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Erbe: So wird der Pflichtanteil geregelt

Rund um den Tod und das Testament gibt es allerhand rechtliche Regulierungen, die beim Vererben bedacht werden müssen.
Von Elke Kestler

Wer sein Testament verfasst, sollte seine eigenen sowie die Interessen der Erbberechtigen berücksichtigen. Foto: dpa/Hans Wiedl
Wer sein Testament verfasst, sollte seine eigenen sowie die Interessen der Erbberechtigen berücksichtigen. Foto: dpa/Hans Wiedl

Cham.Wer nicht möchte, dass nach seinem Tod die gesetzliche Erbfolge eintritt, verfasst ein Testament. Der Erblasser kann darin ausgesuchte Personen bedenken, die ihm nahestehen und denen er Vermögenswerte zuwenden möchte. Ein Verwandtschaftsverhältnis ist nicht erforderlich. Anders ist dies bei der gesetzlichen Erbfolge: Es kommen ausschließlich Angehörige und der Ehepartner als Erben in Betracht.

Diese weitgehende Testierfreiheit im deutschen Erbrecht stößt lediglich beim Pflichtteil an ihre Grenzen. Das deutsche Erbrecht sieht vor, dass gewisse Personengruppen einen Mindestanteil am Nachlass erhalten müssen. Dies sind die Eltern des Erblassers, dessen Abkömmlinge, also Kinder und Enkelkinder, und der Ehepartner. Ein Pflichtteilsanspruch besteht allerdings nur dann, wenn der Enterbte ohne das Testament als gesetzlicher Erbe berufen wäre. So besteht beispielsweise kein Pflichtteilsrecht der Eltern, wenn der Erblasser eigene Kinder hinterlässt. Denn diese verdrängen die Eltern in der gesetzlichen Erbfolge.

Erben müssen Auskunft geben

Rechtsanwältin Elke Kestler
Rechtsanwältin Elke Kestler

Der Pflichtteilsberechtigte kann seinen Anspruch gegen den eingesetzten Erben geltend machen. Es handelt sich dabei um einen reinen Geldanspruch, der der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils entspricht. Für die Berechnung ist also vorab zu bestimmen, welche Erbquote der Berechtigte ohne das Testament erhalten hätte. Wäre etwa jemand nach gesetzlicher Erbfolge Erbe zur Hälfte geworden, so beträgt sein Pflichtteil ein Viertel des Nachlasswertes. Um den Wert seines Pflichtteils berechnen zu können, hat der Berechtigte einen Anspruch gegen den Erben auf Auskunft über Bestand und Wert des Nachlasses. Sämtliche Nachlassgegenstände sind zu bewerten, gegebenenfalls durch Einholung von Sachverständigengutachten.

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Hatte der Verstorbene zu Lebzeiten sein Vermögen ganz oder teilweise verschenkt, erhöht sich der Wert des Nachlasses zur Berechnung des Pflichtteils um den Wert aller Schenkungen an den Ehegatten während der gemeinsamen Ehe und den der letzten zehn Jahre an andere Personen. Für jedes Jahr, das seit der Schenkung an ehefremde Personen vergangen ist, reduziert sich deren Wert um ein Zehntel. Der Pflichtteilsergänzungsanspruch mindert sich entsprechend.

Um einen gerechten Ausgleich bemüht, stellt das Gesetz komplizierte Regelungen bereit, wer im Verhältnis zwischen den einzelnen Erben oder Beschenkten letztlich finanziell mit dem Pflichtteilsanspruch belastet wird.

Unser Experte

  • Elke Nicole Kestler

    Unsere Autorin ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Erbrecht.

  • Kontakt

    Kanzlei Waldmünchen, Obere Bräuhausstraße 1, 93449 Waldmünchen, Telefonnummer (0 99 72) 30 03 69 0, Faxnummer (0 99 72) 30 03 69 50 0, E-Mail-Adresse buero@anwalt-kestler.de . Die Internetseite ist unter www.anwalt-kestler.de zu finden.

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    Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr

So läuft das Berliner Testament ab

Oft wird nicht bedacht, dass beim Berliner Testament, in dem sich die Eheleute im ersten Todesfall gegenseitig zum Alleinerben einsetzen, Kinder enterbt und damit pflichtteilsberechtigt sind. Auch wenn die Kinder im zweiten Todesfall erben, steht ihnen zuvor der Pflichtteil gegen den überlebenden Elternteil zu.

Wer, was in vielen Fällen sinnvoll ist, die gesetzliche Erbfolge ändern möchte, tut gut daran, Pflichtteilsrechte von vornherein zu berücksichtigen, etwa durch Erbeinsetzung mit einer hinreichenden Quote, durch Aussetzung eines entsprechend großen Vermächtnisses oder der Aufnahme einer Pflichtteilsstrafklausel ins Testament. Auch die Abgabe eines Pflichtteilsverzichts durch den Berechtigten zu Lebzeiten ist möglich.

Eine gute Nachfolgeplanung sollte deshalb nicht nur den Interessen des künftigen Erblassers gerecht werden, sondern auch denen der nächsten Angehörigen.

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