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Handwerk

Freude am Drechseln entdeckt

Christoph Dengler fertigt in seiner Werkstatt Unikate an. Mit den Schreibgeräten hält er dabei stets ein „greifbares Resultat“ in Händen.
Von Rupert schlecht

  • Christoph Dengler stellt Stifte her, die es so nur einmal gibt. Das liegt an den gedrechselten Teilen, die er in seiner Werkstatt aus Holz beziehungsweise zuweilen auch aus Horn herstellt. Fotos: R. Schlecht
  • Für sichtbare Kontraste „behandelt“ er die Stücke mit Naturöl.
  • Der 38-Jährige verbringtviel und gerne Zeit an seiner Drehbank.
  • Mit dem Drechseleisen „rückt“ der Handwerker dem Holz „zu Leibe“.

Rettenbach.So flink wie Christoph Dengler ein fingerlanges Holzstück in die Drehbank einspannt, kommt der, der ihm über die Schulter guckt, kaum mit dem Schauen nach. Flugs bringt Dengler seine Maschine per Knopfdruck zum Rotieren, ehe er anfängt, mit einem Drechseleisen das Holz zu bearbeiten. Während die Späne fliegen, denkt sich der Beobachter seinen Teil: Denglers Werkstück wird geglättet und gewölbt. Was geschickt, feinfühlig und im besten Sinne spielerisch erscheint, will aber gelernt sein.

Refugium befindet sich im Keller

Dengler stammt aus Falkenstein. Er ist studierter Diplomwirtschaftsinformatiker und hat in seinem Berufsleben schon jede Menge Arbeiten verrichtet, etwa in Cham als Filialleiter bei Kappenberger+Braun. Derzeit verdient der 38-Jährige sein Geld als IT-Consultant in Regensburg. Mit Ehefrau Christine und Töchterchen Anni (ein halbes Jahr) bewohnt er ein Haus in Rettenbach, in dessen Keller er sich mit seiner Werkstatt ein nach Holz duftendes Refugium eingerichtet hat. Und dessen Maschinenpark ist nach wie vor nach und nach am Wachsen. In einer Ecke stapeln sich Hölzer jeglicher Natur. Daraus drechselt Dengler Unikate, die er mit Bausätzen zu individuellen Schreibgeräten–z.B. Füller–zusammensetzt.

Es gibt Wichtigeres im Leben...

Gerade kehrt er aus dem Keller ins Wohnzimmer zurück. Darin macht es sich Anni auf dem Arm von Mama Christine gemütlich. Frühlingssonne flutet durchs Fenster. Dazu lächelt Anni ihren Vater an. Ist doch keine Frage... – Seine zwei Frauen sind das wichtigste und liebste im Leben. Doch dann (Dengler lächelt) kommt alsbald das Drechseln. Ist er in seiner Freizeit an der Drehbank zugange, vergehen die Stunden wie im Flug. Oft, sagt er, bekommt er gar nicht mit, wie lang er schon mit Drechseln beschäftigt ist– ein untrügliches Zeichen dafür, etwas Sinnvolles zu machen...

Bei Drexler in die Lehre gegangen

Das Drechseln–weiland eine alte Handwerksmeisterkunst, heute wohl eher eine vom Aussterben bedrohte Fertigkeit– hat er sich gewissermaßen selber beigebracht. Nun, das wäre ein wenig geflunkert. Denn dank Ehefrau Christine, die ihm vor geraumer Zeit einen Kurs geschenkt hat, ist der 38-Jährige bei Alois Drexler in Arrach bei Lam vorstellig geworden. Drexler–über 80–drechselt von klein auf. Der Profi aus Arrach hat seinem „Lehrling“ aus Rettenbach die ersten Kniffe beigebracht. Dengler resümiert: „Die anfängliche Scheu vor der Maschine habe ich bald verloren.“ Ja, er findet es vom Feinsten, unter die Drechsler gegangen zu sein. Im Handwerk hat er jene Tätigkeit für sich entdeckt, die ihm lange vorher als Ausgleich zum Beruf vorgeschwebt ist.

Ein greifbares Resultat in Händen

Seither hat Dengler ausgiebig mit Formen und Materialien experimentiert. Sogar spezialisiert hat er sich, und zwar auf Schreibgeräte. Inzwischen können sich die von ihm hergestellten Produkte wahrlich sehen lassen. „Die tiefe Befriedigung nach Stunden in der Bastelwerkstatt entsteht dadurch, dass man am Ende des Tages ein greifbares Resultat in Händen hält“–für Dengler ist’s ein Erlebnis, „dass einem gerade in kaufmännischen Berufen zumeist verwehrt bleibt“. Ferner erübrigt sich in vielen Fällen die Frage, was man Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern schenken könnte. „Sie bekommen natürlich extra für sie angefertigte Schreibgeräte–oft mit Bezug zu ihren Hobbys oder zum Beruf.“

Wenn er drechselt, verlässt sich Dengler auch auf seine Inspiration. Für Dengler liegt der Reiz darin, die Stifte ganz individuell an den späteren Besitzer anzupassen. Die größte Freude macht es ihm dabei, wenn er Material benutzen kann, zu dem der Beschenkte oder Auftraggeber einen speziellen Bezug hat. „Sei es ein Füller aus dem Holz eines uralten Nussbaums für einen Kollegen, der während seiner Kindheit auf eben diesem Baum herumgekraxelt ist, oder der Drehkugelschreiber für einen Studenten aus dem Eichenholz vom Schreibtisch seines Großvaters, der sich von diesem leider aus Platzgründen trennen musste.“ Das Holz–zumindest ein Stück davon–bleibt „fassbar“ als Element im Leben des Stiftebesitzers.

Neben Holz verwendet Dengler auch Reh-, Hirsch- und Büffelhörner. Diese Materialien sind zwar schwer zu verarbeiten, lassen aber „sehr erstaunliche Schönheiten“ entstehen. Die Kreativität teilt sich Dengler mit seiner Gattin. Diese ist nämlich Fachlehrerin für Handarbeit und hat bereits des Öfteren passende Etuis aus Filz, Leder oder Alcantara angefertigt.

Unglaublich schöne Zeichnungen

Die Schreiber-Bausätze bezieht er in erster Linie von einem Spezialversender für Drechselzubehör. „Ein handgefertigter Kugelschreiber kann in einer Qualität hergestellt werden, dass er seinen Besitzer über viele Jahre begleiten kann und nur ab und an eine neue Mine braucht. So können ganze Generationen von Plastikschreibern eingespart werden. Auch ist es nicht immer exotisches Holz, dass schöne Ergebnisse entstehen lässt.“ Vor allem heimische Obstgehölze oder Wurzelstöcke können laut Dengler „unglaublich schöne Zeichnungen“ aufweisen. Kein Schreiber wird wie der andere. Unterdessen hat Dengler rund 200 fertige Unikate geschaffen, darunter jenen Stift, mit dem er und seine Frau voriges Jahr die Papiere für die Verehelichung unterschrieben haben.

Bevor Dengler das gedrechselte und mit Schleifpapier abgeschliffenen Stück Holz aus der Drehbank nimmt, lässt er die Maschine nach wie vor heftig rotieren. Währenddessen tupft er Naturöl auf ein Tuch und „behandelt“damit das Werkstück. Somit bringt er am Holz die Kontraste, sprich die Maserung, zur Geltung. Schließlich setzt er es mit dem Bausatz zum fertigen Stift zusammen.

In Facebook hat Dengler eine Seite, die seinen, wie er ihn getauft hat, „stiftsalon“ zum Inhalt hat. „Die Seite hat schon über 250 Fans, die die Entwicklung so mitverfolgen und mit Anregungen und Material auch mit beeinflussen.“ So mancher meldet sich bei Dengler, etwa, wenn es für einen Geschäftsfreund oder die Schwiegermutter ein spezielles Geschenk sein soll. Spätestens dann steht Dengler wieder an seiner Drehbank. Das geht mitunter so lange gut, bis Töchterchen Anni seine ganze Aufmerksamkeit fordert, zum Beispiel wenn sie gewickelt werden muss...

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