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Region Cham
Sonntag, 27. Mai 2018 27° 2

Gewerkschaft

Gerechte Zukunft gestalten

Alexander Gröbner von ver.di Oberpfalz warb bei der DGB-Maikundgebung in Cham für „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“.
Von Hans Schmelber

Für mehr Gerechtigkeit waren vor kurzem die Chamer Siemensianer auf die Straße gegangen. Archivfoto: Klöckner

Cham.„Was wollen wir“?“ – Mit dieser Frage – und damit meinte er die Gewerkschaften – begann der Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Cham, Werner Schwarzbach, die Maikundgebung und präsentierte gleich zwei Zahlen: Der Rentendurchschnitt in Cham liegt bei den Frauen bei 600 Euro, bei den Männern bei 1000 Euro. Beim Öffentlichen Dienst gibt es jede Menge Überstunden. Schwarzbach forderte mehr Personal und gleiche Bezahlung von Mann und Frau. „Es muss sich vieles ändern“, war das Mantra an diesem Vormittag.

Schwarzbach freute sich am Dienstag über viele Besucher im Saal des Hotels am Regenbogen, begrüßte etliche Ehrengäste, unter ihnen MdB Karl Holmeier, sowie die Fünf-Mann-Kapelle Quetsch‘n Blos‘n, die den Vormittag musikalisch begleitete. Auf den Tischen lag der Aufruf des DGB zum Tag der Arbeit und auf dem stand zu lesen:

Solidarität statt Spaltung

„Wir stehen für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit. Dafür kämpfen Gewerkschaften! Die große Koalition hat sich für die Arbeitnehmer einiges vorgenommen. Aber das reicht nicht. Wir wollen mehr soziale Gerechtigkeit, mehr solidarische Politik, mehr Förderung der Vielfalt. Wir werden die Bundesregierung drängen, die politischen Weichen in die richtige Richtung zu stellen: Solidarität statt gesellschaftliche Spaltung und Ausgrenzung, klare Kante gegen Rassismus und extreme Rechte. – Wir wollen, dass niemand sich fragen muss, ob der Arbeitsplatz sicher ist, ob das Geld und später die Rente reichen.“

„So eine gute und umfassende Rede habe ich schon lange nicht mehr gehört“. Mit diesen Worten überrreichte Werner Schwarzbach ein Präsent in flüssiger Form an Alexander Gröbner. Fotos: Schmelber

„Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“, auf diese Werte, die für eine humane und demokratische Gesellschaft fest verankert sind, lege auch er großen Wert, sagte 3. Bürgermeister Josef Blaha. „Der Tag der Arbeit solle aber auch als Mahnung stehen und auf soziale Missstände hinweisen. Nötige Investitionen in Bildung und Infrastruktur, bezahlbarer Wohnraum, Gleichberechtigung, Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne und Renten seien nur einige Schlagwörter, für die die Gewerkschaften seit über 125 Jahren kämpfen, so Blaha. „Das ist mein zweiter Auftritt in Cham“, stellte Alexander Gröbner, Bezirksgeschäftsführer ver.di Oberpfalz, fest – er war vor zehn Jahren hier gewesen – und lud zu einer kleinen Zeitreise ein. Wer 2012 dem Maja-Kalender Glauben schenkte, der erwartete am Ende dieses Jahres den Weltuntergang. „Den Untergang der Wirtschaft haben uns auch Vertreter der Wirtschaft prophezeit, wenn ein Mindestlohn eingeführt wird. Auch das ist nicht geschehen“, führte Gröbner aus.

Er wies darauf hin, dass immer noch fast acht Millionen Menschen mit diesem Hungerlohn auskommen müssen und bezeichnete dies als „Beschiss an diesen Menschen“. Immerhin werde der Mindestlohn 2019 weiter erhöht, aber auch dann könne man mit diesem Einkommen nicht überleben“, so der Bezirksgeschäftsführer. Gröbner :„Wir werden die große Koalition daran messen, ob sie sich gemeinsam mit uns dafür stark macht, dass mehr Beschäftigte den Schutz von Tarifverträgen genießen.“ Und wir brauchen dringend mehr Mitbestimmung in den Betrieben, Unternehmen und Verwaltungen. Wir fordern ein gerechtes Steuersystem und einen öffentlichen Dienst, der über ausreichend Personal und eine gute Ausstattung verfügt, um seine Aufgaben bürgernah erfüllen zu können. Wir wollen gute Bildung für alle Kinder, alle haben ein Recht darauf.“

Der ver.di-Mann weiter: „Wir werden uns gegen die Ausbreitung von Leih- und Werkverträgen einsetzen. Und wir werden uns mit Blick auf die Europawahlen 2019 für ein soziales Europa engagieren. Sachgrundlose Befristungen und Kettenbefristungen gehören endlich ohne Wenn und Aber abgeschafft. „Mit den geplanten zusätzlichen öffentlichen Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, in In-frastruktur und Verkehr geben wir uns nicht zufrieden“, so Gröbner.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Die Quetsch’n Blosn gestaltete die Feier musikalisch mit. Fotos: Schmelber

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf komme im Koalitionsvertrag zu kurz. Viele Beschäftigte hätten den Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben, auf selbstbestimmte Flexibilität. Denn immer mehr von ihnen kümmerten sich um pflegebedürftige Angehörige. „Bei den Wohnungen fressen in ganz Deutschland die Mietzahlungen mittlerweile den Verdienst auf. Wie soll denn eine Gemeinde funktionieren, wenn ein Durchschnittsverdiener es sich nicht mehr leisten kann, dort zu wohnen?“, fragte der Redner.

Gröbner: „Wir wollen gute und sichere Arbeit, das Friedens- und Solidarprojekt Europa neu beleben und eine gerechte Gesellschaft, in der sich die Menschen keine Sorgen um ihre Zukunft und die ihrer Kinder machen müssen. Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit lautet unser diesjähriges Motto. Dafür gehen wir am 1. Mai auf die Straße! Der 1. Mai ist unser Tag der Solidarität. Lasst uns als vielfältige Gemeinschaft solidarisch eine gerechte Zukunft gestalten!“

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