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Justiz

Fahrer ohne Schein ganz unbelehrbar

Mehrfach wurde ein 25-Jähriger aus Bad Kötzting ohne Fahrerlaubnis erwischt, wie er Auto fuhr. Nun musste er vor Gericht.

Das Gericht kam dem Angeklagten beim Urteil extrem entgegen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Das Gericht kam dem Angeklagten beim Urteil extrem entgegen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Bad Kötzting.Ein besonders skurriler Fall des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis ereignete sich in der Nacht vom 31. Januar auf den 1.Februar dieses Jahres in Bad Kötzting. Ein 25-Jähriger wurde zunächst in der Holzapfelstraße ohne Führerschein erwischt. Wie die Polizei später mitteilte, belehrte sie den Mann und stellte das Fahrzeug vor seinem Haus ab. Am nächsten Morgen fuhren die Beamten am Grundstück vorbei, doch das Auto stand nicht mehr an Ort und Stelle. Der Mann wurde kurze Zeit später an seiner Arbeitsstelle angetroffen – er war mit dem Auto dorthin gefahren.

Der Beschuldigte sagte nun vor Gericht aus, dass ihm die Sache leidtue. Er habe keinen anderen Ausweg gesehen. Er sei lediglich für die Arbeitsstrecken in das Fahrzeug gestiegen. Trotz offener Bewährung habe er sich nicht um eine Alternative gekümmert. Richter Wolfgang Voit befragte ihn nach der Bedeutung einer Bewährungsstrafe. Nach der zweiten Fahrt ohne Fahrerlaubnis habe der Mann endlich mit Arbeitskollegen kooperiert und sich einer Fahrgemeinschaft angeschlossen.

Verheimlichen ist hier Routine

Der zuständige Polizist schilderte, dass der ersten Kontrolle eine Führerscheinbeschlagnahmung zugrundegelegen habe. Der Mann sei der Polizei auf dem Weg zu ihm entgegengekommen. Er habe nach der Sicherstellung eine Vorladung für den nächsten Abend erhalten, um sich zur Sache zu äußern. Als das Auto am nächsten Morgen weg war, sei man schnell bei der Arbeitsstelle des Mannes fündig geworden. Der Vorladung am Abend sei er aber nachgekommen. In den Ausführungen der Bewährungshelferin des Angeklagten wurde klar, dass der Angeklagte ohnehin zum Verheimlichen von Dingen ohne Grund neigte. Eine Behandlung dahingehend habe aber nie stattgefunden. Sie habe ihm daher eine Psychotherapie empfohlen, erste Gespräche hätten bereits stattgefunden.

Fünf Einträge im Bundeszentralregister hat der Angeklagte bereits – allerdings wegen anderer Delikte. Da sich die Schuldfrage nicht mehr stellte, ging es für die Staatsanwaltschaft noch um das Strafmaß. Aus drei Monaten Freiheitsstrafe für die erste und vier Monaten für die zweite Fahrt sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Monaten zu bilden. Eine Bewährung sei nicht mehr möglich, da die Fahrt bereits unter offener Bewährung erfolgt sei. Der Führerschein sei für neun Monate einzubehalten, zusätzlich müsse ein weiteres dreimonatiges Fahrverbot ausgesprochen werden.

Auf Verteidiger verzichtet

Der Angeklagte war ohne Verteidigung erschienen – doch auch ohne Beistand bewahrte der Richter den Angeklagten vor dem Gefängnis und verurteilte ihn zu fünf Monaten Gesamtfreiheitsstrafe auf Bewährung. Die Bewährungsdauer wurde mit vier Jahren auf das Maximum bestimmt. Zwei Jahre weitere Zusammenarbeit mit der Bewährungshelferin werden erforderlich sein. Drei Monate Fahrverbot ergänzen eine Geldstrafe von 2000 Euro zugunsten der Kindernothilfe.

Vieles habe für die Argumentation der Staatsanwaltschaft gesprochen, so der Richter. In diesem Fall gebe es aber Besonderheiten hinsichtlich der Persönlichkeit des Angeklagten zu berücksichtigen. Danach habe keine Mutwilligkeit – trotz der Missachtung der Bewährungsauflagen – vorgelegen. Er tue sich im Alltag ohne die Hilfe anderer Mitmenschen schwer, befinde sich aber auf einem guten Weg. Stabilisierende Faktoren seien seine Mutter, die Bewährungshelferin, sowie die Therapie. So habe das Gericht „mehr als eine Auge zugedrückt“. (cya)

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