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Eva Brandl – mit Berufung zu The Taste

Die Kötztingerin wollte seit ihrer Kindheit Köchin werden. Sie lernte bei den Besten. Ihre Passion führte sie nun zu Sat.1.
Von Elisabeth Angenvoort

Eva Brandl ist in der 24. Woche schwanger. In der Küche steht sie daher aktuell eher nur zuhause. Foto: cea
Eva Brandl ist in der 24. Woche schwanger. In der Küche steht sie daher aktuell eher nur zuhause. Foto: cea

Bad Kötzting.Am Mittwoch startete die sechste Staffel von The Taste, und eine junge Frau aus Bad Kötzting ist ganz vorne mit dabei: Eva Brandl, 28 Jahre, möchte in einem der Teams der Coaches Roland Trettl, Frank Rosin, Alexander Herrmann und Cornelia Poletto kochen. Eva Brandl ist in den vergangenen Monaten viel gereist, seit sie bei den Spitzenköchen Thomas Kellermann, Bobby Bräuer und Cornelius Speinle die Kunst des Kochens gelernt hat. Als sie am Mittwochmorgen die Tür öffnet, ist wenig zu spüren von der ganzen Aufregung, die um sie herum entstanden ist, als ihre Teilnahme an der großen Show publik wurde. „Jetzt spinnt die Kleine“, war die Reaktion der großen Schwester, „was man mit dir alles mitmacht!“

Brandl ist eine erfrischend natürliche junge Frau, die auf dem Boden geblieben ist, weil sie gar nicht anders kann: „Ich kann mich nicht verstellen“, lacht sie, „nicht mal Hochdeutsch reden...“, und ihre warmen braunen Augen leuchten, als sie beim Erzählen über ihre Leidenschaft ins Schwärmen gerät. The Taste, sagt Brandl, ist eine der „ehrlichsten Kochsendungen, die es gibt“, und räumt gleich mit den gängigen Vorurteilen auf. „Da ist nichts künstlich, es gibt keine Coaches, die zur Hilfe eilen. Man ist absolut auf sich allein gestellt und hat genau diese 60 Minuten, um etwas zu schaffen, das die Juroren zu der Überzeugung bringt: Genau dieser Löffel ist es!“

Köchin war immer Traumberuf

Die neue Staffel von The Taste feierte Mittwoch Premiere. Foto: Sat.1/ Benedikt Müller
Die neue Staffel von The Taste feierte Mittwoch Premiere. Foto: Sat.1/ Benedikt Müller

Dabei hat Brandl das Casting bei den Bavaria Filmstudios, zu dem sie mit Mutter, Schwester und Nichte angereist war, nicht als einen Kampf gegen Konkurrenten erlebt. Es seien alles nette Leute gewesen, sagt sie. Gut vorbereitet hat man die Teilnehmer schon auf ihren Auftritt: „Wir wurden richtig geschult, wie die Geräte funktionieren und so weiter“, erzählt Brandl. Selbstverständlich war sie nervös. Doch in dem Augenblick, als sie zu kochen begann, hat sie alles ausgeblendet: Sonst wäre sie verrückt geworden. „Du musst nur kochen, habe ich mir gesagt, nichts anderes“. Das hat sie getan, und es war die richtige Entscheidung.

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Kochen wie ein Schweizer Uhrwerk

Eva Brandl hat für die Crème de la Crème der Kochszene gearbeitet. Jetzt zieht es die Kötztingerin an den Herd der Heimat.

Dass das Kochen in nächster Zukunft erst einmal nicht mehr ganz im Mittelpunkt ihres Lebens stehen wird, das hat einen schönen Grund: Brandl ist in der 24. Woche schwanger. Nach der Entbindung will sie definitiv zu Hause bleiben und viel Zeit mit ihrem Kind und ihrem Lebensgefährten verbringen. Sie habe immer wieder bei ihren Chefs miterlebt, dass diese „absolut keine Zeit für ihre Kinder“ hatten. Das wolle sie anders machen. „Nach einem Jahr vielleicht...“, sie zögert ein wenig, „… nicht Vollzeit, das wird nicht klappen, auf jeden Fall will ich wieder in der Gastronomie arbeiten!“ Und sie fügt hinzu: „Ich bin kein Mensch, der zwei oder drei Jahre vorausplant. Das ergibt sich von selbst.“

Die erste Show mit Eva Brandl ist am Mittwoch um 20.15 Uhr in Sat.1 zu sehen. Foto: cea
Die erste Show mit Eva Brandl ist am Mittwoch um 20.15 Uhr in Sat.1 zu sehen. Foto: cea

In ihrem jungen Leben ist Brandl seit ihrer Kindheit immer einer großen Idee gefolgt: Sie wollte Köchin werden. Die Grundlagen, das Zubereiten traditioneller Gerichte, hat sie bei ihrer Mutter gelernt, bevor sie mit zwölf in den Ferien das erste Praktikum machte. Ihre Nichte Anna Sperl, mit der sie „wie mit einer Schwester“ im gleichen Haus aufgewachsen ist, hat ihr ein wunderschönes Buch geschenkt: „Lebenslauf: Meine *** Köchin“. Darin hat Anna alle Erinnerungen und Fotos gesammelt, die Eva Brandl auf dem Weg von der Berufsschule über verschiedene Praktika bis zur Zusammenarbeit mit den ganz Großen der Kochszene zeigen. So steht sie da zum Beispiel an der Seite von Cornelius Speinle, ihr „alter Chef“ aus der Schweiz, der vor wenigen Tagen die Auszeichnung als „bester Koch im Ausland“ erhalten hat.

„Es gab nie einen anderen Berufswunsch als Köchin“, sagt Brandl. Als Schülerin habe sie ihre Lehrer damit fast verrückt gemacht. „Bitte schau dir noch was anderes an - wenn das nichts wird mit der Kocherei, dann stehst da und hast gar nichts“-- habe ihr Lehrer zu ihr gesagt. Da hat sie es kurz mit Bäckereifachverkäuferin versucht, aber „das war gar nichts für mich.“

Gourmet-Köchin Eva Brandl aus Bad Kötzting

12 bis 14 Stunden Arbeit täglich

Als Köchin pausiert Eva Brandl gerade, da sie schwanger ist und sich vorerst nur dem Kind widmen will.  Foto: cea
Als Köchin pausiert Eva Brandl gerade, da sie schwanger ist und sich vorerst nur dem Kind widmen will. Foto: cea

Ob es überhaupt noch andere Gesprächsthemen gibt, wenn man sich den ganzen Tag mit Kochen beschäftigt? Brandl überlegt einen Moment. „Gastronome sind schon ein eigensinniges Volk“, sagt sie. „Man spricht tatsächlich zu 95 Prozent nur über die Arbeit, also über die Gäste, über Wein, über Rezepte - man ist unter Gleichgesinnten isoliert“. Da ist es dann doch ganz gut, dass sie aufgrund der Schwangerschaft „einfach mal die Handbremse anziehen“ musste. 12 bis 14 Stunden täglich hat sie gearbeitet, auch an den Wochenenden. Es tut wohl, ruhiger zu werden, einmal an sich und natürlich vor allem ans Kind zu denken. Brandl hat begonnen zu häkeln. Sie zeigt mir die kleinen weichen Schuhe für das Neugeborene. Auch für Freunde hat sie bereits etwas in Arbeit - „ich habe Aufträge genug“, lacht sie, und man hat das Gefühl, das macht ihr fast ebenso viel Spaß wie das Kochen.

Obwohl Brandl selbst viele, sehr viele kreative Ideen für Rezepte hat: „Aromaspiele auf dem Teller“, wie sie es nennt, überlässt sie das Kochbuch-Schreiben gerne den ganz Großen der Branche. „Ich glaube, dass Sterneköche da mehr Erfolg haben als ich“, sagt sie. Außerdem gäbe es schon so viele Kochbücher, mit denen die normale Hausfrau gar nichts anfangen kann, weil alles „viel zu kompliziert“ ist. Brandl kombiniert gerne „ganz verrückt“, zum Beispiel Lamm mit Sellerie, Estragon und frischen Aprikosen: „Kochen und Essen kann so filigran sein“.

„The Taste ist eine der ehrlichsten Kochsendungen, die es gibt.“

Eva Brandl; Köchin und Show-Kandidatin

Dass sie ihrem Kind von Anfang an nur Selbstgekochtes servieren will, versteht sich von selbst. „Vorkochen und in Muffin-Förmchen gefüllt einfrieren, da hat man genau die richtige Portion!“- Brandl ist bestens vorbereitet, denn sie ist überzeugt: Hier werden die Grundlagen für die Zukunft gelegt, welchen Geschmack das Kind entwickeln wird. Natürlich hat Brandl noch Träume: Ein eigenes Restaurant zu haben ist einer davon, doch in der Realität momentan „einfach zu riskant“. „Gutes Personal zu finden ist das größte Problem“, sagt Brandl; sie erlebt das fast täglich in ihrer Heimatstadt im Bekanntenkreis. Ein realistisches Ziel in naher Zukunft könnte da eher sein, privates Dining anzubieten, also den Leuten zu Hause die Gelegenheit zu bieten, unter ihrer Anleitung zu kochen. Sie habe erst kürzlich beim Frauenbund einen Kochkurs gegeben, „die waren begeistert!“ Die Leute sollen Rezepte nicht nur lesen, sondern nachkochen können, sagt Brandl.

Und was gibt es dann eigentlich zum Auftritt Evas bei The Taste? Eva Brandl verschwindet schnell und kommt mit einer Stange Baguette in Folie gewickelt zurück. „Die habe ich schon gefüllt“, sagt sie. „Wenn Freunde und Familie kommen, wird ganz entspannt auf der Couch gesessen, The Taste geschaut, gegessen und getrunken… und wir werden sehen wie es weitergeht!“ Brandl lächelt – mehr wird nicht verraten.

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