mz_logo

Region Cham
Dienstag, 18. September 2018 25° 2

Theater

Femme fatale flieht in die Oberpfalz

Hin und wieder fliegt der Waldmünchner Kulturkreis aus. So auch zu „Lola Montez“ aus der Feder von Bernhard Setzwein.
Von Petra Schoplocher

  • Eine Frau in Männerkleidern! Lola Montez (Barbara Trottmann) lässt sich auch von Türmersohn Elias Peißner (Patrick Götz) nichts sagen. Foto: ps
  • Seine Majestät, Ludwig I., ist im „richtigen Leben“ Hörfunkjournalist Ulrich Scherr. Die meisten Darsteller waren Laien, wenngleich Scherr schon seit Jahren immer wieder für das Landestheater Oberpfalz im Einsatz ist. Die Königs-Rolle war wie für ihn gemacht. Foto: ps

Waldmünchen.Hätte, wäre, könnte.... Ja, wer weiß, vielleicht ließ sich diese Lola Montez wirklich im Frühjahr des Jahres 1848 in Vilseck verstecken. Was sich dann in dem beschaulichen Städtchen in der nördlichen Oberpfalz Alles zugetragen hätte, das durften sich rund 300 Premierengäste am Freitag Abend im Hof der Burg Dagestein erzählen lassen. Von Bernhard Setzwein, der den Vilseckern ein Stück Stadtgeschichte geschrieben hatte. Und die sich auch eine Delegation aus Waldmünchen nicht entgehen ließ.

Vor allem die beiden Geheimpolizisten, die ein wenig wie „Dick und Doof“ anmuteten, sorgten immer wieder für (hintersinnige) Lacher. So machte sie die Oberpfälzer einmal als „mundfaul“, dann waren sie – dank dieser Bürgerin – auf einmal „geschwätzig“. Foto: ps
Vor allem die beiden Geheimpolizisten, die ein wenig wie „Dick und Doof“ anmuteten, sorgten immer wieder für (hintersinnige) Lacher. So machte sie die Oberpfälzer einmal als „mundfaul“, dann waren sie – dank dieser Bürgerin – auf einmal „geschwätzig“. Foto: ps

Dass Lola Montez, die Mätresse König Ludwigs I., die die Monarchie erschütterte wie keine zweite, und Elias Peißner, Türmersohn aus Vilseck, eine Affäre miteinander hatten, ist historisch verbürgt. Ebenso, dass sie auf Lola Montez’ Flucht aus München eine Nacht miteinander auf Schloss Blutenburg verbracht haben – Und er damit weit mehr war als einer ihrer „Lolamannen“, wie die Studenten genannt wurden, die sich um die Tänzerin mit echtem Namen Elizabeth Rosanna Gilbert scharten.

Bernhard Setzwein untertitel sein Stück mit dem Zusatz „Eine bayerische Staatskomödie“. So kommen die Zuschauer vor dem Hintergrund drohender politischer Umwälzungen, den inneren Qualen des sensiblen Königs und manchem Seitenhieb auf die heutige Zeit auch noch in den Genuss feinsinnigen Humors und nahezu grotesker Szenen.

Ehe sich der Premierenvorhang hob, traute sich die Waldmünchener Abordnung mitsamt Autor Bernhard Setzwein auf die Bühne. Genauer an den Schreibtisch König Ludwigs I., um den sich herum im Laufe des Stücks lustige wie tragische Szenen abspielen sollten. Foto: ps
Ehe sich der Premierenvorhang hob, traute sich die Waldmünchener Abordnung mitsamt Autor Bernhard Setzwein auf die Bühne. Genauer an den Schreibtisch König Ludwigs I., um den sich herum im Laufe des Stücks lustige wie tragische Szenen abspielen sollten. Foto: ps

Das Premierenpublikum amüsierte sich jedenfalls köstlich und „verzieh“ dem Autor auch, dass er den Charakter der Oberpfälzer das ein oder andere Mal gehörig aufs Korn nahm. Am Ende jedenfalls honorierten die Zuschauer die Inszenierung der Regisseure Tina Lorenz und Till Rickelt teils mit stehenden Ovationen.

Maßgeblich zum Erfolg trug die großartige Barbara Trottmann bei, die sämtliche Facetten der Lola stimmgewaltig ’rüberbrachte. Sie, Elias Peißner-Darsteller Patrick Götz und der wunderbare Ulrich Scherr als liebestoller, melancholischer oder auch starrköpfige König (der sogar in Erwägung zieht, sein „undankbares“ Volk gegen die Schotten einzutauschen) sind die einzigen (Halb)Profis im Ensemble, dessen Niveau jedoch Eindruck machte.

Neues Terrain

Die Waldmünchener, zusammengewürfelt durch eine gemeinsam angebotene Fahrt von Volkshochschule und Kulturkreis, waren ebenso begeistert. Kulturamtsleiter Hans Ruhland etwa war von der Leichtigkeit des Theaters gleichermaßen überrascht wie angetan. Dieses passte nämlich gar nicht in das bisher kennengelernte Setzwein-Schema, hatte dieser doch zuletzt mit Stücken über Dietrich Bonhoeffer oder den letzten bayerischen Scharfrichter ernstere Ansätze verfolgt.

Bernhard Setzwein hat schon rund ein Dutzend Theaterstücke geschrieben, so groß wie in Vilseck war der Applaus aber noch nie. Bürgermeister Hans-Martin Schertl (mit Blumen) war begeistert, wie der Chamer Autor das Stück Stadtgeschichte hat aufleben lassen. „Toll!“ Foto: ps
Bernhard Setzwein hat schon rund ein Dutzend Theaterstücke geschrieben, so groß wie in Vilseck war der Applaus aber noch nie. Bürgermeister Hans-Martin Schertl (mit Blumen) war begeistert, wie der Chamer Autor das Stück Stadtgeschichte hat aufleben lassen. „Toll!“ Foto: ps

„Wir sind stolz, dass der Bernhard einer aus unseren Reihen ist“, gibt Ruhland unumwunden zu. Zu den eigenen und Kooperationsveranstaltungen bietet der Kulturkreis auch immer wieder einmal Fahrten an, in diesem Fall habe sich der Ausflug zur Premiere angeboten. „Sonst wären wir wohl kaum nach Vilseck rauf gefahren“, erklärt er.

Wie Hans Ruhland, der die „Reflexion auf die heutige Zeit“ etwa mit der Beschwerde des Königs, die Regierenden wären „nur noch zum Unterschreiben da“, hervorhob, beeindruckte die Parallelen zur Gegenwart auch VHS-Leiterin Susanne Nock. Das Volk will, dass Lola aus München, besser noch aus Bayern, verschwindet. Also: „Abschieben, abschieben!“

Das Ende in Amerika

Um die vielen Handlungsstränge zusammenzubringen, bedient sich Setzwein des Türmers, der mit einem Ofenrohr „ins Gebirg’“, aber eben auch nach München und Amerika schauen kann. Dort, wo es beide später hinverschlagen hat, spielt das Ende des Stücks. Lola weiß im New York des Jahres 1863 nicht, dass ihr früherer Geliebter (oder als solcher benutzter) Elias ganz in der Nähe als Professor an der Universität lehrt.

Ob sie sich jemals wieder gesehen haben? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vor der beeindruckenden Kulisse der zu späterer Stunde in wundervolle Farben getauchten Burg bildet ein fiktives Gespräch der beiden einen wirkungsvollen Schlusspunkt. Wie auch Ansatzpunkte für „hätte, wäre, könnte“-Gedankenspiele, die die Waldmünchener auf der Heimfahrt noch diskutierten.

Weitere Aufführungen sind am 12., 13., 14. und 15. Juli sowie am 20./21./22. Juli, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter www.okticket.de.

Weitere Meldungen aus Waldmünchen finden Sie hier.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht