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Vergangenheit

Erinnerung an die verlorene Heimat

Die Familienverbände aus St. Katharina treffen sich alle zwei Jahre.
Helga Brandl

Sankt Katharina nach dem Einmarsch deutscher Truppen Foto/Repro: kbr
Sankt Katharina nach dem Einmarsch deutscher Truppen Foto/Repro: kbr

Neukirchen b Hl Blut.Im zweijährigen Turnus findet das „kleine Heimattreffen“ der Familienverbände aus Sankt Katharina im Böhmerwald statt. Deren Mitglieder haben sich vor kurzem im Gasthof Schamberger zum gemütlichen Beisammensein getroffen. Einige wohnten am Vormittag der Pferdewallfahrt in der Leonhardi-Kirche in Kohlheim bei. Beim Treffen selbst lebten mit dem Lied „Tief drin im Böhmerwald“ Erinnerungen an die Heimat der Vorfahren auf. Die Memoiren von Ernst Metzner zielten auf die Nachkriegszeit in Sankt Katharina von 1945 bis 1948 ab und versetzten die Gäste in höchste Aufmerksamkeit. Als Ernst Metzner siebeneinhalb Jahre alt war (im Mai 1945), nahmen die Amerikaner St. Katharina ohne Gegenwehr ein. Im Nachbarort Neuern wehrten sich noch die SS und der Volkssturm, erinnert er sich. Der Pfarrer aus St. Katharina, Richard Ackermann, war jedoch so mutig und fuhr mit dem Fahrrad nach Neuern, um die „Verteidiger“ von Neuern erfolgreich von der Sinnlosigkeit ihres Vorhabens zu überzeugen.

Ernst Metzner erzählte vom tschechischen Militär, das nach den Amerikanern kam und von der Verhaftung seines Vaters im Oktober 1945, der nach Zwangsarbeit an verschiedenen Orten erst 1953 wieder frei kommen sollte. 1946 wurden einige deutsche Familien ausgewiesen, andere mussten bleiben – warum, das blieb unklar. „Wir waren vogelfrei, jeder konnte mit uns machen, was er wollte“, erzählte Ernst Metzner. Verwaltet wurde das Gebiet von einem Kommissar, einem umgänglichen Menschen. Ihm hatten sie es auch zu verdanken, dass die Familie 1948 nicht ins Landesinnere verbracht wurde, sondern nach Deutschland floh – der Kommissar hatte ihnen gesagt, dass ein bestimmter Grenzabschnitt in den Abendstunden des 12. Mai 1948 nicht bewacht werde.

In Vorfreude auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr schwelgten die Teilnehmer des diesjährigen Heimattreffens in Erinnerungen an die Zeit im Böhmerwald, welche die nachfolgenden Generationen nur noch vom Hörensagen kennen. (kbr)

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