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Jahreswechsel

Explosives Klima in Rathausgasse

Zwei Tage nach einem Landwirt aus Weißenregen melden Immobilienbesitzer Schäden durch Silvesterfeuerwerk und fordern, Bad Kötzting soll jetzt handeln.
Von Roman Hiendlmaier

  • Schrecken aller Bewohner in den Zentren: Böller richten auch in Bad Kötzting alljährlich Schaden an, den die Geschädigten nicht mehr hinnehmen wollen. Sie fordern Stadt und Polizei zum Handeln auf. Foto: dpa
  • Böllerspuren, gegen die kein Lappen hilft Foto: Schödlbauer
  • Lustige Punkte, trauriger Hintergrund: Die Markierungen für Schäden am Glas mussten an sechs Schödlbauer-Schaufenstern gesetzt werden. Foto: rh
  • Schmauchspuren, die noch zu beseitigen warenFoto: Schödlbauer

Bad Kötzting.Am vergangenen Dienstag stand Landwirt Karl Bergbauer aus Weißenregen kurz vor der Explosion: „Jedes Jahr das gleiche,“ schimpfte er und zeigte eine Tüte voller Reste von Böllern und Raketen. Diese Überbleibsel der alljährigen Silvesterknallerei vor der Wallfahrtskirche seines Dorfs hat er in mehreren Stunden von seiner Wiese aufgeklaubt.

Ungefähr zur selben Zeit herrschte in der Rathausgasse im Stadtzentrum eine ähnlich explosive Stimmung. Da hatten Christina und Karl Gerstl die Schäden an der Fassade eines Hauses erfasst, an dem sie Miteigentümer sind. Ein Glaser erledigte diese bittere Aufgabe für die Unternehmerfamilie Schödlbauer, deren Schaufenster ihres Modehauses voller kleiner Löcher sind. „Sehen Sie die roten Punkte auf allen sechs Glasscheiben?“, fragt Christina Gerstl. „Das ist keine Deko, das sind Markierungspunkte von Glasschäden, die der Glaser gesetzt hat.“

„Da hat’s ausg’schaut“

Die Optik der Rathausgasse Stand Freitag entspricht nicht der von damals, als die stundenlange Knallerei in der Gasse beendet war, ergänzt Peter Schödlbauer. Seine Neujahrs-Eindrücke hat er auf CD gebrannt: „Da hat’s ausg’schaut, das glaubt man nicht, wenn man heute so in die Gasse schaut,“ sagt Schödlbauer. Nachdem die Stadt den gröbsten Dreck entfernt hatte, haben die Anlieger zu Eimer und Lappen gegriffen, um die Relikte der Knallkörper zu beseitigen. „Aber manches ist eben nicht zu beseitigen,“ sagt Schödlbauer. Ob die Schaufenster repariert oder gar ersetzt werden müssen und was das koste, das könne er noch nicht beantworten. Nur eine Antwort stehe fest, die auf die Frage nach Assekuranz: „Das sind Vandalismusschäden, die zahlt keine Versicherung. Also zahlt entweder der Verursacher – oder wir.“

Wie auch Landwirt Bergbauer in Weißenregen, wollen die Innenstädter den Schaden an ihrem Hab und Gut nicht mehr klaglos hinnehmen. Am Freitag veröffentlichte die Familie Gerstl eine Stellungnahme, unterschrieben von der Familie Schödlbauer, Xaver Ritzenberger, Christoph Motal und Alexandra Achatz, Franz Eckl und Maria Sonntag – alle Anlieger der Rathausgasse.

Stadt soll Böllerei verbieten

Darin erklären sie, dass es Verunreinigungen und Beschädigungen vor und an den Anwesen der Rathausgasse schon seit Jahren gebe. Nun herrsche Handlungsbedarf.

Vonseiten der Stadt war am Freitagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten. Bürgermeister Wolfgang Ludwig hatte gegenüber der Kötztinger Umschau am Dienstag betont, dass in der Silvesternacht Verbote auszusprechen und auch durchzusetzen seiner Ansicht nach problematisch sei. Gerstl hält in ihrer Stellungnahme dagegen: „Ich glaube, dass dies in Zukunft dringendst an einigen neuralgischen Punkten der Stadt notwendig ist.“ Hierzu zählt natürlich die Rathausgasse, an die auch das historische „Alte Rathaus“ grenze. „Vielleicht ist das den Verantwortlichen der Stadt nicht so viel wert. Meinerseits habe ich die Beschädigungen an der Außenwand, den Fensterbänken und Fenstern unserer Eigentumswohnungen, die nicht mehr mit Putzen zu beseitigen waren, zur Anzeige gebracht. Dem haben sich auch andere Anlieger der Gasse angeschlossen.“

Die Anliegergruppe hat sich vorgenommen, an die Stadt Kötzting den Antrag zu stellen, in Zukunft ein Verbot zum Abfeuern von Feuerwerkskörpern für diesen Teil der Innenstadt zu veranlassen. Der Grund dafür ist nach Ansicht der Unterzeichner buchstäblich offensichtlich: „Eigentum verpflichtet, und dies ist wohl auch im Interesse der Stadt, dass diesem Unsinn Einhalt geboten wird.“

Wer den schaden hat

Grundsätzlich gilt laut Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute: Entsteht der Schaden aus einer „gefährlichen oder gar vorsätzlichen Betätigung“, wird der Übeltäter selber zur Kasse gebeten.

Je nach Größe und Umfang des Schadens ist es sinnvoll, Anzeige zu erstatten und der Versicherung das Silvestermalheur zu melden.

Von eigenen Versicherungen fließt meist schneller und mehr Geld – nämlich der Wiederbeschaffungswert – als von der Haftpflichtversicherung eines Übeltäters. Diese muss nur den Zeitwert einer ruinierten Sache tragen.

Eine Feuerversicherung für eine Immobilie kann im Einzelfall auch Reparaturen am Gebäude erstatten. Details regelt das Kleingedruckte.

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