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Region Cham
Sonntag, 23. September 2018 23° 7

Aktion

Freche Flächen & Bunte Meter

Stadt, LBV und Naturschützer wollen Bürger ins Nachhaltigkeits-Boot holen. Bürger informierten sich bei einer Exkursion.
von Johann Gruber

Elfriede Kellnhofer, Monika Kerner und Stefan Ege (v. l.) zeigen die Schilder, die Verständnis für Blühüberstandsflächen wecken sollen. Foto: Gruber
Elfriede Kellnhofer, Monika Kerner und Stefan Ege (v. l.) zeigen die Schilder, die Verständnis für Blühüberstandsflächen wecken sollen. Foto: Gruber

Furth im Wald.Immer mehr Städte und Gemeinden setzen ein positives Zeichen zur naturnahen Gestaltung ihrer Grünflächen. Sie beweisen damit Mut, Teile ihrer Grünanlagen nicht zu mähen und ausblühen zu lassen, denn nur so besteht in Wiesen und Wegrändern die Chance, dass sich Samen ausbilden. Der selten gewordene Stieglitz, ein sehr hübscher bunter Vogel, lebt ausschließlich von Sämereien.

In Kooperation mit der LBV-Kreisgruppe Cham startet das Städtische Kulturamt in Furth im Wald die Aktion „Freche Fläche“, bei der Stadtgärtner Stefan Ege und seine Kollegen vom Further Bauhof in diesem Frühjahr innerstädtische Rasenflächen in blühende Brachen mit Wildkräutern und -stauden umwandeln und damit wieder Lebensraum für blühende Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Kleinlebewesen schaffen.

Rund ums Reinhold-Macho-Haus

Im Zuge der Further Grünen Woche fand eine Exkursion auf den Grünanlagen rund um das Bürgermeister-Reinhold-Macho-Haus (Tagungszentrum ATT) statt, bei der das Konzept für die „Frechen Flächen“ in Furth vorgestellt wurde. Elfriede Kellnhofer vom Städtischen Kulturamt konnte dazu einige interessierte Bürger, darunter die Vorsitzende des Vereins Stadtbild, Ruth Fischer, begrüßen, ebenso Monika Kerner, Mitarbeiterin im LBV-Zentrum Mensch & Natur in Nößwartling, und Stadtgärtner Stefan Ege als Referenten.

Viele Restlebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel sind durch Bebauung oder Planierung verloren gegangen. Darauf wies Ege eingangs hin. Dazu komme der Rückbau vieler Randstreifen in der Landwirtschaft. Und auch in vielen privaten Hausgärten würden ¨–- oft mit viel Geld – solche wertvollen Lebensräume aus optischen Gründen „sauber“ vernichtet. Deshalb sei ein Umdenken erforderlich, betonte der Stadtgärtner. Er freue sich schon auf die zumindest teilweise Umwandlung von städtischem Grün in Blühflächen und -streifen, die nicht mehr oder maximal einmal nach dem Ausblühen gemäht werden dürfen.

Ege zeigte den Teilnehmern verschiedene Flächen rund um den japanischen Garten auf, die schon jetzt naturbelassen geblieben sind. Sein Engagement bei der Pflege des Gartens habe ihm schon eine Einladung nach Japan eingebracht, merkte er an. Über das ihm im Land der aufgehenden Sonne gemachte Kompliment, dass der Japanische Garten in Furth einer der schönsten außerhalb Japans sei, habe er sich sehr gefreut.

Beginnend am Japanischen Garten sei die Wiese zwischen Chamb und Schwanenteich auf einer Länge von etwa hundert Metern in Richtung Zipperersteg als „Freche Fläche“ eingeplant. Bunte Aktions-Schilder weisen die „Frechen Flächen“ als nachhaltig angelegte Blühüberstandsflächen für Stieglitz & Co. aus. Aber nicht nur Stieglitz und Co., sondern auch viele andere Tiere, vor allem Insekten, brauchen diese artenreichen Flächen, betonte auch die LBV-Mitarbeiterin Monika Kerner. Früher gab es sie überall, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich, aber in den letzten Jahrzehnten wurden sie mit der intensiven Nutzung der Flächen immer weniger. „Wir haben die Möglichkeit, den Bewohnern dieser Lebensräume verhältnismäßig unkompliziert und günstig wieder ein Zuhause zu geben. Als Saumbewohner brauchen sie nicht zwingend große Flächen, sondern kommen auch mit vielen kleinen Flächen gut aus, die man häufig in Gärten und an Straßen, Wegrändern und Verkehrsinseln findet“, so Kerner.

Die Nachhaltigkeitsaktion der Stadt solle auch private Gartenbesitzer dazu animieren, ein bisschen Mut für Vielfalt und Wildnis zu wagen und auf ihren Grünflächen zumindest ein paar Meter in ebensolche Blühflächen umzuwandeln, die nicht oder nur nach dem Ausblühen gemäht werden, hofft Kerner. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) haben dazu die inhaltlich dem städtischen Further Freche-Flächen-Projekt gleiche Aktion „Bunte Meter“ im Angebot und rufen naturbegeisterte Bürger dazu auf, solche Flächen in ihren Gärten anzumelden (www.lbv.de/mitmachen/fuer-einsteiger/bunte-meter-melden/ ).

„Bunte Meter“ sind alle Flächen im Siedlungsraum oder der Agrarlandschaft, die reich an Wildkräutern und -stauden sind oder werden, zum Beispiel: wilde Ecken im eigenen Garten, Ackerrandstreifen, Uferstreifen, Wegraine und Straßenbegleitgrün, DorfRanger, landwirtschaftliche und städtische Brachflächen.

469 573 „Bunte Meter“

Die „Bunten Meter“ sollen höchstens einmal pro Jahr gemäht und von anwachsenden Sträuchern oder Bäumen befreit werden. Außerdem dürfen diese Flächen nicht gedüngt oder mit Pestiziden belastet werden. Auch müssen sie nicht streifenförmig, sondern können auch flächig sein. Für die Statistik wird die Größe der Fläche anhand ihrer Länge und Breite notiert. Der aktuelle Stand für Stieglitz & Co. belief sich am 26. März um 19.46 Uhr laut Kerner auf 469 573 „Bunte Meter“.

„Bunte Meter“ dürfen ganz individuell gestaltet werden. Mit Stauden und Kräutern kann man den Speisetisch für Vögel decken und gleichzeitig farbenfrohe Akzente setzen. LBV und NABU haben eine Auswahl von Pflanzen zusammengestellt, die vom Stieglitz und seinen Artgenossen bevorzugt werden und dazu hübsch anzusehen sind: Acker-Kratzdistel, Acker-Witwenblume, Echte Katzenminze, Echtes Mädesüß, Floh-Knöterich, Gänseblümchen, Gemeine Scharfgarbe, Gewöhnliche Kratzdistel, Gewöhnlicher Teufelsabbiss, Gewöhnliches Bitterkraut, Gewöhnliches Ferkelkraut, Gewöhnliches Knäuelgras, Klatschmohn, Kornblume, Krauser Ampfer, Rot-Klee, Vergissmeinnicht, Wegwarte, Wiesen-Bocksbart, Wiesen-Flockenblume, Wiesen-Sauerampfer, Wilde Karde, Wolliges Honiggras.

Zum Schluss gab es für die Teilnehmer vom LBV Infomaterialien und ein Tütchen mit der Saatmischung „Insektenweide – blühende Landschaft“ für Wildbienen und Schmetterlinge.

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