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Führung:

Geschichts-Expertin Vera kennt „oide Lam“

Historisch gewandet begleitet Wirtin Vera bei abendlichem Spaziergang mit Anekdoten und Geschichten durch Lams gute Stube.
von Maria Frisch

Wirtin Vera wusste Anekdoten und Geschichten von „d`oidn Lam“. Foto: Frisch
Wirtin Vera wusste Anekdoten und Geschichten von „d`oidn Lam“. Foto: Frisch

Lam. Sie weiß von Biergeschichten und kennt die bayerische Wirtshaustradition. Kein Wunder, denn die Wirtin Vera hatte das Ohr stets am Tagesgeschehen „in d`Lam“.

Sie weiß, worüber die Lamer sich – wenn überhaupt – aufregten und was in vergangenen Jahrzehnten als selbstverständlich oder außergewöhnlich galt. So herrschte bei der Premiere des neuen Angebots der Tourist-Info, das unter dem Begriff„ a Moaktblotz-Reib`n mit da oidn Wirtin“ titelt, trotz der kalten Witterung rege Betriebsamkeit mit rund 40 Beteiligten – darunter etliche Wirte aus Lam.

TI-Leiterin Christine Vogl begrüßte zu der neuen Tour, die Generalprobe und Premiere zugleich war. Vor dem inneren Auge von Vera hatte die Lam noch ein anderes Gesicht, nicht zuletzt weil die verschiedenen Gebäudlichkeiten am Marktplatz anders bewirtschaftet wurden. Wirtin Vera war zwar nicht Zeitzeuge aller Veränderungen, aber vieles war ihr nicht verborgen geblieben und gerade dies interessierte das Publikum. Irgendwie war der Streifzug über den Marktplatz, als hätte man eine Zeitmaschine bestiegen.

„Wo jetzt ein Hexenstadl um Kundschaft buhlt, praktizierte früher ein böhmischer Arzt“, erzählte Vera. An den Häuserfronten konnte sich die einstige Lamer Bürgerin nicht satt sehen.

Die waren viel schöner als früher, als es so gut wie keine Schaufenster gab. Wo jetzt die Spielkiste Holzspielwaren verkauft, zählten einst die Angestellten der Sparkasse das Geld. In dieser Epoche erstreckte sich vor dem Dimpflwirt ein Biergarten. „Gelegentlich ist dort schon ein Masskrug geflogen und hat sein Ziel nicht verfehlt“, erinnerte sich die Zeitzeugin. „Aber d`Buam warn hart im Nehma“. Für so manches Wehwehchen hatte der Bader Fritz ein Rezept, der auch Blutegel und Schröpfgläser aufsetzte oder Zähne zog.

Die Patienten tranken entweder freiwillig oder unter Zwang vor der Behandlung reichlich Alkohol, um die Schmerzen auszuhalten. Vor dem Hotel „Zur Post“ hielten die Postkutschen, die stolze Rösser zogen. Die Wetterglocke im Kirchturm wurde geläutet, wenn sich ein Unwetter anbahnte.

Damals war selbstverständlich, dass dann die legendäre Wetterkerze angezündet wurde. 25 Pfennig verlangte der Damenfriseur für „waschen und legen“. Anderntags war die Schönheit „wieder beim Teife“, berichtete die Wirtin von der vergeblichen Müh.

In der Schule setzten die Lehrer ihre Autorität mit Rohrstock und Tatzn durch. Die Kinder mussten oft schwänzen, weil sie zuhause gebraucht wurden. Weizgeschichten machten zu genüge die Runde, und jagten so manchem einen Schrecken ein. Im Gasthof Kirchenwirt war ein Kramerladen untergebracht und ein paar Häuser weiter nähte ein richtiger Chirurg die Wunden der Holzarbeiter mit „Katzndarm“.

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