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Medien

Fernsehen muss heute flexibel sein

Nur noch Netflix und Co statt klassischem TV? MZ-Autor Felix Bruckner erklärt, was seine Generation vor den Bildschirm lockt.
Von Felix Bruckner

Lange sind die Zeiten vorbei, als Fernsehen nur am TV geschaut wurde. Neue Endgeräte und Techniken brachten auch neue Video-Angebote. Foto: Bruckner
Lange sind die Zeiten vorbei, als Fernsehen nur am TV geschaut wurde. Neue Endgeräte und Techniken brachten auch neue Video-Angebote. Foto: Bruckner

Cham.43 Prozent der Deutschen nutzten laut einer Goldmedia-Studie 2016 kostenpflichtige Video-on-Demand-Angebote (VoD). Bei diesen Online-Angeboten können Filme und Serien ganz flexibel nach dem eigenen Zeitplan angesehen werden. Sie werden auch Streamingdienste genannt.

Amazon Prime führt vor Netflix und Sky den Markt der VoD-Angebote an. Bei Amazon Prime kostet das Abo 7,99 Euro monatlich, für Studenten ist das erste Jahr gratis. Netflix bietet unterschiedliche Abo-Varianten ebenfalls ab 7,99 Euro an. In den letzten 30 Tagen waren die Serien „The Big Bang Theory“ und auf Platz zwei „The Walking Dead“ laut Goldmedia die beliebtesten VoD-Titel. Aber was ist so reizvoll am Streamen?

Viel mehr als eine Serie

„Wenn es mal an der Tür klingelt, kann ich einfach kurz auf Stopp klicken und danach weiterschauen.“ Für viele ist natürlich die Möglichkeit ausschlaggebend, zeitlich flexibel „fernzu sehen“ und an keinerlei Uhrzeiten gebunden zu sein. Hinzu kommt, dass man ganz nach seinen Interessen Videos ansehen kann und nicht an das Angebot des klassischen Fernsehens gebunden ist, das vielleicht nicht jeden Tag gleich interessant für einen ist. Außerdem umgeht man über die kostenpflichtigen Streaming-Portale Werbeunterbrechungen und hat es leichter, Serien und Filme auch im Originalton anzusehen. Das Angebot der Portale ändert sich zudem ständig, weil Lizenzen für bestimmte Inhalte ablaufen und so wieder neue Produktionen ins Angebot kommen – die Filme und Serien gehen einem also nicht aus.

Auch ein „sozialer Faktor“ kommt hinzu: Der 21-jährige Damian aus Schönthal schätzt die Kommentarfunktion im Internet. Man könne selbst am Meinungsaustausch zu den Videos teilnehmen, aber auch bloß die Beiträge anderer Leute lesen und so zum Beispiel sehen, wie sich diese den weiteren Verlauf einer Serie ausmalen.

Jugendliche sehen aber auch negative Aspekte: Durch die zeitliche Flexibilität kommt man schnell nicht mehr vom Bildschirm los. Hat man vor, nur eine Folge der Lieblingsserie zu schauen, ist die Handlung dann oft einfach doch zu spannend, um wieder aufzuhören. Im klassischen Fernsehen müsste man sich eben jetzt einfach eine Woche bis zur nächsten Folge gedulden…

Serien sind bei Jugendlichen besonders beliebt. Aber warum? Attraktiv macht sie vor allem das Mitfiebern mit den Protagonisten von einer Folge zur anderen und einer Staffel zur nächsten. Ein Film ist nach rund zwei Stunden einfach zu Ende.,

Lesen Sie hier: Filme, Sport und Musik ohne Grenzen: Verbraucher können künftig auch im EU-Ausland auf ihre Online-Abos zugreifen.

Ist der ganze Trend um Netflix und Amazon Prime aber so neu? Nicht unbedingt. Bereits seit Jahren werden Filme online geschaut… allerdings oft auf Grauzonenseiten, bei denen nicht ganz klar war, ob Strafe droht, wenn man beim Gratis-Streaming erwischt wird. 2017 aber brachte ein EU-Urteil Klarheit: Diese Seiten sind illegal. Seitdem sind wohl noch mehr Jugendliche auf die kostenpflichtigen VoD-Portale umgestiegen. Auch das Serien-Binge-Watching – so heißt es, wenn man bei einer Serie stundenlang eine Folge nach der anderen anschaut – ist unter Jugendlichen mittlerweile „normal“ und wird nicht mehr als komisch angesehen. Serien sind außerdem beliebte Gesprächsthemen: Man tauscht sich über seine Lieblingscharaktere aus, denkt darüber nach, wie es in der nächsten Staffel weitergeht und leidet gemeinsam, wenn gerade keine neuen Folgen verfügbar sind. Das heißt aber nicht, dass junge Erwachsene nur Serien mögen. Viele sehen sich auch gerne mit der Familie abends einen Spielfilm im „klassischen“ Fernsehen an und betrachten die VoD-Portale nur als Zusatzangebot, das sie manchmal nutzen.

Mediatheken kommen gut an

Junge Leute lassen sich also durchaus noch für herkömmliche Fernsehangebote begeistern: Viele greifen gerne auch auf die Mediatheken der TV-Sender zurück, in denen die Sendungen im Nachhinein online angesehen werden können. Das Angebot in den Mediatheken wird daher zunehmend ausgebaut und an jüngere Zielgruppen angepasst. Öffentlich-rechtliche Sender werden von Jugendlichen ganz unterschiedlich genutzt: Vielen sind sie weiterhin wichtig, weil sie ihnen glaubwürdig erschienen und auch, weil ihr Angebot sich immer stärker auf Jüngere ausrichtet.

ARD und ZDF haben mit „funk“ gemeinsam ein Online-Angebot speziell für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen geschaffen. Dort werden Serien und Dokus produziert, die nicht im klassischen Fernsehen ausgestrahlt werden und nur online verfügbar sind. Außerdem: Die Satire-Sendung Extra3, BR-Dokus von puls, die Woidboyz, Böhmermanns Neo Magazin Royale und viele andere bei jungen Leuten beliebte TV-Produktionen bieten Videos nicht nur in den etwas angestaubten Mediatheken an, sondern auch auf Youtube und Facebook, so dass man sie bequem auch spontan ansehen kann.

Fernsehen unter 30?

Micaela aus Neukirchen b. Hl. Blut
Micaela aus Neukirchen b. Hl. Blut

Micaela (21) aus Neukirchen b. Hl. Blut: „Ich nutze Amazon Prime… da ist viel Auswahl geboten und wegen des Studententarifs ist Amazon Prime besonders günstig. Auf unserem Familienfernseher schauen wir öfter gemeinsam Spielfilme oder auch Fußball über Sky. Aber auch das „klassische Fernsehen“ ist für mich weiterhin interessant, vor allem die Filme, die dort auch gesendet werden. Serien sehe ich mir zurzeit nicht an – bisher hat mich noch keine so wirklich gepackt und mir fehlt auch die Zeit dafür. Deswegen dann eher einzelne Filme – aktuell auch ganz gerne auf Englisch.“

Annabel aus Regensburg
Annabel aus Regensburg

Annabel (20) aus Regensburg: „Zu meinem Fernsehverhalten gibt es gar nicht so viel zu sagen. Ich habe nicht mal einen in meiner Wohnung! Bei mir läuft eigentlich nur Netflix oder Youtube. Das ist viel praktischer und ich kann immer das schauen, worauf ich Lust habe – egal wo und wann. Außerdem ist das Fernsehprogramm, wenn man mal ganz ehrlich ist, doch ziemlich beschränkt. Für die öffentlich-rechtlichen Sender bin ich nicht die richtige Zielgruppe und für Reality-TV ist mir meine Zeit zu schade. Und in dem seltenen Fall, dass man tatsächlich etwas Interessantes verpasst hat, kann man das ja jederzeit in der Mediathek nachholen.

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