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Mythen

Frau Percht und die unschuldigen Kinder

In der Rauhnacht am 28. Dezember ist laut Christl Fischers Sagen die Seelenmutter unterwegs. Früher bekam sie eine Suppe.
Von Christl Fischer

Die Rauhnächte sind auch die Nächte der Perchten; in vielen Gegenden Bayerns wird an die alten Sagen erinnert. Foto: Andreas Ellinger/dpa/lby
Die Rauhnächte sind auch die Nächte der Perchten; in vielen Gegenden Bayerns wird an die alten Sagen erinnert. Foto: Andreas Ellinger/dpa/lby

Furth im Wald.Vier Tage nach Weihnachten haben wir schon wieder die nächste Rauhnacht. Am 28. Dezember feiert die Kirche den „Tag der unschuldigen Kinder“. An diesem Tag gedenkt man allen Burschen, die nicht älter als zwei Jahre alt geworden sind. Denn König Herodes ließ nach der Geburt Christi alle Jungen von null bis zwei Jahre töten. Er dachte, dass das Jesulein bestimmt darunter wäre. Herodes hätte keinen anderen Herrscher außer sich selber geduldet. Das war damals ein bestialisches Gemetzel, die Soldaten von Herodes entrissen den Müttern die Kinder und ließen sie grausam töten.

Jener Kindermord ist sogar biblisch belegt. Jahre später hörten die Mütter unter erheblichen psychischen Störungen noch das Wehklagen der Kinder.

Eine Schüssel mit Suppe

Deshalb feiert auch die Kirche den 28. Dezember als den Tag der unschuldigen Kinder. In jener Nacht wird allen verstorbenen Kindern gedacht. Man glaubte, es würden nicht nur die unschuldigen Kindlein, sondern alle verstorbenen Kinder umgehen, angeführt werden jene von der Seelenmutter Percht.

In vielen Gegenden Bayerns stellten die Hausleute früher in der Nacht zum 28. Dezember eine Schüssel mit Suppe vor die Türe, manche deckten auch den Tisch zu Hause sehr hübsch, mussten aber dann die Stube verlassen, da die Frau Percht sonst nicht ins Haus kommen würde. Dies wurde gemacht, weil man glaubte, die Seelen der ermordeten Kinder würden im Schutz der Dunkelheit und in Begleitung der Frau Percht umgehen. Als Seelenmutter zog sie mit ihnen durch die Lande. Dabei nahm sie ihre anvertrauten Schützlinge liebevoll unter ihren Mantel.

Nach altem Volksglauben gibt es Gestalten wie Frau Percht und die Hoberngoaß. Foto: Pps/ZUMA Wire/dpa
Nach altem Volksglauben gibt es Gestalten wie Frau Percht und die Hoberngoaß. Foto: Pps/ZUMA Wire/dpa

An den Häusern, an denen sie vorbei zogen, machte sich der Zug durch Wimmern und Klopfen bemerkbar. Sie gingen vor die Haustüre oder aber auch in die Stube und schlürften das Süppchen als Wegzehrung leer. Aber wehe dem, der heimlich lauschte, dem war die Percht nicht gut gesonnen. Diese Person wurde nicht selten mit dem Verlust des Augenlichts bestraft. Man musste ein ganzes Jahr warten, wieder bis zum 28. Dezember, dann bekam man sein Augenlicht zurück. Heutzutage wird auch in der Kirche allen verstorbenen Kindern gedacht, das heißt, den ungetauften, den ermordeten und den abgetriebenen Kindern. Man erkennt also deutlich, dass die Vorboten der Rauhnächte alle einen christlichen Hintergrund haben.

Die Hoberngoaß

In den Rauhnächten von 1. November bis 6. Januar treiben noch unzählige weitere wilde Gestalten ihr Unwesen. Wer sich da nicht zu schützen weiß, dem kann dies teuer zu stehen kommen.

Mitunter zu den gefürchtetsten Gestalten gehört die Hoberngoaß. Sie wird als Ziege mit riesigem Maul, langem Bart und glühenden Augen beschrieben. Sie hat zwei Hinterbeine, aber nur ein Vorderbein. Laut einer alten Sage ist sie das Haustier der Perchten, aber sie ist viel stärker als jeder Percht oder Krampus. Wenn man eine Hoberngoaß sieht, so sagte man früher, galt dies als schlechtes Omen. Auf ihrem Rücken trägt sie einen Korb, der geflochten ist, man sagt, dass sie damit die bösen Kinder fortträgt.

Jene Rauhnachtsfigur ist gut zwei Meter groß und von furchteinflößendem Aussehen. Sie trägt ein Gewand aus schwarzem oder weißem Fell, mancherorts wurde sie auch im Federkleid gesichtet, je nach Gegend ist es rot oder gelb. Ihr Meckern klingt immer erschreckend. Es wird ihr sogar nachgesagt, dass sie den Bauern und dem Vieh das Blut aus den Adern saugt.

Sagenhaftes Bayern

  • Quelle:

    Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Sagenhaftes Bayern, Band 1: Mystische Geschichten über Druden, Belzebuben und Nebelgeister“. Es ist das Debütwerk von Autorin Christl Fischer aus Ränkam, das im Jahr 2017 erschienen ist und sich mit alten Bräuchen und schaurigen Gestalten aus dem bayerischen Brauchtum beschäftigt.

  • Fortsetzung:

    In diesem Jahr veröffentlichte Christl Fischer ihr zweites Buch mit dem Titel „Sagenhaftes Bayern: Band 2: Wahre gruselige Geschichten über verdammte Seelen, weiße Frauen und Hexen“. Im kommenden Jahr plant Fischer die Veröffentlichung eines Märchenbuchs. „Auch schlummern in meinem PC noch mehr Geschichten für weitere Sagenbände“, sagt Fischer.

Die Hoberngoaß ist sogar bei der wilden Jagd dabei. Sie narrt auch gerne einsame Wanderer des Nachts mit einem hässlichen Gemecker, einem kreischenden Gelächter oder gar einem teuflischen Gelächter und Fauchen. Kinder, die gerne Tiere quälen, fluchenden Menschen und faulen Mägden tut sie nichts Gutes. Außerdem tritt sie als Korngeist auf, deshalb wird ihr Name auch mit dem Hafer in Verbindung gebracht. Zudem ist sie als teuflischer Säugetier-Vogel unverwundbar, früher sagte man ihr nach, dass sie ein Totenvogel sei, da jene Gestalt gerne Todesfälle ankündigte.

So entstand der Glaube

Der Glaube an die Hoberngoaß entstand vermutlich, als ängstliche Menschen die unheimlichen Schreie von Nachtvögeln hörten. Die Hoberngoaß klingt eher wie eine Eule, aber dazwischen meckert sie auch wie eine Ziege.

Früher glaubte man, wenn Buben einer vorehelichen Verbindung entstammten, würden sie im Alter eine Hoberngoaß werden. Die weiblichen Nachkommen aus derartigen sündigen Vereinigungen wurden zu einer Drud. Andere aber, so glaubte man früher, würden sogar zu Werwölfen werden.

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