fichte, Tanne, Buche, Eibe und Bergahorn, die noch durch andere Arten ergänzt werden könnten. Foto: Dachs

Bad Kötzting.Nach Ostern steht Hans Kastl ein ganz besonderes Ereignis bevor: Zusammen mit seiner Frau wird er in das neu errichtete Austragshaus neben der weitläufigen Hofstelle in Madersdorf umziehen. Auch dort ist er „mitten im Wald“, denn fast alle Möbel wurden aus Holz aus dem Kastl‘schen Familienwald vom Fischer-Schreiner aus Thenried gefertigt. So versteht Hans Kastl die nachhaltige Waldwirtschaft, die ihm in 20 Jahren als Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Bad Kötzting stets ein Herzensanliegen war.

Seit vier Jahrzehnten engagiert sich Hans Kastl für den Wald, in der „Waldbauernvereinigung Kötzting-West“, die seit einigen Jahren treffender Waldbesitzervereinigung Bad Kötzting heißt. Mit dem Namen hat sich auch das Aufgabenfeld stark verändert, erzählt Kastl, der vor wenigen Wochen bei der Generalversammlung die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Reinhold Sauer übergab. Allein der Holzverkauf habe sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verzehnfacht, der Umsatz lag 2018 bei 1,8 Millionen Euro.

Vielfältige Aufgaben

1991 war Hans Kastl erstmals in den Ausschuss der WBV gewählt worden, 1997 wurde er 2. Vorsitzender und übernahm 1998 zunächst kommissarisch die Leitung der Waldbauernvereinigung, deren Mitglieder ihn 2000 „offiziell“ zum 1. Vorsitzenden wählten. Zwei Jahre später wurde er einer der drei Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Waldbauernvereinigungen im Landkreis Cham, führte außerdem fünf Jahre den Vorsitz bei den Jagdgenossenschaften im Bayerischen Bauernverband.

Hackschnitzel: Die Einrichtung eines Holzlagers bei Arndorf ermöglicht es der Waldbesitzervereinigung Bad Kötzting, Hackschnitzel auf Vorrat zu halten und bei Bedarf in eines der Heizwerke beim AQACUR, den Schulen und dem ehemaligen Krankenhaus zu liefern. Foto: Dachs
Hackschnitzel: Die Einrichtung eines Holzlagers bei Arndorf ermöglicht es der Waldbesitzervereinigung Bad Kötzting, Hackschnitzel auf Vorrat zu halten und bei Bedarf in eines der Heizwerke beim AQACUR, den Schulen und dem ehemaligen Krankenhaus zu liefern. Foto: Dachs

Als im Jahr 2000 mit der Standortkartierung begonnen wurde, erlebte der vielseitige Waldwirtschafter eine Herausforderung der besonderen Art: Weil der Staatszuschuss erst einige Tage später zu erwarten war, musste er zur Begleichung einer Rechnung mit seinem persönlichen Vermögen für eine fünfstellige Summe bürgen. „Wohl war mir dabei nicht“, sagt Hans Kastl, „aber es musste halt sein“. Auch als 2004 ein Bankkredit für die Gründung der „Bayerwald-Wärme“ nötig war und die Banken Sicherheit verlangten, wurde es eng: „Wir hatten ja außer einem Wärmeliefervertrag nichts zu bieten“, blickt Hans Kastl zurück. Die Initiative wurde zu einem Erfolgsmodell, AQACUR, Krankenhaus und Schulen werden heute mit Waldhackschnitzeln kostengünstig geheizt und bescheren Lieferanten wie Gesellschaftern gute Gewinne.

Heizwerke: Mit der Gründung der Bayerwald-Wärme und dem Bau von Heizwerken betrat die WBV 2004 Neuland. Zahlreiche Verhandlungen waren notwendig, bis die erste Wärmelieferung für das AQACUR starten konnte. Foto: Dachs
Heizwerke: Mit der Gründung der Bayerwald-Wärme und dem Bau von Heizwerken betrat die WBV 2004 Neuland. Zahlreiche Verhandlungen waren notwendig, bis die erste Wärmelieferung für das AQACUR starten konnte. Foto: Dachs

Immer war es Hans Kastl wichtig, den Wald und seine Bedeutung für die Heimat darzustellen. Dafür plagte er sich 2004 beim Floßtag des damaligen Forstamtes Kötzting zusammen mit Geschäftsführer Hans Häring sogar mit einer Handsäge bei einer Vorführung ab, die „überhaupt nicht geschnitten“ hat, wie er im Rückblick lächelnd anmerkt. Zwei überaus erfolgreiche Messetage unter dem Motto „Gut Holz“ im ehemaligen Kötztinger Kasernengelände und die von über 800 Schülern sowie vielen Erwachsenen besuchte Ausstellung „Unser Wald hat mehr zu bieten“ weckten bei vielen Bürgern mehr Interesse am Wald.

„Wir brauchen eine Mischung aus sieben bis acht Baumarten.“

Hans Kastl, WBV-Vorsitzender a. D.

Die Forstreform 2005 war ein wesentlicher Einschnitt für die Waldbesitzer, weil dabei das Forstamt Kötzting aufgelöst wurde. 2006 wurde Georg Mühlbauer zum neuen WBV-Geschäftsführer berufen und die Geschäftsstelle in dessen Anwesen in Rimbach eröffnet, sieben Jahre später kam mit dem Förster Florian Weigel ein weiterer Geschäftsführer dazu und im gleichen Jahr wurde auch der Holzlagerplatz bei Arndorf eröffnet.

Die personellen Veränderungen und die steigenden Ansprüche der mittlerweile über 1000 Mitglieder an die WBV als Standesorganisation waren auch eine Folge vieler gesellschaftlicher Umstellungen. Immer mehr „Walderben“, die in Städten leben, schlossen Waldpflegeverträge mit der WBV und „das ist nicht immer einfach“, sagt Hans Kastl. Oft wüssten die Erben nicht einmal, wo ihr Besitz liegt, Grenzsteine und Abfuhrmöglichkeiten fehlten.

„Richtungswechsel“ schadet

Aktion

Neue Bäume für Klimaschutz statt Demo

Statt am Friday for Future die Schule zu schwänzen, gingen 20 Neuntklässler in den Wald und setzten knapp 300 neue Bäume.

Über die Entwicklung des Waldes in Zeiten des Klimawandels hat Hans Kastl seine persönliche, auf über 60 Jahren Erfahrung in der Waldwirtschaft basierende Ansicht - und die deckt sich nicht immer mit der „Laubholzforderung um jeden Preis“, wie sie von Förstern propagiert wird. „Wir brauchen mindestens fünf Nadelholz- und drei bis vier Laubbaumarten“, sagt Hans Kastl, um einen gesunden und wirtschaftlich leistungsfähigen Mischwald für die Zukunft zu sichern. Tanne und Buche alleine seien als „Alternative“ zur Fichte bei weitem nicht ausreichend, auch sie erwiesen sich als anfällig gegen Hitze, Schneebruch und Stürme. Im Familienwald am Hohenbogen zeigt uns Hans Kastl, wie beim jüngsten Wintersturm mächtige Tannen entwurzelt wurden und den Jungwald zusammendrückten. „Die Fichten sind stehen geblieben“, wundert sich der erfahrene Waldbauer.

Staatspreis: Die Auszeichnung mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung im Jahr 2011 war für Hans Kastl ein verdienter Lohn für viele Jahrzehnte Einsatz zur Verbesserung und Pflege des Waldes im Kötztinger Land. Foto: Staatskanzlei
Staatspreis: Die Auszeichnung mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung im Jahr 2011 war für Hans Kastl ein verdienter Lohn für viele Jahrzehnte Einsatz zur Verbesserung und Pflege des Waldes im Kötztinger Land. Foto: Staatskanzlei

„Vor allem von Forstdirektor Hubert Demmelbauer habe ich viel gelernt“, resümiert Hans Kastl, der heuer noch auf den „70er“ zusteuert. Als der Privatwald am Hohenbogen als FFH-Fläche ausgewiesen werden sollte, nicht aber der Staatswald, habe er Unterschriften gesammelt, die Demmelbauer nach München gebracht habe. Dann sei der Staatswald zum FFH-Gebiet erklärt worden, die privaten Wälder blieben vom „Fauna-Flora-Habitat“ verschont. Der Staatspreis für vorbildliche Waldwirtschaft signalisierte 2011 wohl am besten, wie gut die Arbeit der WBV unter Hans Kastl war.

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