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Region Cham
Donnerstag, 20. September 2018 25° 1

Vortrag

Gebote, und was der Mensch daraus macht

Ob die Bibel schuld ist an der Naturzerstörung, darüber gab Bernhard Suttner Einblick. Dabei bemühte er auch die Geschichte.

Interessante Gedanken gut erklärt: Bernhard Suttner sprach bei der KAB über die zehn Gebote.Foto: chi
Interessante Gedanken gut erklärt: Bernhard Suttner sprach bei der KAB über die zehn Gebote.Foto: chi

Chammünster.Ist die Bibel schuld an der Zerstörung der Natur, wo sie doch dazu auffordert, dass der Mensch sich die Erde „untertan“ macht? – Diese Frage beschäftigte den Bildungsreferenten Bernhard Suttner, seit er mit diesem Vorwurf konfrontiert worden ist. Und er durchleuchtete die zehn Gebote Gottes, was sie wirklich von den Gläubigen fordern und, ob nicht noch mehr darin steckt als die Forderungen „Du sollst nicht töten, stehlen, ehebrechen …“ etc. Seine Gedanken dazu trug er bei einer Veranstaltung der KAB Chammünster in Zusammenarbeit mit der KEB Cham im Pfarrheim vor. „Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag“, sagte KAB-Vorsitzende Maria Schneider, als sie eine ansehnliche Zahl Gäste im Pfarrsaal begrüßte, darunter Präses Pfarrer Josef Schemmerer. Dass es ein solcher Abend werden würde, dafür ist Bernhard Suttner aus Windberg bekannt. Der erklärte, wie er auf das Thema „Die Zehn Gebote ökologisch betrachtet“ gekommen ist.

„Du red’st immer so katholisch“

Dies sei in den 70er Jahren gewesen, als er sich, aufgewachsen in einem katholischen Umfeld in Regensburg, der politischen Ökologiebewegung zuwandte. Da habe ihn mal ein Mann angesprochen: „Du red’st immer so katholisch, merkst du denn net, dass deine Religion an allem Übel schuld ist?“ Er habe dann mit dem Kritiker diskutiert und der habe ihn auf die Schöpfungsgeschichte verwiesen, in der Mensch eingeladen werde, sich die Natur zu unterwerfen und sich auch von Tieren zu ernähren. Später wurde er noch mit einem zweiten Vorwurf konfrontiert, nämlich dass Gott dem Moses eine Gesetzestafel zu wenig gegeben habe. Die erste Tafel regele das Verhältnis des Menschen zu Gott, die zweite das der Menschen zueinander, doch eine für das Verhältnis zur Umwelt gebe es nicht. Die Klagen veranlassten Suttner, die zehn Gebote genauer anzusehen, „ob i net die dritte Tafel find‘“, und er erinnerte sich dabei an einen Katecheten aus seiner Erstkommunion-Zeit, der diese Gebote den Kindern erklärt hatte. So sei er beim Lesen der Gebote auf den Satz gestoßen: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus dem Sklavenhaus geführt hat.“ Dieser Satz sei wichtig, weil er die Existenz Gottes und seines Volkes begründet, die Befreiung der Menschen aus der Sklaverei, aus allen Einengungen. „Gott will uns als freie Menschen.“ Denn wenn wir keinen freien Willen hätten, „dann wär‘ jede Ethik für d’Katz“. Ethische Regeln gäben nämlich nur Sinn, wenn sie sich an freie Menschen richten, die sie befolgen können oder eben nicht. So seien die zehn Gebote kein Zwangssystem, sondern eine Empfehlung, woran sich der freie Mensch orientieren sollte. Suttner sagte, dass er nun seine ganz persönliche Interpretation der Gebote vortrage, die man nicht übernehmen müsse, die aber zum Nachdenken über die Zehn Gebote anregen solle.

Das erste Gebot laute in etwa: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, du sollst dich nicht vor fremden Götzen niederwerfen, du sollst dir von Gott kein Bild machen …“ Zu letzterer Forderung sagte er, dass sich Katholiken und Lutheraner nie dran gehalten hätten, die Moslems oder auch die Juden schon. Ein weiterer schwer verständlicher Satz im ersten Gebot sei: „Ich bin ein eifersüchtiger Gott und verfolge eine Schuld bis in die dritte und vierte Generation.“ Das bedeute, Gott vergisst nicht, was man Gutes oder Schlechtes getan hat. Als Jugendlicher habe er schwer zu kämpfen gehabt mit dieser Aussage. Aus ökologischer Sicht sei das keine Drohung, sondern die Feststellung von Tatsachen.

Abgase produziert

„Ich bin jetzt 45 Kilometer mit meinem Auto hierher gefahren und hab dabei Abgase produziert. Die sind jetzt in der Welt, die verschwinden net einfach“, machte Suttner an einem simplen Beispiel klar, was dieses „Nicht-Vergessen“ bedeuten kann. Der Klimawandel sei ja Realität, und wenn es heiße, bis zur Jahrhundertwende steige die Durchschnittstemperatur auf der Erde um fünf Grad, wenn sich das Verhalten der Menschen nicht ändert, „da denkt der Mensch: Oh mei, am Ende des Jahrhunderts schau i mir d‘ Radieserl scho lang vo unten an“. Er habe aber einen Enkel mit drei Jahren, der könnte dies noch erleben. Da werde erst deutlich, welche Verantwortung „wir“ heute haben und was es bedeutet, dass Schuld oder Gutes bis in die dritte und vierte Generation hinein nicht vergessen werden und sich langfristig auswirken können. (chi)

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