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Familiäre Spannungen lösen

Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern gibt Ratschläge für die neue Situation, die die Coronakrise mit sich bringt.

  • Kinder brauchen genauso eine Tagesstruktur wie Erwachsene: Gemeinsam können Eltern mit ihren Kindern einen Plan machen. Foto: Ashton Bingham, Unsplash
  • Die Corona-Pandemie ist nicht die Zeit für Bestleistungen: Eltern müssen nicht mit größtem Ehrgeiz ans Lernen gehen. Foto: M. Brichta/dpa-tmn

Cham.Vor allem Eltern müssen weiterhin Durchhaltevermögen und Zuversicht bewahren, so auch Anna und Reinhard (Die Namen wurden geändert), die wie viele andere Familien die Beratungsstelle aufgesucht haben. Anna und Reinhard haben eine dreizehnjährige Tochter Nina und einen neunjährigen Sohn Tobias. Seit mehreren Wochen müssen die Eltern ihre Kinder durch die neue Schulsituation unterrichten und unterhalten. Die Kinder erhalten ihre Schulaufgaben und einen Wochenplan per E-Mail von ihrer Lehrkraft geschickt, den Anna jeden Vormittag mit den Kindern durcharbeitet.

Wie aus einer Pressemitteilung der Erziehungsberatungsstelle hervorgeht, fällt es an manchen Tagen Anna extrem schwer, ihre Kinder zu motivieren, Nina hat oft „keinen Bock“ auf die Schulaufgaben und möchte lieber mit ihrer Freundin skypen. Es kommt dann immer wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen und anhaltenden Spannungen.

Auch Tobias ist unausgelastet und klagt ständig über Langeweile, da er sich jetzt nicht mehr wie gewohnt am Nachmittag austoben und mit seinen Freunden Fußball spielen kann. Den ganzen Tag liegt er Anna in den Ohren, weil er am Computer oder mit der Playstation spielen möchte. Anna fühlt sich in der ungewohnten Situation überfordert und hat schlaflose Nächte.

Belastung für die Familie

Auch die aktuelle berufliche Situation und Perspektive von Reinhard trägt zu einer erheblichen Verunsicherung der Familie bei. Die Firma des Familienvaters hat ab nächste Woche Kurzarbeit angekündigt, finanzielle Einbußen stellen eine weitere familiäre Belastung dar.

Tipps, wie Anna und Reinhard und auch andere Familien mit solchen oder ähnlichen Problemen umgehen können, verrät die Beratungsstelle: Gehen Sie in den Dialog mit sich selbst! Die Fragen könnten lauten: Was verbinden Sie persönlich mit der Coronakrise? Welche Gefühle, Sorgen und Ängste haben Sie? Aber auch: Was sind Ihre Stärken und gibt Ihnen Hoffnung?

Als kleiner erster Schritt wird empfohlen, einen nahen Freund oder eine Freundin zu fragen, welche drei besonderen Stärken Sie auszeichnen und bauen Sie auf diese Stärken. Bringen Sie sich selbst aktiv in eine zuversichtliche positive Stimmung!

Die Stressforscher sind sich einig, dass die emotionale Belastbarkeit durch positive Gedanken und Gefühle gestärkt werden kann. Ein eher positiver Blick in die Zukunft trägt zu einer optimistischen und zuversichtlichen Einstellung bei, die nachweislich zu mehr Gelassenheit führt und damit auch einen besseren Umgang mit Unsicherheiten und Unvorhersehbarkeiten ermöglicht.

Hilfreich ist es, bewusst auf die „guten Momente“ und „beruhigende Gedanken“ über den Tag hinweg zu achten. Die Aufmerksamkeit sollte gezielt auf Dinge und Erscheinungen gerichtet werden, die einem Sicherheit geben und Freude bereiten. Ein Schritt in diese Richtung könnte sein, beim Abendessen mit den Kindern zu besprechen, was jedem einzelnen heute besonders gut gefallen hat. Die aktuellen Lebensumstände mit den notwendigen Einschränkungen sollten so angenommen werden.

Ändern könne man daran nichts – aber man könne die Zeit, die zur Verfügung steht, nutzen und gestalten. Vielleicht habe man jetzt mehr Zeit für die Kinder: Mehr Zeit zum Zuhören, mehr Zeit, um Gefühle zu verstehen, mehr Zeit, um deren Ansichten zu begreifen. Man könne nachfragen, wie die Kinder die aktuelle Zeit erleben. Gemeinsam kann man auf Informationssuche über die Corona-Pandemie gehen: Schauen Sie zusammen Fernsehen, recherchieren Sie im Internet, lassen Sie sich durch Videos informieren!

Ein erster Schritt könnte sein, sich zusammen mit den Kindern Erklärungsvideos auf Youtube anzuschauen und mit den Kindern zu diskutieren. Auf der Homepage „www.beratungsstelle-cham.de“ finden sich dazu verschiedene Links und für die kleineren Kinder könne man unter „Aktuelles“ ein Kinderbuch runterladen.

Wichtig sei, die sozialen Kontakte zu pflegen. „Telefonieren oder chatten Sie mit Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten. Fragen Sie nach, wie andere ihren Alltag jetzt gestalten, wie sie mit Belastungen umgehen, was sie als positiv erleben.“ Vorab könne man sich überlegen, wer sich heute über einen Anruf besonders freuen würde. Dabei sollte womöglich an alleinstehende oder alte Menschen gedacht werden – so habe man zusätzlich eine gute Tat erledigt.

Alltag neu strukturieren

Zusammen mit den Kindern sollte man planen, was man gemeinsam machen könne. Ältere Kinder und Jugendliche könnten Vorschläge entwickeln, welche Tagesstruktur in Zeiten von Corona am besten für sie passend wäre. Wichtig sei aber auch, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Zur Umsetzung des Ziels könnte mit den Kindern eine Liste mit gemeinsamen Aktivitäten z.B. gemeinsam einen Film anschauen, einen Spieleabend machen, ein Lied zusammen singen oder eine Wanderung machen, erstellt werden. Zu überlegen sei, wie man die beliebteste Aktivität umsetzen könne.

Auch wenn es im Moment besonders schwierig sei, könnte man sich fragen, wofür die Sache gut sein könnte, was für Chancen oder Möglichkeiten sich daraus ergeben könnten. Vielleicht gelingt es so, den Alltag zu entschleunigen und für sich zu überlegen, was wirklich wichtig ist. Ein kleiner erster Schritt könnte sein, sich die Bilder von Astronauten Alexander Gerst im Internet anzuschauen – dann kann man die Erde wieder mit anderen Augen sehen.

Besonders in diesen Krisenzeiten steht die Beratungsstelle für Fragen und Anliegen zur Verfügung: Zusätzlich zur regulären Öffnungszeit wurde unter der Nummer (09971) 79974 eine Corona-Sprechstunde für große Probleme eingerichtet, die täglich von 13 bis 14 Uhr besetzt ist.

Aktuelle Informationen finden sich auch auf der Homepage: www.beratungsstelle-cham.de.

Erziehungsberatungsstelle Cham

  • Aufgabe:

    Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern bietet Unterstützung bei allen Fragen und Problemen, die während der Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und im Zusammenleben in Familien auftauchen können. Sie steht Ratsuchenden aus der Stadt Cham und dem Landkreis Cham offen.

  • Kontakt:

    Beratungsstelle Kleemannstr. 36, Cham; Telefon: (0 99 71) 7 99 74, Fax: (0 99 71) 7 99 76; E-Mail: info@beratungsstelle-cham.de.

  • Öffnungszeit:

    Das Sekretariat ist besetzt: Montag bis Donnerstag: 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr; Termine werden nach Vereinbarung vergeben.

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