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Gebiet mit sensationeller Flora

Der Wanderweg 147 führt zwischen Zenzing und Kirchenrohrbach durch das einzigartige Naturschutzgebiet Zenzinger Hänge.
Jakob Moro

Hier können Wanderer das Auto stehen lassen und anschließend die Natur entlang des Regens genießen. Foto: Jakob Moro
Hier können Wanderer das Auto stehen lassen und anschließend die Natur entlang des Regens genießen. Foto: Jakob Moro

Roding.Viele, die den Regental-Radweg befahren, wundern sich über die breite Straße, die bis mitten ins Naturschutzgebiet, den Regentalhängen zwischen Zenzing und Kirchenrohrbach, führt. Doch dann endet die geteerte Straße. Der Weg durchs Naturschutzgebiet ist gesperrt. Der Grund: „In der Zeit vor der Gebietsreform 1972 plante und baute die ehemalige Gemeinde Braunried mit staatlicher Förderung den Gemeindeverbindungsweg in Richtung Kirchenrohrbach – Walderbach bis zum Kobauerngraben.

Damals gab es die Vision von einer „flussbegleitenden Regentalstraße“ nach dem Vorbild des Radwegs von Nittenau nach Regensburg. Doch zur Verbindungsstraße mit Walderbach kam es nicht mehr. Man entdeckte, wie wertvoll das Gebiet ist. 1974 stellte der damalige Vize-Naturschutzbeauftragte für den Landkreis Roding, Josef Glatthaar, den Antrag auf Ausweisung als Naturschutzgebiet.

Landrat Ernst Girmindl ordnete 1975 an, mit Rücksicht auf das noch nicht gelöste Problem des Straßenbaus Zenzing-Kirchenrohrbach das Verfahren der Unterschutzstellung zurückzustellen. Erst 1995 kam es zum heutigen Naturschutzgebiet am Regen. Vom damaligen Regierungspräsidenten Metzger in Kraft gesetzt, ist diese Schutzzone mit ihrem ungewöhnlich wertvollen Bestand Trockenheit liebender Pflanzen nur wenig bekannt – wenngleich sogar ausländische Universitätsinstitute bei ihren Exkursionen schon hier anzutreffen waren.

Zeugen aus der Urgeschichte

Was sie anzieht, ist eine sensationelle Besonderheit der Flora, nämlich deren geschichtliche Herkunft. Auf einer Länge von drei Kilometern haben sich hier europaweit einzigartige Restbestände jener vor Hunderttausenden von Jahren aus dem Kaukasus und vom Schwarzen Meer eingewanderten Trockenflora erhalten, die nach der Eiszeit die erste Wiederbegrünung Mitteleuropas anbahnte. Der Naturfreund findet hier letzte alteingesessene Zeugen und „Pioniere“ aus der pflanzenkundigen Urgeschichte Bayerns. Die Zenzinger Hänge, so wird das Naturschutzgebiet bezeichnet, sind ein „Zeitfenster“, das den Blick zurück in die fernste Vergangenheit unserer Heimat gewährt.

Grund des Schutzes ist es, den charakteristischen und repräsentativen Landschaftsausschnitt mit steilen, felsigen Hügeln, Felsköpfen, struktur- und artenreichen Hangwäldern und die daran anschließende Flussaue dauerhaft zu sichern. Das 22,5 Hektar große Areal, meist Waldgebiet, ist in Privatbesitz. Das Gebiet gehört zum Durchbruchtal des Regens. Es umfasst eine Länge von circa zwei Kilometern am Regen entlang, das Nordufer sowie die daran anschließenden, weitgehend bewaldeten, südexponierten Steilhänge. Die Weiträumigkeit der naturnahen Flusslandschaft sowie die historische Nutzung der Hänge als Niederwald sind für die außerordentliche vegetationskundliche Bedeutung, für die Schönheit sowie die besondere Eigenart des Gebietes verantwortlich.

Im 15. Jahrhundert war aufgrund der Inbetriebnahme des Rodinger Eisenhammers ein enormer Holzbedarf gegeben, so wurden ganze Hangbereiche abgeholzt und von Schafen beweidet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nahm die Stallviehhaltung zu. Der Bedarf an Einstreu stieg. Durch Streurechen nahm die Aushagerung des Gebietes zu. Es folgte die Niederwaldnutzung mit Hainbuchen und Hasel. Dadurch wurde der Boden ausgehagert, der nun ein Lebensraum für viele trockenheits- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten ist.

Seltene Pflanzen und auch Tiere

18 verschiedene schutzwürdige Vegetationstypen kommen vor. Da findet man noch die Schwalbenwurz, die traubige Graslilie, den Mauerpfeffer, den Berglauch, den Blauschwingel, die Buschnelke, um nur einige zu nennen. Auch seltene Tierarten fühlen sich in diesem großen Naturschutzgebiet heimisch, so der Feuersalamander, die Schlingnatter, der Schillerfalter, der Blaue Laufkäfer, die blauflügelige Ödlandschrecke, der Eisvogel, die Dorngrasmücke, die Geldbauchunke und zehn verschiedene seltene Tagfalter.

Besonderes Interesse hat die Biogeographie an isolierten Teilarealen für thermophile Arten, die entlang des Regentales eingewandert sind, wie der Berglauch, das Gipskraut, die Graslilie und der Blauschwingel.

Das Gebiet der Regentalhänge ist aber auch für Historiker interessant. Das Regental bei Reichenbach ist ein Teil des relativ jungen epigenetischen Regendurchbruchs durch die Kristallgranite und Körnelgneise des Falkensteiner Vorwaldes. Granitblöcke und mehr oder weniger erhaltene Felsriegel werden bei geringer Wasserführung im Flussbett sichtbar. Im Naturschutzgebiet befand sich im 12. Jahrhundert eine Burganlage oberhalb des Gußsteins. Dort war das Geschlecht der Rohrbacher ansässig. (rjm)

Zenzinger Hänge

  • Gutachten:

    „Auf Grund der extremen Umweltbedingungen (Hitze/Wärme, Trockenheit, Kalkarmut, Magerkeit) hat sich eine xerotherme Vegetation im Bereich der Felshänge entwickelt, welche auf ihrem Standort auf Granit außerordentlich selten ist. In Anbetracht der floristischen, pflanzensoziologischen und ökologischen Bedeutung der Granitsteilhänge wäre es unbedingt notwendig, dieses Gebiet unter Naturschutz zu stellen, um dessen überregionaler Bedeutung gerecht zu werden.“ (rjm)

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