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Region Cham
Montag, 23. Juli 2018 26° 8

Denkmal

Funkstille bei Chamer Altstadtfreunden

Historiker-Student Florian Gruber kämpft gegen den Abriss des alten Stadtschlosses –ein Wespenstich in sein Vereinsnest.
Von Ernst Fischer

Florian Gruber vor dem alten Stadtschloss, um das er kämpfen will. Bei den Altstadtfreunden hat er sich damit nicht unbedingt Freunde geschaffen. Foto: Gruber
Florian Gruber vor dem alten Stadtschloss, um das er kämpfen will. Bei den Altstadtfreunden hat er sich damit nicht unbedingt Freunde geschaffen. Foto: Gruber

Cham.Es ist jetzt genau 276 Jahre her: 1742 war es, im Österreichischen Erbfolgekrieg, da haben die Trenck’schen Panduren die Stadt Cham geplündert und niedergebrannt. Florian Gruber erinnert an diese dunkle Stunde der Stadtgeschichte. Und er sagt dazu: „Heute steht kein Trenck vor’m Tor, …sondern das Desinteresse!“

Was ist sie uns wert, diese Stadt, die unsere Vorfahren in Jahrhunderten gebaut haben? Altstadtfreunde, so nennen sich die heute rund 120 Chamer, die sich das Interesse an dieser Frage in ihre Vereinssatzung geschrieben haben. Und ältere Chamer erinnern sich noch: Wenn Leute vom Schlage eines Dr. Wolfgang Schoyerer in der Gründerphase der Altstadtfreunde nicht auch mal selbst eine Schaufel in die Hand genommen hätten, dann wären das Cordonhaus oder das frühere Armenhaus nicht zu neuen Kulturtempeln dieser Stadt restauriert worden.

Aber jetzt? Es geht ein Riss durch diese Gemeinschaft. Schon vor zwei Jahren hatte es eine erste Schlagzeile gegeben: „Personalie spaltet Chams Altstadtfreunde“. Jetzt wieder. Und immer war ein Name Stein des Anstoßes: Florian Gruber.

Der Vorwurf: „ein Alleingang“

Vor zwei Jahren wurde er als Beisitzer in den Vorstand der Altstadtfreunde gewählt. Worauf die bisherigen Vorstandsmitglieder Frank Aumeier und Karla Suchy aus Protest ihren Rücktritt ankündigten. Hintergrund: Florian Gruber hatte sich mit diversen öffentlichen Aktionen für den Erhalt des Maristen-Studienheimes stark gemacht. Vor allem Aumeier sah dadurch den Bau einer neuen Realschule behindert.

Am vergangenen Wochenende waren wieder Neuwahlen. Florian Gruber war nicht erschienen. Und er wurde auch nicht als Beisitzer vorgeschlagen. Die Vorsitzende Renate Blochberger erklärte in der Versammlung, ohne Namen zu nennen: Verschiedene Personen hätten sich öffentlich für den Erhalt der alten Weißbier-Brauerei am Biertor stark gemacht, und zwar im Namen der Altstadtfreunde. Das wies sie zurück. Solche Aktionen seien nicht mit der Vorstandschaft der Altstadtfreunde abgesprochen.

Und sie sind auch nicht in ihrem Sinne. Renate Blochberger sagt auf unsere Nachfrage: „Das hat mit uns überhaupt nichts zu tun. Florian Gruber macht gern Alleingänge mit dem Kopf durch die Wand. Er hat sich da ein paar Studenten hergeholt und mit der Presse ein großes Remmidemmi aufgezogen, ohne uns zu informieren oder auch die Familie Sahm als Hausbesitzer.“ – „Wir haben mit Dr. Sahm gesprochen“, so Blochberger weiter. Er wolle hier „modernes Wohnen“ schaffen und dabei „Altes mit Neuem verbinden“. Dieses Argument sticht vor allem für Renate Blochberger: „Wir brauchen Wohnungen in der Stadt. In allen neuen Häusern gibt es nur mehr Büros, Geschäfte oder Ärzte. Aber was nutzen uns all die Geschäfte in der Altstadt, wenn keine Menschen mehr hier leben.“

Und Florian Gruber, warum ist er nicht zur Neuwahl der Altstadtfreunde gegangen an diesem Wochenende? „Ich würde mich ja gerne engagieren“, sagt er, „aber nach meiner Wahl zum Beisitzer vor zwei Jahren bin ich zu keiner einzigen Vorstandssitzung eingeladen worden. Den Vorwurf des Alleingangs gegen den Abriss des Weißbier-Brauhauses weist er zurück. Das sei eine Aktion Regensburger Studenten gewesen. Gruber studiert gerade historische Bauforschung an der OTH und hat in einem Seminar das Chamer Thema vorgeschlagen.

„Ein Verein, der sich blockiert“

Und da geht‘s für ihn nicht nur um ein Weißbierbrauhaus. „Da geht’s um das Chamer Stadtschloss, das einmal hier gestanden ist.“ Und: „Da geht‘s auch darum, was uns allen unsere Geschichte wert ist.“ Bei manchen Altstadtfreunden hat er da inzwischen so seine Zweifel. Nein, sagt Florian Gruber, es sei „kein gekränkter Stolz“, warum er zuletzt nicht mehr hingegangen ist. „Der wahre Grund ist der“, so sagt er: „In einem Verein, der sich selbst blockiert, da kann man einfach nichts mehr machen.“ Was nicht heißt, dass Florian Gruber aufgeben würde. Jetzt hat er ein neues Feld aufgemacht, wo er weiterkämpfen kann. Seit ein paar Wochen gibt’s eine Facebook-Seite mit dem Titel „DENKMAL. nach Landkreis Cham! Historische Gebäude bewahren und dokumentieren“. 470 Freunde haben sich in kurzer Zeit schon hier angemeldet.

Florian Gruber hat zuletzt einen Post geschrieben: „Wenn alles abgerissen ist, braucht es dann die Altstadtfreunde noch?“ Und er wüsste eine Antwort: „Im Grund steckt ein Altstadtfreund in jedem von uns drin.“ Aber da müssten wir uns alle auch dafür interessieren.

Und was sagt der Gründer der Altstadtfreunde? Dr. Wolfgang Schooyerer möchte seinen Nachfolgern gern diesen Rat geben: „Freut euch doch, wenn junges Blut in den Verein schießt, da bewegt sich wenigstens was!“

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