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Diskussion

Fotovoltaikanlagen gefährden Feuerwehr

Einsätze wie beim Brand der „Mooshütte“ in Lohberg werden durch die Anlagen erschwert. Kreisbrandrat Johann Weber sucht Lösungen.
Von Christoph Klöckner

Die Mooshütte von oben: der Brand wütete und die Solaranlage behinderte den Löscheinsatz.

Landkreis. Die Feuerwehren müssen sich dem Fortschritt anpassen. Das ist für Kreisbrandrat Johann Weber selbstverständlich. Dennoch betonte er diese Grundlage gestern bei der Bürgermeisterversammlung des Kreisgemeindetages im Landschulheim in Gleißenberg vor seinem Referat zum Thema „Fotovoltaik – Lebensgefahr für Feuerwehrkräfte?“. Schaut man auf Neuerungen etwa bei Autos, wie den Airbag, so ist die Feuerwehr hier auf der Höhe der Zeit. Bei der Fotovoltaik ist dies noch nicht der Fall, so Weber. Obwohl es bereits drei Einsätze gab, bei denen das Thema eine Rolle spielte. In Roding beim Brand der Biogasanlage, in Hohenwarth und zuletzt in Lohberg beim Feuer in dem Hotel Mooshütte vor wenigen Tagen bereiteten Fotovoltaikanlagen den Helfern Schwierigkeiten bei den Löschversuchen.

Kennzeichnung wäre gut

Es gebe einige Probleme mit solchen Anlagen im Zusammenhang mit Feuer, so Johann Weber. Zum einen gebe es bis heute keine technischen Regeln für solche Anlagen, außerdem fehle weiterhin eine Genehmigungspflicht. Er monierte außerdem eine Kennzeichnungspflicht, die nötig sei. Bei dem Brand der Biogasanlage etwa habe die Feuerwehr nicht gewusst, dass das ganze Dach mit Fotovoltaik belegt war. Das Gebäude sei einfach zu hoch gewesen, so Weber: „Erst als das Dach zusammenbrach, haben wir das gesehen.“ Hier hätte womöglich eine Kennzeichnung am Gebäude helfen können.

Trennschalter, um die Anlagen abzuschalten, seien nur von Vorteil, wenn es einen Brand im Wechselrichter gebe. Der jüngste Brand der Mooshütte habe ein anderes Problem deutlich sichtbar gemacht. Das Feuer sei nur schwer erreichbar gewesen, weil das Dach zum einen mit Blech und zum anderen mit Fotovoltaik-Paneelen belegt gewesen sei. Es habe keine oder nur unzureichende Brandwände gegeben, weshalb sich das Feuer schnell verbreitet habe. „Bei so etwas können wir auch keine Wunder bewirken“, so Weber. Der zunehmende Hitzestau unter dem Dach habe die Feuerwehr machtlos gemacht. „Außerdem mussten wir Abstand halten“, so Weber.

Innenangriff schwierig

Denn mit den Fotovoltaikanlagen als Zusatzgewicht bricht ein Dachstuhl schneller zusammen. Das erschwere den Innenangriff. Glas und andere Teile der erhitzten Anlagen fallen vom Dach, wenn sie bei Wasserkontakt zerbersten. Entstehen könnten auch toxische Gase, der Brand könne sich zudem unter den Paneelen fortsetzen.

Und – ebenfalls nicht ungefährlich für die Helfer – es läuft elektrischer Strom durch die Anlage. Mit 1000 Volt müsse man rechnen, was bei einem Vollstrahl Wasser einen Abstand von fünf Metern erfordere. Unterschreite man den Abstand, könne es einen gefährlichen Lichtbogen durch den Strom geben.

Manche Firmen hätten bereits Bekämpfungsmöglichkeiten bei Fotovoltaik-Bränden für Feuerwehren im Angebot, wie etwa Schaum oder spezielle Abdeckmasse. „Das ist zwecklos“, rät Weber den Bürgermeistern ab, so etwas anzuschaffen. Diese Dinge seien Verkaufsschlager, würden aber in der Praxis nichts bringen.

Schäden größer, Wirkung geringer

Johann Weber regte an, in ortsgebundenen Einsatzplänen für die Feuerwehren auf Fotovoltaikanlagen aufmerksam zu machen. Bereits verteilt worden sei an alle Wehren eine Checkliste, worauf zu achten sei, wenn man auf Fotovoltaikanlagen treffe. Zudem müsse man die Feuerwehren verstärkt schulen. Pauschal könne man das Fazit ziehen, dass dort, wo Feuer mit Fotovoltaikanlagen ausbrechen, der Schaden und der Aufwand beim Löschen immer größer ist. Dazu sei die Wirkung der Einsätze immer geringer.

Der Gemeindetags-Kreisvorsitzende und Bürgermeister der Gemeinde Wald, Hugo Bauer, betonte, es sei zwar grundsätzlich gut, dass mit der Leitstellen-Alarmierung Gemeindegrenzen keine Rolle mehr spielen würden. Doch kämen dadurch auch Helfer zu den Einsätzen, die sich nicht so auskennen würden. Gerade bei der Fotovoltaik spiele Ortskenntnis eine große Rolle.

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