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Holocaust

Feier im Zeichen der Toleranz

Rund 80 Personen wohnten der emotionalen Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung aus Auschwitz bei.

  • Erinnerung durch Sprache und Gesten: Amy Weinstein (rechts) hieß die Erinnerung willkommen. Foto: cia
  • Claudia Zimmermann von Bündnis für Toleranz und Menschenrechte, richtete Begrüßungsworte an die Zuhörer Foto: cia
  • Legten zum Abschluss auch Blumen nieder: Sabine Ebert, Marlon Janka, Claudia Zimmermann und Christian Oberthür Foto: cia
  • Gab durch ihre Lesung einen Einblick in die damaligen Zustände in Auschwitz: Eva-Maria Schwarzfischer Foto: cia

Cham.Einen Tag vor der Jährung der Befreiung aus dem Vernichtungslager Auschwitz zum 75. Mal hatten sich am Sonntagnachmittag rund 80 Personen um den Gedenkstein am Chamer Stadtpark versammelt. Claudia Zimmermann vom Bündnis für Toleranz und Menschenrecht im Landkreis Cham (BfTuM) begrüßte die Anwesenden, darunter Dr. Johanna Etti als stellvertretende Landrätin. Zimmermann erinnerte an die Mitschuld der Welt. Demnach habe man wissen können, was sich seinerzeit in Auschwitz zutrug, die Alliierten hätten es bereits 1942 gewusst. Dennoch kam es erst am 27. Januar 1945 zur Befreiung von Auschwitz.

Claudia Zimmermann gedachte auch der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Cham, die geächtet, vertrieben und abtransportiert wurden. Im Mindestfall verloren sie alles, nicht wenige starben grauenvoll in den Konzentrationslagern: „Ist das schon 75 Jahre her oder erst?“, fragte Zimmermann. Nach Naftali Fürst, einem Holocaust-Überlebenden, der seit Jahren seine Stimme gegen Antisemitismus erhebt, nehme die Zahl der Antisemiten zu, je mehr von der damaligen Zeit berichtet werde.

Auch den Landkreis Cham betreffe das alles, da hasserfüllte Kommentare, Respektlosigkeiten und Herabwürdigung im Alltag immer wieder zu finden seien. Die Dämonen seien längst nicht gebannt, so Zimmermann abschließend. In Vertretung des BfTuM sei es daher unabdingbar, ein Zeichen zu setzen, dass kein Millimeter Platz für rechte Hetze und Antisemitismus in der Gesellschaft sei.

Vom Bösen verführt

Eva-Maria Schwarzfischer verlas eine Geschichte, die sehr gut den damaligen Zeitgeist beschrieb und auch die Zustände im Lager Auschwitz deutlich machte. Bereits beim Hören dieser Details dürfte den Zuhörern ein Schauer über den Rücken gelaufen sein. Sabine Ebert, wie Schwarzfischer Mitgestalterin der Veranstaltung, fuhr mit einem Auszug aus einer Rede des verstorbenen Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel fort. Neben der schonungslosen Benennung des Geschehenen, stellte Wiesel damals auch die Frage, wie sich selbst gebildete Menschen so sehr vom Bösen verführen lassen konnten.

Das Schlimmste seien die Morde an den rund 1,5 Millionen Kindern gewesen. Dabei sollte jedoch auch derer gedacht werden, die versucht haben, sich gegen das Regime aufzulehnen: „Leider waren es wenige“, resümierte Wiesel. Auschwitz werde bis zum Ende aller Zeiten Teil der Geschichte sein, schloss Ebert ihre Lesung, die es in sich hatte.

Nicht weniger emotional wurde es beim folgenden Auftritt von Amy Weinstein und drei weiteren Frauen, die in unterschiedlichen Sprachen mit Worten und Gesten die Erinnerung willkommen hießen.

Eindrucksvolle Geste

Ihr Fazit lautete, dass die Vergangenheit nicht geändert, aber die Zukunft gestaltet werden könne. Es folgte das Gedenken an verstorbene Juden aus Cham durch die Verlesung einzelner Namen. In diesem Zusammenhang nutzten viele Anwesende die Gelegenheit eine Kerze anzuzünden und am Gedenkstein zu platzieren – eine eindrucksvolle Geste. Zum Abschluss sangen die Frauen gar ein Lied in hebräischer Sprache.

Mitinitiator Marlon Janka vom BfTuM zeigte sich am Ende der Veranstaltung zufrieden: „80 Teilnehmer sind wunderbar“, sagte Janka in Bezug auf die Resonanz an diesem Tag. Bei einer kürzlich stattgefundenen Versammlung in Roding seien 60 Teilnehmer gezählt worden. Aktuell stünden bei vielen Veranstaltungen Gespräche über eine konstruktive Demokratie im Vordergrund. (cia)

Hintergrund

  • Bündnis:

    Das Anfang Oktober 2019 gegründete Bündnis „Cham gegen Rechts, Bündnis für Toleranz und Menschenrechte im Landkreis Cham“, zeigt Flagge gegen rechte Hetze und Antisemitismus.

  • Befreiung:

    Am 27. Januar 1945 wurden die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz von der Roten Armee befreit. Seitdem ist der Tag ein „DenkTag“, 2005 wurde er gar zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts“ benannt.

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