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Gegen das Vergessen und Verdrängen

Neukirchens Vizebürgermeister Hans Kerscher und KuSK-Vorsitzender Richard Kelnhofer sprechen sich gegen Gewalt aus.
von Helga Brandl

Beim Kriegerdenkmal am Kirchenvorplatz in Rittsteig wurde der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Foto: Helga Brandl
Beim Kriegerdenkmal am Kirchenvorplatz in Rittsteig wurde der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Foto: Helga Brandl

Neukirchen b Hl Blut.Am Volkstrauertag, wenn in Deutschland die Fahnen auf halbmast wehen, wird der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht. Mit schmerzlichen Erinnerungen stellte man eine Verbindung zur Vergangenheit her und gedachte am Freitagabend in der Sankt-Anna-Kirche mit einer Jahrtagsmesse der Krieger- und Soldatenkameradschaft Rittsteig der Opfer von Krieg und Gewalt. Mitglieder der KuSK und der übrigen Vereine formierten sich mit ihren Fahnen zum Kirchenzug, den neben der Musikkapelle Schießl Vizebürgermeister Hans Kerscher und die Markträte Georg Baumann und Alois Stoiber anführten.

Das Soldatengrab vor dem Volksaltar mit einem Birkenkreuz, welches ein Helm ziert, sage vieles aus. Pater Benjamin zelebrierte den Gedenk-Gottesdienst, der von den Musikern mitgestaltet wurde. „1945 befreiten die Alliierten Deutschland vom Nationalsozialismus und beendeten damit das Sterben auf den Schlachtfeldern, in den Vernichtungslagern und in den ausgebombten Städten“ – mit diesen Gedanken leitete Vizebürgermeister Hans Kerscher seine Gedenkansprache zum vorgezogenen Volkstrauertag in der Expositur Rittsteig ein. Er rief Bilder von nicht enden wollenden Grabreihen, Soldatenfriedhöfen, zerfetzten Leibern, verbrannten Landstrichen, Flüchtlingstrecks, ausgemergelten Menschen hinter Stacheldraht und Eisenbahnwaggons der Spätheimkehrer ins Gedächtnis, die jeder auf andere Art vor Augen habe.

Die Schreckensbilder in den Abendnachrichten machten deutlich, dass die Welt heute nicht vom Frieden regiert werde und Menschen nach wie vor unter Hunger, Krieg und Verfolgung litten. 74 Jahre seien seit dem Kriegsende vergangen; der Zweite Weltkrieg aber werfe aber nach wie vor einen langen Schatten. Nach wie vor sei Gewalt weltweit verbreitet, nach wie vor werden Menschen in vielen Teilen der Welt Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Terror. Mit diesen allgegenwärtigen Schrecken müsse man sich am Volkstrauertag auseinandersetzen.

Der Volkstrauertag dürfe sich nicht in der Rückschau und in der Tradition erschöpfen, ermahnte Vizebürgermeister Kerscher. Vielmehr sei er ein sehr aktueller Gedenktag, den man brauche, und der vor dem Vergessen und Verdrängen schützt. „Am Volkstrauertag bekennen wir uns zum Wert des Lebens“, gab Bürgermeisterstellvertreter Hans Kerscher seinen Worten Nachdruck. An der Kriegergedächtnisstätte intonierte die Musikkapelle Schießl einen Choral, ehe Pater Beniamin die Gebete der Kirche sprach. KuSK-Vorsitzender Richard Kelnhofer fand berührende Worte vor dem Mahnmal und dankte allen Teilnehmern, die damit ihren Respekt vor den Toten der Kriege bekunden. Allein am Rittsteiger Ehrenmal stehen 94 Namen von jungen Männern, die Hoffnung auf ein erfülltes Leben oder auf Familie und Kinder gehabt hätten – dies blieb ihnen aber verwehrt.

Die Zeitzeugen werden immer weniger und die Zahl derer, die nur noch aus Büchern, Filmen, Bildern oder vom Erzählen davon Kenntnis erhalten, wachse.

„Für viele von uns scheine Krieg vermeintlich fern. Doch die heutigen Konflikte in der Welt mit ihren vielen Geflüchteten, Vermissten und Toten zeigen uns auch an diesem Volkstrauertag, wie nah und dringlich die Friedensaufgabe tatsächlich ist.“ Als äußeres Zeichen der Verbundenheit legten Kelnhofer und Hans Kerscher ein Bouquet nieder. Salutschüsse und ein Musikgruß unterbrachen die Stille der nächtlichen Stunde, während sich die Fahnen der Vereine zum Andenken an die Opfer senkten. (kbr)

Volkstrauertag

  • Gegen Gewalt

    : Im Laufe der Jahrzehnte wurde der ursprüngliche Gedanke erweitert, dass nicht nur an Kriegstote, sondern auch an Opfer von Gewalt und Gewaltherrschaft erinnert werden soll. Dazu zählen auch Opfer rassistischer Übergriffe.

  • Regelung

    : Der Volkstrauertag ist ein sogenannter stiller Feiertag und wird immer zwei Wochen vor dem Ersten Advent begangen.

  • Feier:

    Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag findet jedes Jahr jeweils im Deutschen Bundestag statt.

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