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Leben

Erinnerung an den Vater des Trenckspiels

Dr. Georg Walberer war Initiator, Hauptdarsteller und Regisseur im Waldmünchner Festspiel. Jetzt gibt’s ein Buch über ihn.
Von Ingrid Milutinovic

Dr. Georg Walberer (2. v. l.) war der erste Trenck-Darsteller. Foto: Archiv
Dr. Georg Walberer (2. v. l.) war der erste Trenck-Darsteller. Foto: Archiv

Waldmünchen.Ein ganz besonderer Anlass war es, zu dem am Donnerstagabend der Vorstand des Museumsvereins eingeladen hatte. Reinhard Tietze und Karlheinz Schröpfer stellten ihr gemeinsames Buch vor: „Dr. Georg Walberer, der Mann, der Waldmünchen zur Trenckstadt machte“.

Neben Bürgermeister Markus Ackermann, Martin Frank für den Trenckverein und Hans Fickerl, Franz Danzer und Peter Leopold für den Museumsverein waren auch Nachkommen von Georg Walberer der Einladung gefolgt. Eine gelungene Zusammenarbeit sei es, so Ackermann, dass dieses Heft entstanden sei.

Ein Stiefel führte auf seine Spur

Reinhard Tietze (li) und Karlheinz Schröpfer sind Walberer-Kenner Foto: Milutinovic
Reinhard Tietze (li) und Karlheinz Schröpfer sind Walberer-Kenner Foto: Milutinovic

Walberer sei eine facettenreiche Persönlichkeit. Das vorliegende Heft über ihn zeige, dass die Autoren nicht nur viel Arbeit investiert, sondern auch mit Herzblut gearbeitet haben. Reinhard Tietze, der das Walbererhaus in der Schießangerstraße gekauft hat, und Karlheinz Schröpfer, der profunde, sattelfeste Trenckkenner überhaupt – eine bessere Kombination könne es gar nicht geben, sagte Ackermann. Peter Leopold – als Vertretung für den verhinderten Jürgen Lampatzer – wusste etwas zur Entstehungsgeschichte des Walberer-Buches zu sagen. Tietze sei ein engagierter Waldmünchener. Beim Umbau des Hauses habe er viele Schätze entdeckt. Bald wurde auch Schröpfer mit ins Boot geholt und der Museumsverein als Herausgeber gewonnen. Entstanden sei eine wunderbare Sammlung sowohl über den Menschen als auch den Akteur Walberer.

Tietze selbst konnte einiges zur Entstehungsgeschichte beisteuern. „Alles war eigentlich ein wirklicher Zufall“, sagte der Wahl-Waldmünchner, der als Entwicklungshelfer die Welt kennengelernt hat. Nachdem er mit seiner Frau Karin in die Schießangerstraße gezogen war, hat er nach einer Garage gesucht. In der Schießangerstraße 3 wurde er fündig und kaufte das Haus. Die Aufräumarbeiten förderten viele Schätze zutage. So kam ein Paar alte Lederstiefel zum Vorschein – frühere Größe 171–, die jetzt ihren Platz im Museum gefunden haben.

Die Geschichte von Dr. Georg Walberer

  • Autoren:

    Reinhard Tietze hat das Haus von Dr. Georg Walberer in der Schießangerstraße gekauft und dort im Lauf der Aufräumarbeiten viele Schätze zutage gefördert. Karlheinz Schröpfer ist als Museumsleiter und durch private Forschungen profunder Trenckkenner. In seinem Archiv befinden sich unzählige Dokumente.

  • Georg Walberer:

    Geboren am 21. März 1905, lebte er bis 2. Juni 1979. Er hatte eine Ausbildung als Jurist und Sänger. In Waldmünchen begründete er das Trenckfestspiel, das heuer die 69. Aufführung erlebt. Er war der erste Trenckdarsteller 1950, 1951, 1954 und 1955. Von 1950 bis 1955 war er Regisseur des Festspiels.

Erst zu diesem Zeitpunkt wurde dem Ehepaar Tietze klar, wessen Haus sie da gekauft hatten. Als Tietze begann, sich mit der Geschichte Walberers zu beschäftigen, tauchten Unterlagen auf, er recherchierte weiter, und es entstand ein Bild, nicht nur von Walberer als Jurist und begnadetem Sänger, dessen Spezialität als Heldentenor Wagner war. Das Heft zeigt auch das schwierige Leben in der Nazizeit auf. Eine Arbeit im staatlichen Dienst – und dazu gehörten auch die Theater – war ohne Ariernachweis und Parteizugehörigkeit nicht möglich. Möglichst viele junge Leute sollten dies lesen, betont Tietze, um zu sehen, wie schwer das Leben damals war. Viele Dokumente, Theaterzettel, aber auch Fragebogen zur NSDAP-Zeit und Bilder, Urkunden zeichnen ein klares Bild Walberers.

Mit den Autoren Reinhard Tietze (4. v. l.) und Karlheinz Schröpfer (6. v. l.) freuen sich auch Nachkommen von Dr. Georg Walberer. Foto: Milutinovic
Mit den Autoren Reinhard Tietze (4. v. l.) und Karlheinz Schröpfer (6. v. l.) freuen sich auch Nachkommen von Dr. Georg Walberer. Foto: Milutinovic

Ein ganz besonderer Zufall war es, dass sich mit Erhard Walberer ein Nachkomme Georg Walberers der Familienforschung widmete. Eine Großcousine aus Pressath brachte ihn auf die Spur Waldmünchen. Aus einem ersten Zusammentreffen mit Reinhard Tietze vor besagter Garage ist inzwischen längst eine Freundschaft zwischen den Familien geworden. Deshalb war es auch schon fast selbstverständlich, dass Gunda und Michael Altmann und Erhard und Tanja Walberer zur Vorstellung des Heftes gekommen waren.

Der Sinn des Spiels noch heute

Karlheinz Schröpfer hat Walberer noch persönlich kennengelernt. Ein Jahr vor seinem Tod hat er sich noch mit ihm über die Entstehung der Trenckfestspiele unterhalten. Ohne seine Erkrankung der Stimme – so mutmaßt er – wäre Walberer wohl nie nach Waldmünchen gekommen. In kürzester Zeit habe er für das Festspiel Unmögliches vollbracht. Mit Laien, die noch nie auf einer Bühne gestanden hatten, hat er auf Grund seiner Bühnenerfahrung das Festspiel auf die Beine gestellt. Zuerst Regisseur, stand er in den ersten Jahren er auch selber als Trenck auf dem Platz.

Für Martin Frank ist das Thema des Trenckfestspiels immer noch aktuell. Auch heute seien Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Der ursprüngliche Titel des Waldmünchner Festspiels lautete auch „Kriegsnot in der Oberpfalz“. Frank: „Aber das wollte damals niemand mehr hören.

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