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Gericht

Geldstrafe für „widerwärtige Aktion“

Ein 61-jähriger Rentner hatte am 6. Januar vor einem Café in Bad Kötzting Kot und Fäkalien hinterlassen.

Ein Rentner musste sich für seine Taten in Bad Kötzting vor dem Richter verantworten. Foto: Uli Deck, dpa
Ein Rentner musste sich für seine Taten in Bad Kötzting vor dem Richter verantworten. Foto: Uli Deck, dpa

Bad Kötzting.Das neue Jahr begann für die Mitarbeiter und Reinigungskräfte eines Cafés in Bad Kötzting mit einem Schreck und Ekel. Ein stadtbekannter Rentner hatte sich am 6. Januar trotz Hausverbots frühmorgens vor dem Café aufgehalten. Nicht nur seine bloße Präsenz vor der Örtlichkeit wurde von einer Kamera aufgezeichnet, die Bilder gaben auch zu erkennen, dass der Mann einem dringenden Bedürfnis nachging. Reinigungskräfte hatten am späteren Vormittag Kot und andere Fäkalien vorgefunden.

Die Anklage vor dem Chamer Amtsgericht lautete Hausfriedensbruch. Der 61-Jährige sagte aus, dass er an dem Tag sehr betrunken gewesen sei. Er habe zehn halbe Bier sowie einige Schnaps getrunken. Er räumte die Vorwürfe ein und erklärte, dass es ihm leidtue. Er habe keine Alternative gehabt, da seine Notdurft sonst in die Hose gegangen wäre. Eine gegenüberliegende öffentliche Toilette hatte er wohl übersehen.

Das unabhängig davon verhängte Hausverbot gegen ihn liege bereits einige Jahre zurück. Er hatte damals mit Freunden im Lokal viel getrunken und plötzlich habe man ihn zur sofortigen Zahlung aufgefordert, andernfalls würde man die Polizei einschalten. Obwohl er dieser Aufforderung nachgekommen war, sei er am nächsten Tag nicht mehr in das Café reingekommen.

Laut der Frau des Cafébetreibers, die im Zeugenstand ihre Aussage machte, galt das Hausverbot erst seit 2017. Sie schilderte weiter, dass der Angeklagte kein Unbekannter sei und immer wieder Probleme gemacht habe. Es sei eine Putzfrau gewesen, die die Fäkalien entdeckt hatte. Daraufhin hatte man die Bilder aus der internen Überwachungskamera ausgewertet und den Rentner sofort erkannt. Anzeigenerstattung war die logische Konsequenz. Auf Nachfrage beteuerte der Angeklagte, es habe sich bei seiner Aktion nicht um Rache gehandelt, sondern sei einzig und allein der Dringlichkeit seiner Notdurft geschuldet gewesen. Die Zeugin erklärte, sie sei von dieser Aussage nicht überzeugt, habe der Mann doch wegen dem Hausverbot ein Motiv und passe die Tat zu seinem generell unzivilisierten Verhalten. Die Staatsanwaltschaft wies den Einspruch gegen den Strafbefehl in Bezug auf die Höhe der Geldstrafe zurück. Mit 50 Tagessätzen zu je 20 Euro sei der Angeklagte ohnehin gut bedient. Seine Aktion sei besonders widerwärtig, zudem eine zeitliche Nähe zu einem anders gelagerten Delikt bestanden.

Richter Wolfgang Voit reduzierte die Geldstrafe dennoch auf 450 Euro, aufgeteilt in 30 Tagessätze zu je 15 Euro. Es habe sich hier um einen Grenzfall gehandelt. Dass der Angeklagte mit seinen Hinterlassenschaften das Café nicht bewusst missbilligen wollte, sei glaubhaft. Angeklagter und Staatsanwaltschaft übten Rechtsmittelverzicht. (cya)

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