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Erster Tiefpunkt trotz Naturparadies

Rodings Weltenbummler machen Halt in Kirgisistan und Kasachstan. Und dann bricht das Fahrgestell des Wohnwagens ...
Von Heike Hornig

Wunderschöne Landschaft: Charly Hollinger und Heike Hornig machten mit ihrem Wohnwagen Station im Nationalpark in Kasachstan. Foto: chn
Wunderschöne Landschaft: Charly Hollinger und Heike Hornig machten mit ihrem Wohnwagen Station im Nationalpark in Kasachstan. Foto: chn

Roding.Von all den Ländern, die auf unserer Route „Von Roding in die Mongolei und zurück“ liegen, hatten wir von Kirgisistan und Kasachstan im Vorfeld am wenigsten Vorstellungen. Beide Länder sind touristisch noch relativ unbekannt und unberührt, obwohl sie viel zu bieten haben. Schon bei der Ankunft in der Grenzstadt Osh im Südwesten Kirgisistans sind wir beeindruckt von der Natur und der Weite des Landes. Blütenreiche Täler wechseln sich ab mit Hochebenen, türkisblauen Seen, umgeben von schneebedeckten Gipfeln.

Immer wieder begegnen uns freilaufende Kühe, Schafe, Ziegen, viele Pferde und Yaks. Jetzt im Frühling sind bei den Herden viele Jungtiere dabei – Lämmer, Fohlen, Kälbchen drängeln sich an ihre Mütter und holen sich immer wieder Muttermilch zur Stärkung. Adler und Falken ziehen am Himmel ihre Kreise. Es sind idyllische und friedliche Momente, von denen wir kaum genug bekommen können.

Weideland für Hirten

Pferde werden zum Beschlagen der Hufe in Holzgestelle gezwungen, an denen ihnen zwei Hufe parallel hochgebunden werden. Foto: chn
Pferde werden zum Beschlagen der Hufe in Holzgestelle gezwungen, an denen ihnen zwei Hufe parallel hochgebunden werden. Foto: chn

Wir reisen von einem traumhaften Stellplatz zum nächsten. Am Songköl See auf 3016 Meter Höhe sind wir mit ein paar Nomaden die ersten Besucher nach dem Winter. Die weite Hochebene, die den zweitgrößten Süßwassersee umgibt, dient im Sommer vielen Hirten als Weideland. Ab Ende Mai stellen die Hirten ihre Jurten rund um den Songköl auf und leben dort, bis Schnee und Eis wiederkehren.

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Zweidrittel der Kirgisen leben noch als Halbnomaden, die im Sommer umherziehen und im Winter in feste Behausungen in die Dörfer und Städte zurückkehren. Viele züchten Tiere zum Weiterverkauf. Diese bieten sie dann am größten Viehmarkt Zentralasiens an, der jeden Sonntag von Mitternacht bis 10 Uhr in Karakol, einer Stadt am Yssikköl-See, stattfindet. Der Viehmarkt wird auch im Reiseführer als Spektakel angepriesen. Egal, ob man an Tieren interessiert ist oder nicht, eröffnet der Besuch des Tierbasars einen Einblick in die kirgisische Kultur und das Alltagsleben der Kirgisen. Zwischen Schafen, Ziegen, Kühen und Pferden, die zum Verkauf angeboten werden, sehen wir Kunden – überwiegend Männer –, die um den Preis feilschen, mit dem Handteller die Breite des Hinterteils eines Fettschwanzschafes testen oder einen Testgalopp mit einem Pferd auf dem staubigen Platz hinlegen. In der Ecke sitzen weißhaarige Methusalems mit ihren typischen Filzhüten (Kalpak).

Ein Methusalem mit einem typischen kirgisischen Hut, dem Kalpak. Die Mütze besteht hauptsächlich aus Fell oder Filz. Foto: chn
Ein Methusalem mit einem typischen kirgisischen Hut, dem Kalpak. Die Mütze besteht hauptsächlich aus Fell oder Filz. Foto: chn

Nach dem Besuch des Viehmarktes sind wir bedrückt. Dieser war sehenswert und interessant, aber für uns als Tierliebhaber auch „harte Kost“, wenn man sieht, wie hier mit den Tieren als Ware umgegangen wird. Frisch erworbene Schafe werden einfach in den Kofferraum eines „Ladas“ gesetzt – Klappe zu und ab geht die Fahrt. Pferde werden zum Beschlagen der Hufe in Holzgestelle gezwungen, an denen ihnen zwei Hufe parallel hochgebunden werden.

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Wir fahren lieber wieder in die schöne Natur. Nächstes Ziel sind die „heiße Quellen“ in den Bergen des Tien Schan Gebirges. Einen Versuch hatten wir bereits unternommen dorthin zu kommen, aber dann riss der Seilzug der Handbremse und wir verloren das Reserverad des Klappwohnwagens, so dass wir zum Umkehren gezwungen waren. Nach Reparatur und Wiederauffinden des Reifens machen wir uns nun erneut auf den Weg. Wir kommen bis auf 3600 Meter Höhe, doch dann war Schluss. Der Weg ist verschneit und für den Rapido nicht machbar. Also umkehren. Das ist nicht so leicht, da Heike zu unserem Entsetzen feststellt, dass das Stützrad des Rapidos weg ist. Somit müssen wir ohne Stützrad abhängen. Doch wir schafften es und rumpeln durch eine wunderschöne Landschaft den Berg hinab.

Ist das Obdach verloren?

Das Foto zeigt die „neun Ochsen“ beim Eingang in das Tal der Blumen im West-Himalaya. Auch die kristallklaren Seen sind sehr schön. Foto: chn
Das Foto zeigt die „neun Ochsen“ beim Eingang in das Tal der Blumen im West-Himalaya. Auch die kristallklaren Seen sind sehr schön. Foto: chn

Nach zwei Stunden Fahrt der endgültige K. O.-Schlag für diesen Tag: Wir sind tatsächlich am ersten Tiefpunkt unserer Reise angelangt. Wir haben unser Obdach für die nächsten Monate verloren ... Das Fahrgestell des Wohnwagens ist an zwei Stellen gebrochen und wir müssen den Hänger in den Bergen stehen lassen und uns auf die Suche nach einer Abschleppmöglichkeit begeben. Wieder haben wir Glück und finden hilfsbereite Menschen. Ein Viehtransporter wird als Abschleppwagen umfunktioniert und ein Mechaniker aufgetrieben, der den Hänger mit viel Improvisationstalent wieder zusammenschweißt. Fast unglaublich, aber nach nur zwei Tagen können wir unsere Reise fortsetzen. Wir verlassen Kirgisistan in Richtung Kasachstan über eine Grenze in den Bergen und tauchen in die nächste fantastische Natur ein. Wir entdecken einen Canyon, der an den Grand Canyon in den USA erinnert, und fühlen uns wohl. Im Südosten Kasachstans, im Scharyn-Nationalpark, hat der Fluss einen tiefen Canyon in das Tal gegraben und bizarre Gesteinsformen hinterlassen. Wir fühlen uns ein bisschen wie im Karl-May-Roman und bleiben gleich eine Woche in dem Canyon.

Weitere Meldungen aus Roding finden Sie hier.

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