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Flabeg-Insolvenz: 40 Kündigungen

Der Personalabbau sei für die Fortführung des Standorts in Furth im Wald „unumgänglich“, teilt der Insolvenzverwalter mit.

Der Hersteller für Gläser und Spiegel für die Automobilbranche Flabeg in Furth in Wald befindet sich seit Ende Mai in einem Insolvenzverfahren.
Der Hersteller für Gläser und Spiegel für die Automobilbranche Flabeg in Furth in Wald befindet sich seit Ende Mai in einem Insolvenzverfahren. Foto: Evi Paleczek

Furth im Wald.Der Verkaufsprozess für den insolventen Automobilzulieferer Flabeg hat begonnen. Dies teilte der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Rechtsanwalt Volker Böhm von Schultze & Braun, am heutigen Donnerstag mit. Wie Böhm berichtete, haben bereits rund 15 potenzielle Erwerber ihr Interesse an dem Premium-Hersteller für Gläser und Spiegel angemeldet.

Die beiden deutschen Gesellschaften „Flabeg Automotive Holding GmbH“ mit Sitz in Nürnberg und „Flabeg Deutschland GmbH“ in Furth im Wald hatten Mitte Mai Insolvenzantrag gestellt. Ursachen waren nach Angaben des Unternehmens die Umsatzverluste, die durch die allgemeine Absatzkrise in der Automobilbranche sowie durch den COVID-19-Lockdown verursacht worden waren. Bei der Flabeg-Gruppe sind weltweit rund 1100 Arbeitnehmer beschäftigt.

44 Flabeg-Mitarbeiter werden gekündigt

Voraussichtlich am 1. August 2020 werde das zuständige Insolvenzgericht in Nürnberg das Insolvenzverfahren eröffnen. Mit der Eröffnung des Verfahrens enden auch die Insolvenzgeldzahlungen. „Die Unternehmen müssen dann die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer wieder selbst bezahlen. Das aktuelle Umsatzniveau ist jedoch nicht ausreichend, um eine kostendeckende Fortführung der Geschäftsbetriebe im eröffneten Verfahren sicherzustellen“, teilt Christoph Möller, Pressesprecher des Insolvenzverwalters, mit.

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Böhm sei deshalb gezwungen, 44 Flabeg-Mitarbeitern zu kündigen. Der Großteil davon stamme aus der Belegschaft in Furth im Wald. Rund 40 Mitarbeiter seien hier von den Kündigungen betroffen, teilt Christoph Möller auf Rückfrage unseres Medienhauses mit. Damit blieben in den beiden deutschen Flabeg-Gesellschaften knapp 220 Arbeitsplätze erhalten, davon rund 25 in der „Flabeg Automotive Holding GmbH“ und rund 195 in der „Flabeg Deutschland GmbH“.

Mitarbeiter erhalten Zugang zum Mechatronik-Netzwerk

Nach Angaben des Insolvenzverwalters sei die Belegschaft am heutigen Donnerstag auf einer Betriebsversammlung über die Personalmaßnahmen informiert worden. Den Kündigungen seien Verhandlungen mit dem Betriebsrat vorausgegangen, um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan abzuschließen. „Ich bedauere diese Kündigungen sehr“, wird Volker Böhm in einer Pressemitteilung zitiert. „Sie sind allerdings unumgänglich, damit der Flabeg-Geschäftsbetrieb und der Produktionsstandort Furth im Wald auch nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren fortgeführt werden kann.“

„Ich bedauere diese Kündigungen sehr“

Volker Böhm, Insolvenzverwalter

Gemeinsam mit dem Landratsamt habe der Insolvenzverwalter zudem veranlasst, dass die betroffenen Mitarbeiter im Anschluss an die heutige Betriebsversammlung vor Ort in Furth im Wald durch Mitarbeiter der Arbeitsagentur persönlich betreut werden. Dort könnten sie auch gleich einen vereinfachten Lebenslauf abgeben. „Zudem erhalten die Mitarbeiter Zugang zum Mechatronik-Netzwerk des Landkreises, um nach neuen Anstellungen zu suchen“, lässt Pressesprecher Möller wissen.

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Geschäftsbetrieb wurde stabilisiert

Nach dem Insolvenzantrag sei es dem vorläufigen Insolvenzverwalter Böhm gemeinsam mit der Geschäftsführung schnell gelungen, den Geschäftsbetrieb von Flabeg zu stabilisieren und erste Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Der Geschäftsbetrieb sei während des vorläufigen Verfahrens in vollem Umfang fortgeführt worden.

Das gelte auch für die ausländischen Flabeg-Gesellschaften, die nach wie vor keinen Insolvenzantrag gestellt haben. Flabeg unterhält Produktionsstandorte u.a. in China, Frankreich und Brasilien und ist daher weltweit mit den Folgen der Corona-Pandemie konfrontiert. „Es ist aber in allen Ländern gelungen – auch unter solch schwierigen Rahmenbedingungen wie etwa in Brasilien –, die Produktion aufrechtzuerhalten“, unterstrich Volker Böhm. Er hob in diesem Zusammenhang das große Engagement der Flabeg-Arbeitnehmer im In- und Ausland während der vergangenen Wochen hervor.

Der Flabeg-Standort in Furth im Wald

  • Der Betrieb:

    Flabeg wurde 1882 gegründet und zählt weltweit zu den Markt- und Technologieführern für Außen- und Innenspiegelgläser, Display-Covergläser, Head up Display-Komponenten und Instrumentenglas. Das Unternehmen mit Sitz in Nürnberg erwirtschaftete zuletzt mit weltweit 1.100 Beschäftigten einen Jahresumsatz von mehr als 85 Millionen Euro.

Bestellungen wieder angestiegen

Die Auftragslage bei Flabeg habe sich während des vorläufigen Insolvenzverfahrens trotz des schwierigen Marktumfeldes positiv entwickelt. „Nach der deutlichen Delle infolge des Corona-Shutdowns sind die Bestellungen während der letzten Wochen wieder angestiegen“, sagte Andreas Katzer, CEO der Flabeg Automotive Holding. „Es ist spürbar, dass die Automobil-Konjunktur an Fahrt gewinnt.“ Zudem werde Flabeg von den Kunden weiterhin bei Ausschreibungen berücksichtigt. „Dies zeigt, dass die Kunden an Flabeg als Partner festhalten wollen“, ergänzte Böhm. „Zudem ist dies ein wichtiges Signal für den laufenden Verkaufsprozess.“

Böhm hatte bereits im vorläufigen Verfahren einen strukturierten Investorenprozess eingeleitet, teilt Pressesprecher Christoph Möller mit. Inzwischen hätten rund 15 nationale und internationale Investoren ihr Interesse bekundet. Darunter seien sowohl strategische Investoren als auch Finanzinvestoren. Diese hätten bereits mit der Prüfung der Unternehmensunterlagen begonnen und müssten anschließend indikative Kaufangebote abgeben. „Aufgrund gegenseitiger Verschwiegenheitserklärungen können jedoch keine Detailinformationen über die Bieter oder zum Verlauf des Investorenprozesses an die Öffentlichkeit gegeben werden“, erklärt Möller.

Wann mit einem Ergebnis der Investorenverhandlungen zu rechnen ist, lässt sich nach Einschätzung des Pressesprechers aktuell nicht sagen. Ziel sei es, bei den Verhandlungen ein gutes Ergebnis zu erzielen, nicht ein schnelles Ergebnis.

Chams Landrat Franz Löffler äußerte sich noch am Donnerstagmittag kurz nach Bekanntwerden der Unternehmensentscheidung: „Der im Mai bekannt gewordene Insolvenzantrag für die Firma Flabeg traf uns alle überraschend. Ich habe sofort mit dem Unternehmen und dem vorläufigen Insolvenzverwalter Kontakt aufgenommen, der die Sanierung des Unternehmens zum Ziel hatte. Die aktuelle Nachricht, dass 44 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten, ist sehr bitter - für die Betroffenen und die gesamte Region. Angesichts der Befürchtungen im Mai, dass aufgrund der Insolvenz rund 260 Arbeitsplätze bedroht sind, bin ich aber froh, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist.“

Der Landkreis habe mit dem Unternehmen Vereinbarungen getroffen, dass der Landkreis ergänzend zur Agentur für Arbeit die betroffenen Mitarbeiter bei der Stellensuche unterstützen werde, indem er die Kontakte der Landkreis-Wirtschaftsförderung zu den Unternehmen in der Region nutze. Dazu gehöre es auch, interessierten Mitarbeitern Möglichkeiten der Weiterqualifizierung für eine neue Arbeitsstelle aufzuzeigen, so Löffler.

Die betroffenen Arbeitnehmer könnten sicher sein, dass Landrat Löffler sich von Seiten des Landkreises für sie einsetzen werde: „Meine Mitarbeiter und ich stehen in engem Kontakt mit der Unternehmensleitung und der Personalabteilung. Hierbei geht es zum einen um die bestmögliche Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, bei der Qualifizierung und natürlich auch um den Fortbestand des Traditionsunternehmens und die verbleibenden 220 Arbeitsplätze.“ (gm)

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