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Feldgeschworene: Ehrenamt mit Tradition

Drei Further wachen über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen. Schon seit 40 Jahren sind sie Feldgeschworene.
Von Johann Gruber

Bürgermeister Sandro Bauer, Vermessungsdirektor Christian Schmitz und Liegenschaftsverwalter Thomas Gruber gratulierten Georg Plötz, Jakob Wolf und Johann Baier (von rechts) zur Auszeichnung für 40-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Feldgeschworene
Bürgermeister Sandro Bauer, Vermessungsdirektor Christian Schmitz und Liegenschaftsverwalter Thomas Gruber gratulierten Georg Plötz, Jakob Wolf und Johann Baier (von rechts) zur Auszeichnung für 40-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Feldgeschworene Foto: Johann Gruber

Furth im Wald.Bürgermeister Sandro Bauer hat in Vertretung von Landrat Franz Löffler zusammen mit dem Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV) Cham, Vermessungsdirektor Christian Schmitz, im Further Rathaus Johann Baier (Degelberg), Georg Plötz sen. (Lixenried) und Jakob Wolf sen. (Furth im Wald) für ihre 40-jährige Tätigkeit als Feldgeschworene ausgezeichnet.

Dieses Ehrenamt ist aus den alten Mark- und Feldgerichten hervorgegangen, deren Aufgabe es war, in Grenzangelegenheiten Schiedssprüche zu fällen. So wurden die Feldgeschworenen zu Hütern der Grenzen und Abmarkungen. Die Tradition lässt sich über Jahrhunderte hinweg in die Zeit der dörflichen Selbstverwaltung im Mittelalter zurückverfolgen. Aufgaben waren das Anbringen von Grenzzeichen, die Überwachung der Grenzen durch Flurumgänge, Schiedssprüche bei Grenzstreitigkeiten und die Festsetzung von Bußen für Grenzverletzungen. „Die Feldgeschworenen nehmen somit schon seit Jahrhunderten einen öffentlichen Aufgabenbereich wahr, der bis heute von den staatlichen Stellen immer wieder bestätigt wurde“, sagte Bauer in seiner Laudatio.

Ehrenamt

Die verschwiegenen Geheimnisträger

Feldgeschworene sind ein kleiner Kreis, die wissen, wem wo wie viel gehört. In Bad Kötzting gehört Franz Hackl dazu.

Ältestes kommunales Ehrenamt

Obwohl das Amt der Feldgeschworenen das älteste kommunale Ehrenamt ist, habe es nichts von seiner Bedeutung verloren und trotz aller modernen Technik sind sie auch heute noch bei jeder Vermessung oder Abmarkung dabei. „Die Feldgeschworenen sind das Bindeglied zwischen der Bevölkerung und den Vermessungsbehörden“, betonte Bauer.

Als Vertrauensperson beider Seiten seien sie in der Lage, so manchen drohenden Rechtsstreit in Grenzsachen rechtzeitig abzuwehren und die Beteiligten damit vor unabsehbaren finanziellen Konsequenzen zu bewahren.

Siebenergeheimnis

  • Tradition:

    Feldgeschworenen versuchten schon immer, die Grenzzeichen durch geheime Zeichen gegen willkürliche Versetzung durch Unbefugte zu schützen. Die Geheimnisse teilten sie mit sechs weiteren Feldgeschworenen, damit auch beim Ausfall des Steinsetzers niemand betrogen werden konnte.

  • Zeichen:

    Die sogenannten „Siebenerzeichen" waren meist besonders geformte und vielfach auch beschriftete Zeichen, etwa aus Ton, Glas, Porzellan oder Metall. Die Art des Unterlegens war Bestandteil des Siebenergeheimnisses. (fer)

Nichts für „unverschämte Erdenwürmer“

Dieses Zeichen dient als Grundlage für die Bestimmung von Grenzpunkten. Solche Metallknöpfe mit der Aufschrift GRENZ-PUNKT werden zunehmend anstelle der herkömmlichen Marksteine gesetzt.
Dieses Zeichen dient als Grundlage für die Bestimmung von Grenzpunkten. Solche Metallknöpfe mit der Aufschrift GRENZ-PUNKT werden zunehmend anstelle der herkömmlichen Marksteine gesetzt. Foto: Johann Gruber/Johann Gruber

Das Further Stadtoberhaupt las ein Anforderungsprofil für Feldgeschworene vor, das er in einer Chronik aus dem 16. Jahrhundert gefunden hatte: „Soll ein jeder seyn im Ort geboren und soll 10 Jahre Bürger seyn, eh man ihn zum Feldschieder machet, dieweilen sich in dieser Zeit seine ganze Beschaffenheit zeiget und man erkennet, ob er a) nicht ein rachsüchtiger und unverschämter Erdenwurm ist, b) nicht ein Säufer, ein Spieler, ein Streiter und Schwärmer ist, c) ein ruhig gelassener, bei jedem Streit gesetzter Mann ist, d) die Grenzen seiniger Nachbarn in Dorf und Feld in Ordnung hält, e) einen gut richtigen Ausspruch bey jeglichem Streit tun kann, f) ein guter Hauswirth ist, der sein Eigen auf rechte Weise zu vermehren suchet, g) im Rechnen und Schreiben bestellt ist.“

Rund 27 000 Feldgeschworene, 19 davon in der Stadt Furth im Wald, gibt es zurzeit in Bayern. Sie sind – wie ihre Vorgänger in den Jahrhunderten zuvor – wegen ihrer Erfahrung, ihres Ansehens in ihren Gemeinden und ihrer Ortskenntnis bei den Bürgern und beim Vermessungsamt sehr geschätzt. Im Mittelalter kam es auf den Feldfluren zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung auf jeden Quadratmeter landwirtschaftlich nutzbaren Bodens an.

Von diesem schönen Exemplar eines Grenzsteins, der an der Nordseite des Diebergs neben der Straße steht, ist Jakob Wolf sehr angetan.
Von diesem schönen Exemplar eines Grenzsteins, der an der Nordseite des Diebergs neben der Straße steht, ist Jakob Wolf sehr angetan. Foto: Johann Gruber/Johann Gruber

Daran erinnerte Vermessungsdirektor Schmitz in seinem kurzen Rückblick auf die Historie der Grundstücksvermessungen. Bereits im Jahre 1808 gründete König Max I. die Bayerische Steuervermessungskommission (später Landesvermessungsamt) und ordnete die systematische und exakte Vermessung sämtlicher Grundstücke in Bayern an. Nichtsdestotrotz war bis 1904 das Steinsetzen allein den Feldgeschworenen vorbehalten.

Auch heute noch wirken die Feldgeschworenen regelmäßig bei der Abmarkung mit, indem sie die staatlichen Vermessungsbehörden bei Grundstücksvermessungen unterstützen. Darüber hinaus haben Feldgeschworene in einem gesetzlich festgelegten Rahmen eigene Abmarkungsbefugnisse. Auch für Privatbürger dürfen sie einmal gesetzte Grenzzeichen suchen, aufdecken sowie sichern und höher- bzw. tiefersetzen, wenn ein Grundstückseigentümer dies beantragt.

Dank und Anerkennung

Zu einem Drittel aus dem Boden ragt dieser Markstein, den Feldgeschworener Jakob Wolf hier am Fuß des Diebergs auf dem Weg zur Hackerlkapelle zeigt. Andere Grenzpunkte sind dagegen oft gut versteckt.
Zu einem Drittel aus dem Boden ragt dieser Markstein, den Feldgeschworener Jakob Wolf hier am Fuß des Diebergs auf dem Weg zur Hackerlkapelle zeigt. Andere Grenzpunkte sind dagegen oft gut versteckt. Foto: Johann Gruber/Johann Gruber

Trotz der Weiterentwicklung der Messkunst und der Genauigkeit der Katasterkarten sind die Feldgeschworenen nach wie vor eine große Hilfe für das Vermessungsamt und bei jedem Steinsatz dabei. Schmitz dankte den Feldgeschworenen, Bürgermeister Bauer sowie Thomas Gruber von der Liegenschaftsverwaltung im Further Rathaus für die gute Zusammenarbeit.

Der Bürgermeister und der Vermessungsamts-Chef würdigten Johann Baier, Georg Plötz und Jakob Wolf für 40 Jahre ehrenamtliches Engagement als Feldgeschworene und wünschten ihnen, dass sie ihr Ehrenamt, für das sie auf Lebenszeit bestellt sind, noch lange ausüben können.

Neben einer Ehrenurkunde des Staatsministers für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, Albert Füracker, wurden die Ehrenamtsjubilare noch mit einem Buchgeschenk bedacht.

Jakob Wolf – „Stangerl Jack“ – der von 1987 bis 2007 Obmann der Further Feldgeschworenen war, erinnerte an die großen Verschiebungen durch die Flurbereinigung in den Jahren 1978 bis 1982, die den „Siebenern“ damals eine Menge Arbeit bescherten. (fer)

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