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Musik

„Gentle“ werden zehn Jahre alt

Die einst „lauteste Band im Landkreis Cham“ spricht im Interview über ihren Stilwandel und die Bedeutung von Lattenrost.
von Gregor Raab

Entspannte Blicke zurück und nach vorn: Katharina „Kathi“ Fischer und ihre Bandkollegen Dominik „Dom“ Meindl, Fabian „Fabi“ Riederer, Andreas „Mief“ Miefanger und Philipp „Phil“ Kastenholz. Foto: Philipp Kastenholz
Entspannte Blicke zurück und nach vorn: Katharina „Kathi“ Fischer und ihre Bandkollegen Dominik „Dom“ Meindl, Fabian „Fabi“ Riederer, Andreas „Mief“ Miefanger und Philipp „Phil“ Kastenholz. Foto: Philipp Kastenholz

Cham.Die Band „Gentle“ gilt im Landkreis als Inbegriff des ehrlichen, puren und schonungslosen Rock`n`Roll. Bei der Gründung 2009 hätte keiner der fünf Musiker geglaubt, dass sie zehn Jahre später noch immer in der Urbesetzung auf der Bühne stehen. Am Samstag, 2. November sie nun im L.A. ihr Jubiläum. Grund genug, mit Katharina „Kathi“ Fischer, Dominik „Dom“ Meindl, Fabian „Fabi“ Riederer, Andreas „Mief“ Miefanger und Philipp „Phil“ Kastenholz im Interview auf das vergangene Jahrzehnt zurückzublicken.

Zurück zu den Anfängen: Wie ging es denn damals los?

Fabi: Kathi, Dom und Mief kannten sich schon aus der Schule. Sie haben zusammen in der Schulband der Realschule in Bad Kötzting gespielt. Als die Schulzeit endete, war die Schulband Geschichte, aber trotzdem wollten die drei mit der Musik weiter machen. Ich wurde auf der Musikschule mit Tschechischer Volksmusik gefoltert. Dom und ich haben uns zu späterer Stunde auf einem Abschlussball kennengelernt, weil unter uns ein hitziger Streit über Gitarren entbrannt war. Mief brachte dann noch Phil mit, weil dieser im gleichen Betrieb die Lehre begonnen hat. Die beiden haben sich gleich super verstanden und festgestellt, dass sie bei dem guten alten Scheiß aus den 70er Jahren den gemeinsamen musikalischen Nenner haben. Ein paar Wochen später saßen wir bei Phils Eltern im Keller und haben das erste Mal geprobt. Ich hatte das erste Mal eine E-Gitarre in der Hand. Mief wollte eigentlich E-Gitarre spielen, aber da dieser Posten jetzt schon belegt war, hat er sich den Bass geschnappt. Er hat dabei überhaupt erst das Instrument gelernt. Nur Kathi und Phil Einzelunterricht hatten Musiklehrer. Dom hat sich bis auf die Grundlagen die E-Gitarre auch selber beigebracht.

Warum habt ihr Euch „Gentle“ genannt?

Kathi: Der erste Namensvorschlag seitens der Jungs war „Hämoriders“. Da war ich aber strikt dagegen. Bei der Suche nach einem sinnvollen Namen haben wir einen kurzen, prägnanten Namen gesucht, den man sich leicht merken kann, bis dann einfach mal der Vorschlag „Gentle“ in den Raum geworfen wurde. Mit dem Vorschlag waren wir uns von Anfang an einig.

Wie habt Ihr Euch in den zehn Jahren verändert?

Knackiger Rock`n`Roll ist das Markenzeichen von Gentle. Heute geht‘s aber auch mal leiser. Foto: Philipp Kastenholz
Knackiger Rock`n`Roll ist das Markenzeichen von Gentle. Heute geht‘s aber auch mal leiser. Foto: Philipp Kastenholz

Mief: Früher haben wir mehr Wert darauf gelegt, dass wir für viel Gesprächsstoff sorgen. Egal wo wir hinkamen, haben wir alles mit Amps zugepflastert. Wir wollten unserem Namen alle Ehre machen, die „lauteste Band im Landkreis“ zu sein. Zu Show-Zwecken hatten wir ein Moped und eine Kettensäge mit dabei. Heute legen wir mehr Wert darauf mit Qualität und Spieltechnik zu punkten. Musikalisch sind wir vielseitiger, facettenreicher und professioneller geworden, was der Erfahrung, Routine und der Verbesserungen unserer Spieltechnik geschuldet ist. Anfänglich haben wir einen AC/DC-haften „Dauerlärm“ „voll auf die 12“ gespielt. Nur wenn einem wirklich alles wehtat und wir reichlich Tinnitus nach einem Gig hatten, waren wir zufrieden. Heute packen wir auch mal die Akustikgitarre Gigs aus und kombinieren damit andere Instrumente wie Quetschn, Ukulele oder Waschbrett. Früher haben wir uns getroffen und drauf los gespielt. Heute übt jeder die Songs, bevor wir sie proben.

An welche Höhen und Tiefen erinnert ihr Euch?

Phil: Es gab viele coole Erlebnisse. Dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten, mit dem, was man am liebsten macht, ist einfach etwas wahnsinnig Tolles. Aber worauf wir am meisten stolz sind, ist, dass wir selbst bei schwierigen Ausgangssituationen immer einen geilen Abend daraus zaubern konnten - egal wo wir aufgetreten sind: In einem TV-Studio, Golfclub, Behindertenheim, Bikertreffen oder Gamerparty. Immer wenn wir zusammengekommen sind, war es eine Riesengaudi und wir haben uns immer gut verkauft. Wirklich Tiefpunkte waren vielleicht die Auftritte, bei denen etwas schief gegangen ist. Ich hatte einst auf einem Bikertreffen die halbe Bühne in die Luft gejagt. Die ersten Jahre habe ich bei einem Schlagzeugsolo meine Sticks angezündet. Dann ist mal ein ganzer Liter Nitroverdünner auf der Bühne in die Luft gegangen. Aber bis auf ein paar Brandblasen und einer abgefackelten Monitorbox ist nix weiter passiert. Werbetechnisch war diese Aktion aber 1A (lacht). Jahre später wurde ich noch auf Bikertreffen „Burning Phil“ genannt, weil ich auf einer Seite in Flammen gestanden bin. Das war auch der Grund warum wir unsere Experimente mit Brennpaste und Nitroverdünner eingestellt haben. Dom hat auch schon öfter preisgünstige Gitarren zum Anzünden und Zerstören mitgenommen und hat die Trümmer nach dem Akt der Zerstörung einfach ins Publikum geworfen. Aber das wäre auch schon ein paar Mal um ein Haar gehörig schief gegangen, deswegen haben wir irgendwann mal damit aufgehört.

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Gibt es ein besonderes Erlebnis aus Eurer Bandgeschichte?

Kathi: Eine coole Erfahrung war auf jeden Fall, als wir mit JBO gespielt haben. Das war schon ziemlich am Anfang. Das war eine riesige Festivalbühne, die ein paar Wochen vorher noch bei Rock im Park im Einsatz war. Ansonsten waren für uns die Studioaufenthalte oder auch eine TV-Aufzeichnung wirklich etwas Besonderes.

Ihr feiert nun beim im L.A. Eure Jubiläums-Party. Auf was darf der Besucher gespannt sein?

Dom: Die erste Besonderheit ist, dass sich ein Haufen Gastmusiker auf der Bühne buchstäblich die „Klinke in die Hand“ geben werden, auch mit Instrumenten, die in der Form bei uns noch nicht zum Einsatz kamen. Wir werden einige uralte Songs spielen, die wir lange nicht mehr performt haben, aber auch einige brandneue Songs, die an diesem Tag ihre Live-Premiere feiern. Deswegen sind wir auch etwas angespannt, weil so viel neues Material dabei ist. Aber die Vorfreude überwiegt natürlich. Den Support machen unsere Freunde von „Flying Spoon“. Die sind noch relativ frisch gegründet und spielen fast den gleichen Style. Wer weiß, vielleicht spielen wir bei Flying Spoons 10-Jährigen (lacht).

Und sonst?

Phil: Lattenrost ist keine Geschlechtskrankheit (lacht). Wir haben zum Jubiläum einen Shuttlebus organisiert. Auf Facebook und unserer Homepage stehen die Fahrzeiten des Busses. (cga)

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