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Arbeit

Gekündigter klagt gegen Schweizer Group

Ein Rodinger Mitarbeiter ging jetzt in Zeiten von Insolvenz und Firmenverkauf gerichtlich gegen seine Entlassung vor.
Von Christoph Klöckner

Gleich zweimal wurde ein Rodinger Mitarbeiter der Schweizer Group gekündigt. Dagegen zog er jetzt vor Gericht. Foto: David Ebener/dpa
Gleich zweimal wurde ein Rodinger Mitarbeiter der Schweizer Group gekündigt. Dagegen zog er jetzt vor Gericht. Foto: David Ebener/dpa

Cham.Die Schweizer Group, und damit auch der Standort Roding, sind gerade erst vom Insolvenzverwalter verkauft worden. Und mit ihm auch die übrigen Arbeitsplätze – deren Anzahl wurde zuvor reduziert, um dem amerikanischen Käufer zu gefallen. In Roding kostete das 28 Mitarbeitern den Job, so dass etwa 100 Stellen derzeit am Standort übrig sind.

Einer dieser gekündigten Mitarbeiter, der sich nach längerer Krankheit vor der Wiedereingliederung befindet, klagte vor dem Arbeitsgericht in Cham gegen seine Kündigung. Mitte 2018 hatte er die erste Kündigung zum Februar 2019 bekommen – damals begründet mit der andauernden Krankheit des Mannes. Eine zweite Kündigung gab es dann am 26. September dieses Jahres zum 30. November 2019. Beide Kündigungen standen am Donnerstag bei der Kammer des Arbeitsgerichts in Cham unter Vorsitz von Richter Veit Zitzmann zur Debatte. Der Richter machte zur Eröffnung deutlich, dass die erste Kündigung nach Auffassung des Gerichts wohl nicht haltbar sei, da sich der Arbeitgeber hier nicht an die Absprachen zur weiteren Besprechung für eine Rehabilitation und Wiedereingliederung des Mitarbeiters gehalten habe.

Zweite Kündigung betriebsbedingt

Statt ein weiteres Gespräch mit den eingeschalteten Stellen wie etwa dem Rentenversicherer zu suchen, wie vereinbart, habe es die Kündigung gegeben, so Zitzmann. Dabei ging es um das Betriebliches Eingliederungsmanagement des erkrankten Mitarbeiters. Die Personalchefin des Unternehmens erläuterte dazu, dass man keine „Endlosschleife“ im Verfahren haben wollte und sich die Rentenversicherung bis zum Kündigungszeitpunkt nicht gemeldet habe. Der Richter erläuterte, dass eine Kündigung hier nach Arbeitsrecht die allerletzte Möglichkeit sein müsse: „Sie haben sich an die abgesprochenen Vorgaben nicht gehalten. Das wird diese Kündigung zu Fall bringen!“ Die zweite Kündigung war dann betriebsbedingt begründet worden. Hier erläuterte die Personalchefin, dass für den Verkauf und wegen anhaltender Auftragsflaute Arbeitsplätze abgebaut wurden. 28 Stellen seien das in Roding gewesen.

Wirtschaft

US-Investor übernimmt Schweizer Group

Die insolvente Gruppe wurde an Marabek verkauft. Der Standort Roding bleibt erhalten. Einige Jobs gingen trotzdem verloren.

Da die Schweizer Group zu einhundert Prozent automobilabhängig sei, seien die Auftragseingänge der Konjunktur folgend massiv runtergegangen. Deshalb habe man die Hälfte der Produktionsanlagen abgestellt, so die Personalleiterin. Für die Gekündigten gelte entweder der Insolvenzsozialplan. Für den Kläger heiße das eine Abfindung in Höhe von zweieinhalbfachen Monatsgehältern. Die würden erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens in fünf bis sieben Jahren und wohl nur zu einer Quote von etwa fünf Prozent aus der Insolvenzmasse bezahlt.

Verhandlung endet mit Vergleich

Doch ums Geld ging es dem Kläger nicht, sondern um die Weiterbeschäftigung, wobei seine Eingliederung noch bis August 2020 läuft. Vor allem, um sich aus dieser Weiterbeschäftigung heraus zu bewerben – und nicht mit der Krankheit im Personalbogen. Schließlich einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich: Der Mann bleibt bis August 2020 beschäftigt, wobei hier der Rentenversicherungsträger für diese beruflichen Anpassungsmaßnahme und Eingliederung zahlt und nicht der Arbeitgeber oder Insolvenzverwalter. Zudem bekommt er ein gutes Zeugnis mit dem Hinweis auf die betriebsbedingt Kündigung nach Insolvenz.

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