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Mittwoch, 19. September 2018 26° 1

MZ-Kolumne

Es ist ein Kreuz mit dem Söder

Mit den billigsten politischen Zaubertricks auf Stimmenfang? Kolumnist Matthias Meier ärgert sich über den „Kine Markus“.
Von Matthias Meier

Matthias Meier findet, die Bürger müsste Söder ganz genau auf die Finger schauen. Foto: Peter Kneffel/dpa
Matthias Meier findet, die Bürger müsste Söder ganz genau auf die Finger schauen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Cham.Juhu, Bierzeltprogramm! Heute haben wir in neuer Besetzung das erste Bierzelt – und i gfrei mi scho’ auf den ersten Giggal und an Kaas. Außerdem ist es endlich so weit: Mein erstes selbst gebautes Schlagzeug ist fertig, und es boussd, wie wenn’s bei mir vor der Haustüre am Blauberg sprengen.

Aber es boussd (deutsch: gewaltig, unüberhörbar und dominant mit voller Schubkraft scheppern) nicht nur bei uns auf der Bühne. Es boussd zur Zeit überall im Freistaat. Demnächst wird’s gscheid boussn, wenn das neue Polizeigesetz in Kraft tritt. Das ist das härteste Polizeigesetz seit 1945! Und scho’ wieder hods geboussd. Hunderte Menschen versammelten sich auf der Straße und kämpften für unsere uneingeschränkten demokratischen Rechte. Danke an dieser Stelle für euer Engagement.

„Er hat in die Trickkiste gegriffen und den billigsten und schlechtesten politischen Zaubertrick aus seiner schwarzen Kiste geholt“

Matthias Meier über Markus Söder

Und damit es noch mehr „boussd“, hat unser neuer scheena fränkischer Kine, Markus der Erste, nochmals kräftig nachgelegt. Er hat in die Trickkiste gegriffen und den billigsten und schlechtesten politischen Zaubertrick aus seiner schwarzen Kiste geholt, der schon seit hunderten von Jahren mit Erfolg Anwendung findet. Die Leute fallen immer noch drauf rein, weil die breite Bevölkerung dem Markus anscheinend nicht genau auf die Finger schaut und sich auf billigste Art und Weise hinters Licht führen lässt. Wie war das nochmals mit der Ohrenbeichte, die bereits im 5. Jahrhundert eingeführt wurde? Wie war es mit der Heiligen Römischen Inquisition (Hexenverbrennung), die seit den 1240er Jahren ihr Unwesen trieb? Sinn und Zweck war es ganz einfach, Informationen für politische Zwecke zu sammeln. Das, was sich auch laut dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, strikt getrennt gehört (Respekt vor seiner zeitgemäßen Stellungnahme), hat unser neuer Kine wieder zusammengebastelt, um von dem Desaster des Polizeischutzgesetzes abzulenken.

Matthias Meier
Matthias Meier

Mit der sinnlosen Aufwühlung dieses Themas entfacht er einen großen Scheiterhaufen an Unruhe und katapultiert uns schlagartig wieder zurück ins Mittelalter. Man könnte meinen, dass sein großer Hexenmeister, der für seine rückschrittsfördernde Regierung in der Türkei durch Verschmelzung von Politik und Glaube bekannt ist, seinen Zauberlehrling an die Hand genommen hat. Aber was tun wir jetzt? Der Glaube ist eines der sensibelsten Themen für den Menschen und ist so privat wie die Intimsphäre, darum respektiere und akzeptiere ich die Meinung jedes Einzelnen. Aber Sie fragen sich bestimmt, wie stehe ich persönlich dazu? Ich kann nur sagen: Ich sehe es von einer ganz anderen Seite, und zwar von der kaufmännischen.

Es hat sich durch die Rückständigkeit des Markus Söder und seiner Partei ein Riesenmarkt eröffnet. Ich habe mir jetzt eine Menge an Schreinerwerkzeug und Maschinen gekauft. Wenn jetzt in jedem öffentlichen Gebäude ein Kreuz hängen muss, dann packe ich den Stier bei den Hörnern und fräse ein Kruzifix nach dem anderen aus meinen Brettern heraus – nach dem alten Oberpfälzer Sprichwort „An oan sei Nout, is an andern sei Brout (dem einem seine Not ist dem anderen sein Brot)“.

Ansonsten kann man über die bayerische Führungspartei nur den Kopf schütteln, und so lange wir in der Bevölkerung nicht gscheid in Söders schwarze Zauberkiste blicken und ihm auf die Finger schauen, wird er einen billigen Trick um den anderen auspacken, und wir werden weiterhin schön brav drauf reinfallen.

Also, auch bei diesem Ministerpräsidenten gilt: Augen auf und Hirn einschalten! Weil: Wenn wir auf dessen Tricks reinfallen, hilft es auch nichts, wenn wir hinterher „rumsödern“. Aber eines ist sicher: Mit dem Söder hat man sein Kreuz.

Bis bald, euer Meier!

Zur Kolumne: Matthias Meier ist Mitglied der Musikkabarettgruppe Da Huawa, da Meier und I. Einmal im Monat schreibt er einen satirisch-bissigen Beitrag für unsere Lokalausgaben, in dem er das Zeitgeschehen genauso aufs Korn nimmt wie private Ereignisse und Erlebnisse mit seiner Band.

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Lesen Sie hier: Matthias Meier geht bei Videodreh baden – Für sein neues Musikvideo hat der Kabarettist in Bad Kötzting abgelegt. Sehr zum Leidwesen eines pinken Flamingos.

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