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Für die EU zieht Scherr von Tür zu Tür

Vor der Wahl wirbt der CSU-Kandidat bei den Bürgern im Landkreis Cham für ein starkes Europa. Glückskekse sollen helfen.
Von Tanja Fenzl

Auf beklebten Spielkarten bringt Matthias Scherr den Besuchern von Wahlveranstaltungen das Thema Europa nahe. Foto: tf
Auf beklebten Spielkarten bringt Matthias Scherr den Besuchern von Wahlveranstaltungen das Thema Europa nahe. Foto: tf

Cham.Ein Treffen mit dem Europakandidaten am Europatag, 9. Mai. So ein Zufall. Matthias Scherr, 23, kommt mit Europafahne zum Treffpunkt vor seiner ehemaligen Schule, dem Robert-Schuman-Gymnasium. Noch so ein passendes Bild: Schuman gilt schließlich als Gründervater der Europäischen Union. Scherr grinst. Im Zug von Regensburg nach Cham sind ihm die beiden Zusammenhänge in den Sinn gekommen. Ein gutes Zeichen. Scherr, der seit 2015 Volkswirtschaft und Mathematik studiert, vermittelt trotz seiner jungen Jahre überzeugend Lust auf Europa.

Dass er als Kandidat auf Platz 29 bei der Wahl am 26. Mai nicht den Hauch einer Chance auf den Einzug ins Parlament haben wird, stört den Politik-Youngster und JU-Kreisvorsitzenden nicht im Geringsten. Er will bei seinen Wahlkampf-Aktivitäten vor allem eins: Die Bürger überhaupt zum Wählen zu bringen. „Wir können doch Parteien wie der AfD nicht das Feld überlassen.“ Seine Angst: Wenn die Anhänger der CSU am Wahltag zu Hause bleiben, anti-europäische Parteien aber ihre Wähler mobilisieren können, werde das Wahlergebnis ein völlig falsches Bild auf die Kräfteverteilung im Land werfen. Scherr sagt, er sehe auch aus persönlichen Gründen viele Vorteile im europäischen Zusammenschluss. „Probleme wie die Klimaerwärmung oder Umweltschutz kann ein Land allein einfach nicht lösen.“ Kurz erwähnt er ein paar Punkte aus dem CSU-Wahlprogramm – Plastikverbot, Einhaltung der CO2-Ausstoß-Ziele, Stopp der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei – und vergisst auch nicht, die Rolle von Manfred Weber herauszuheben, die historische Chance, einen Bayern als EU-Kommissionspräsident zu sehen.

Brexit live

Am RSG hat Matthias Scherr sein Abitur gemacht. Foto: tf
Am RSG hat Matthias Scherr sein Abitur gemacht. Foto: tf

Scherr hat einen Blick fürs Wesentliche, und ein Faible für Bilder. Er erzählt gerne in Bildern, und er zeichnet sie gern auf. Thema Brexit: Während seines Studiums in Oxford im vergangenen Jahr hatte er die Austrittsdiskussionen und die Meinungen der verschiedenen Lager, Pro und Contra EU, hautnah mitbekommen. Er zieht einen Füllfederhalter aus der Tasche und zeichnet eine Skizze, um mit Winston Churchills Aussagen die britische Selbsteinschätzung aus der Geschichte heraus zu erklären. An der Uni freilich habe er eine Pro-Europa-Stimmung gespürt. „Aber die jungen Leute sind eben nicht zum wählen gegangen. Das ist dann leider auch Demokratie“, sagt er. „Wer Demokratie will, der muss bei jeder Wahl mitmachen, ob es um den Klassensprecher geht oder um Europa.“

Matthias Scherr

  • Vita:

    Matthias Scherr ist 23 Jahre alt und stammt aus Rötz. Der Landwirtssohn studiert Volkswirtschaftslehre und Mathematik an der OTH Regensburg. 2018 studierte er in Oxford. Er hat Praktika bei McKinsey, Goldman Sachs und der Europäischen Zentralbank sowie im Deutschen Bundestag abgeleistet und engagiert sich für das Projekt „projekt together“, das Menschen, die sich gesellschaftlich engagieren möchten, bei der Umsetzung ihrer sozialer Ideen unterstützt.

  • Politik:

    Seit März dieses Jahres ist Matthias Scherr Vorsitzender der Jungen Union im Landkreis Cham. Der Student ist auf Platz 29 der CSU-Liste zur Europawahl am 26. Mai. Über Europa sagt er: „Es ginge uns nicht so gut, wenn wir nicht in einem so starken Wirtschaftsraum leben würden.“ Ein großes Anliegen ist es ihm, die Bürger zum Wählen zu bewegen. „Wer Demokratie will, muss an jeder Wahl teilnehmen, ob es um Klassensprecher oder um Europa geht.“

Und so wird er die nächsten Wochen weiter damit verbringen, im Landkreis die CSU-Ortsvorsitzenden anzurufen, sie um Mithilfe zu bitten, und von Tür zu Tür zu gehen und die Bürger darum zu bitten, am 26. Mai nicht zu Hause zu bleiben, sondern den Weg ins Wahllokal zu finden. Wenn sie dann auch noch CSU wählen, umso besser“, sagt Scherr. Wichtig sei aber erst einmal, dass die Wahlbeteiligung höher sei als beim letzten Mal. 2014 lag sie bei nur knapp 33 Prozent im Landkreis. Bei Wahlveranstaltungen verteilt Scherr gerne mal Spielkarten, auf die er handgeschriebene Informationen zu Europa klebt. Denn, so erklärt der Landwirtssohn vom Schellhof bei Rötz, gerade im Landkreis sei der Vorteil einer Gemeinschaft wie der europäischen Union greifbar. „Von der EU kann man nämlich sogar runterbeißen“, bekräftigt der 23-Jährige. Die Fast-Vollbeschäftigung und die Tastsache, dass es den meisten Chamern wirtschaftlich unglaublich gut gehe, sei eine direkte Folge des starken Wirtschaftsraums Europa. „Fünfzig Prozent des Wohlstands im Landkreis Cham sind untrennbar mit Dingen des gemeinsamen Marktes verbunden.“

Den Nutzen Europas erkennen

Die CSU kämpft auch um Wählerstimmen für ihren Spitzenkandidaten Manfred Weber. Foto: tf
Die CSU kämpft auch um Wählerstimmen für ihren Spitzenkandidaten Manfred Weber. Foto: tf

Und gerade im ländlich geprägten Raum profitierten auch die Landwirte von der EU. Da kennt Scherr, der am Hof seinem Vater bei diversen Anträgen auf Agrarförderungen hilft, sich aus.

„Natürlich geht’s immer noch besser“, sagt Scherr, und erwähnt das Entbürokratisierungskonzept, das Manfred Weber sich auf die Fahne geschrieben hat. Alles soll auf den Prüfstand. „Europa soll nur regeln, was nicht auf niedrigerer Ebene geregelt werden kann.“ Das Problem, sagt Scherr, sei das Image von Europa. Negatives werde sehr schnell aufgegriffen, das Positive zu selten registriert. Beispiel: „Die Gurkenregelung“, seufzt der Student. Vorteile, wie beispielsweise die Tatsache, dass rund 4000 tschechische Bürger im Landkreis Cham arbeiten und den Unternehmen dabei helfen, überhaupt zu funktionieren, würden zu selten gesehen.

Politik

Die wichtigsten Fragen zur Europawahl

Bis zur Europawahl sind es nur noch einige Tage. Alles Wissenswerte rund um den Urnengang am 26. Mai.

Nach der Europawahl wird Scherr sich seiner Doktorarbeit zuwenden. Und danach? Ein paar Jahre an der Uni, vielleicht eine Firma gründen an der Schnittstelle von IT zu Wirtschaft, ein noch stärkeres Engagement in der Kommunalpolitik. Erst einmal wird er aber mit seiner Mama Glückskekse backen, als Werbegadget zur Europawahl. Europa fängt beim Kleinen an.

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