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Gesundheit

Essen ohne Aroma und Aspartam

Katrin Daschner ernährt sich nach den Grundsätzen des „Clean Eating“. Bei einem Kochkurs in Dalking gab sie Alltags-Tipps.
Von Steffi Bauer

  • Fürs Gruppenfoto sagen alle „Brokkoli“ statt „Spaghetti“. Das grüne Gemüse gilt laut Katrin Daschner (r.) als gesündestes Lebensmittel. Foto: cba
  • Konzept: „Clean Eating“ ist keine „Diät“, sondern ein ganzheitlicher, nachhaltiger Lebensstil. Als Anschauungsmaterial hatte Katrin Daschner eine Auswahl natürlicher, unverarbeiteter Lebensmittel ohne chemische Zusatzstoffe mitgebracht - und zum Vergleich Fertigpizza und Co. Foto: cba

Weiding.Naturjoghurt, Erdbeeren und vielleicht noch ein bisschen Honig oder Leinöl dazu: Das kommt bei den meisten in einen selbstgemachten Erdbeerjoghurt. Im Supermarkt findet man oft ganz andere Zutaten im Becher: Neben Joghurt und einer Erdbeerzubereitung sind das zum Beispiel Fruktosesirup, modifizierte Stärke, Rote Beete Saftkonzentrat, Aroma, Aspartam und Acesulfam K, Citronensäure und Natriumcitrate, zählt Katrin Daschner auf. „Und prozentual gesehen muss gerade einmal eine halbe Erdbeere enthalten sein.“ Die Fachlehrerin für Ernährung, Gestaltung und Kommunikationstechnik zeigte anhand dieses Beispiels bei ihrem „Clean-Eating-Kochkurs“, wie sehr sich industriell hergestellte Lebensmittel von natürlichen unterscheiden.

Tipps für den Einkauf

Der Frauenbund Dalking, bei dem Katrin Daschner Mitglied ist, hat den Kurs organisiert, und das Interesse an dem Thema war groß: 22 Teilnehmerinnen bekamen Einblick in die Grundlagen des „Clean Eatings“ sowie Umsetzungstipp für den Alltag und den Einkauf.

Zeitaufwand: Hier werden Mandeln und Sonnenblumenkerne für Buchweizengranola gehackt, eine knusprige Ergänzung zum erfrischenden Beerenjoghurt. „Einen Fruchtjoghurt selbst zu mischen dauert eigentlich nur ein paar Minuten, ist aber so viel besser für uns“, so die Referentin. Foto: cba
Zeitaufwand: Hier werden Mandeln und Sonnenblumenkerne für Buchweizengranola gehackt, eine knusprige Ergänzung zum erfrischenden Beerenjoghurt. „Einen Fruchtjoghurt selbst zu mischen dauert eigentlich nur ein paar Minuten, ist aber so viel besser für uns“, so die Referentin. Foto: cba

In den vergangenen Jahren, so die Referentin, habe sie aus gesundheitlichen Gründen verschiedene Ernährungskonzepte ausprobiert. Die Basis sei aber immer „Clean Eating“ gewesen – es lässt sich in alle Konzepte integrieren. Eine Definition des Begriffs stammt von der Ernährungsberaterin und Autorin Hannah Frey: Beim „Clean Eating“ geht darum, natürliche, vollwertige und möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu essen und auf stark verarbeitete und industriell hergestellte Nahrungsmittel wie Fast Food und Fertiggerichte zu verzichten.

Geschmacksverstärker, Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe sind tabu, ebenso raffinierter Zucker und Weißmehl. Hauptbestandteil der Ernährung sind Vollkornprodukte, viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Kräuter. Auch hochwertige, gesunde Fette wie kaltgepresste, unraffinierte Pflanzenöle zählen dazu. In Maßen sind Milchprodukte, Eier, Fleisch und Fisch erlaubt, bei diesen sollte aber auf die Herkunft geachtet werden. Und: Der Teller soll möglichst bunt aussehen. „Bei jedem Verarbeitungsschritt, das ein Lebensmittel durchläuft, verliert es Nährstoffe“, so Katrin Daschner, die sich selbst „vollwertig pflanzenbasiert“ ernährt. Das beste Beispiel für ein stark verarbeitetes Produkt sei weißer Haushaltszucker, dieser habe keinen Nährwert für den Körper.

Das „Clean Eating“ hingegen bringe mit einem abwechslungsreichen Speiseplan viele Vorteile, wie zum Beispiel die Vorbeugung ernährungsbedingter Krankheiten, die Stärkung des Immunsystems, eine positivere Stimmung und die Regulierung des Hunger- und Sättigungsgefühls.

Süßes: Auch auf Süßes muss beim „Clean Eating“ nicht verzichtet werden: Kokos-Dattel-Pralinen sehen nicht nur verlockend aus, sondern schmecken auch sehr gut. Auf weißen Haushaltszucker sollte dagegen verzichtet werden, da dieser „maximal verarbeitet“ ist. Foto: cba
Süßes: Auch auf Süßes muss beim „Clean Eating“ nicht verzichtet werden: Kokos-Dattel-Pralinen sehen nicht nur verlockend aus, sondern schmecken auch sehr gut. Auf weißen Haushaltszucker sollte dagegen verzichtet werden, da dieser „maximal verarbeitet“ ist. Foto: cba

Schon beim Lebensmitteleinkauf achtet Katrin Daschner auf Produkte mit einer hohen Nährstoffdichte. Als sie mit dem Konzept begonnen habe, habe der Einkauf auch bei ihr erst einmal um einiges länger gedauert, „jetzt geht es aber ganz schnell.“ Generell gilt: Je kürzer die Zutatenliste eines Produktes, desto besser. Oder es gibt überhaupt keine Zutatenliste, wie bei Obst oder Gemüse, das ist der Optimalfall. Wenn ein Lebensmittel aus mehr als fünf Zutaten bestehe, sei es in der Regel nicht mehr „clean“, sondern stark industriell verarbeitet - hier gebe es aber auch Ausnahmen. Und wenn man eine Zutat nicht kennt, sich diese irgendwie „chemisch“ anhört oder man sie nicht einmal aussprechen kann, sei das normalerweise kein gutes Zeichen.

„Clean“ oder „nicht clean“

Probieren: Das Rote Curry duftet verführerisch. Katrin Daschner hatte einige Kochbücher dabei, z. B. „Clean Eating Basics“ von Hannah Frey, das sich für „Einsteiger“ gut eignet. Zum Abschluss des Abends durften die Teilnehmer natürlich alle Gerichte probieren. Das Urteil: Lecker! Foto: cba
Probieren: Das Rote Curry duftet verführerisch. Katrin Daschner hatte einige Kochbücher dabei, z. B. „Clean Eating Basics“ von Hannah Frey, das sich für „Einsteiger“ gut eignet. Zum Abschluss des Abends durften die Teilnehmer natürlich alle Gerichte probieren. Das Urteil: Lecker! Foto: cba

Auf den Vortrag folgte die Praxis: Zunächst durften die Teilnehmerinnen eine große Auswahl an Lebensmitteln in „clean“ und „nicht clean“ einteilen und meisterten die Aufgabe mit Bravour. Das unverpackte Obst und Gemüse und viele so wenig wie möglich verarbeitete Lebensmittel landeten auf dem ersten Stapel. Fertigpizza, eine Flasche Ketchup mit langer Zutatenliste, ein schokoladiger Brotaufstrich, verschiedene Süßigkeiten und ein fertiges Salatdressing auf dem zweiten.

Als Nächstes ging es ans Kochen, bei dem sich zeigte: „Clean Eating“ lässt sich auch ohne hohen Zeitaufwand umsetzen. Ruck, zuck bereiteten die Teilnehmerinnen in kleinen Gruppen einen bunten Smoothie, ein Rotes Curry, Falafel mit Joghurt-Minze-Dip, Hummus, Brot, Beerenjoghurt mit Buchweizengranola, Haferflockenkekse und Kokos-Dattel-Pralinen zu.

Gesund und lecker lässt sich also verbinden. Dennoch: „Es ist nicht schlimm, wenn man mal etwas isst, das nicht den ‚Clean-Eating-Grundsätzen‘ entspricht“, so Katrin Daschner. Dafür gibt es die 80:20-Regel: Zu 80 Prozent sollten es gesunde Lebensmittel sein, zu 20 Prozent ist zum Beispiel das Stück Geburtstagskuchen erlaubt.

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