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Donnerstag, 22. Februar 2018 5

MZ-Serie

Erpresser zocken mit Video-Sexchat ab

Eine junge Frau meldet sich per Facebook und will im Videochat schnell mehr. Eine gefährliche Masche, warnt unsere Expertin.
Von Birgit Zwicknagel“

Spätestens wenn der Kontakt auf WhatsApp oder Skype ausweichen will und sich zu entkleiden anfängt, sollte bei Ihnen alles auf „ALARM“ laufen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Cham.Was ist Sextortion überhaupt? Das Wort setzt sich aus „Sex“ und „Extortion“ (engl. Erpressung) zusammen. Das Opfer ist in der Regel männlich und wird mit eigenem Bild – oder Videomaterial erpresst. Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt vier bei dem Verein „Computermäuse“ gemeldete Fälle, wo jungen Männern/Jugendlichen genau das passiert ist. In unseren Fällen fand der Erstkontakt immer über Facebook statt. Die jungen Männer erhielten eine Freundschaftsanfrage von einer attraktiven jungen Frau, die sie natürlich freudestrahlend annahmen. Innerhalb kürzester Zeit folgten sie der Einladung zum Videochat. Die Frau ging dann recht schnell auf sehr intime Themen über und regte am Ende zu sexuellen Handlungen an.

Der erste Schritt erfolgte dann immer von der Frau, die sich sofort sehr freizügig zeigte. Aus Naivität oder sexueller Neugierde machten die jungen Männer aktiv mit. Fatal daran: Das Ganze wurde vom Gegenüber aufgezeichnet! „Danach“ kam dann das böse Erwachen in Form der Erpressung, eine stattliche Summe zu bezahlen oder die Bilder/Videos würden im Netz veröffentlicht werden. Die Täter wissen genau, dass panische Angst vor Veröffentlichung und auch die Scham viele Opfer dazu bringen, die geforderte Summe zu zahlen. Doch das wäre grundverkehrt! Häufig wurden trotz Zahlung die Videos trotzdem veröffentlicht, oder es wurden weitere Summen verlangt.

Birgit Zwicknagel schreibt einmal im Monat für unsere Zeitung. Foto: Archiv/Hladik

Hier rät der Vererin „Computermäuse“ dringend, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten – auch wenn das (verständlicherweise) peinlich ist. Doch Sie werden sehen, dass die Behörden hier sehr behutsam sind. Vor allem, bleiben Sie ruhig und geraten Sie nicht in Panik. Sichern Sie für die Polizei alle Beweise (Screenshots der Daten, Chatprotokolle usw.). Richten Sie auch einen sog. „Google Alert“ ein, der Sie informiert, wenn Videos/ Fotos mit ihrem Namen auftauchen. Und wenn Sie Material gefunden haben, nehmen Sie unverzüglich Kontakt zu dem jeweiligen Seitenbetreiber auf. Die „Computermäuse“ sind hier gern (diskret) behilflich, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen.

Noch sicherer und einfacher ist aber: Achten Sie auf Ihre Privatsphäre und geben Sie keine Daten über sich preis. Nehmen Sie keine Freundschaftsanfragen von Leuten an, die Ihnen unbekannt sind – erst recht nicht von ungewöhnlich attraktiven Frauen! Bleiben Sie immer skeptisch, wenn solche Frauen sofort das Flirten anfangen oder freizügig werden. Spätestens wenn der Kontakt auf WhatsApp oder Skype ausweichen will und sich zu entkleiden anfängt, sollte bei Ihnen alles auf „ALARM“ laufen…

Birgit Zwicknagel hält in Schulen regelmäßig Vorträge über Gefahren im Internet. Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel vom Verein die Computermäuse im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam und schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Eine Hilfe und eine Broschüre zum Thema gibt es unter www.clever-ins-netz.de

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