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Nachgefragt

Giftköder-Hysterie in Furth unbegründet

Bei der Further Polizeiinspektion gibt es keine Hinweise, dass im Bereich Drachensee Hunde oder Katzen vergiftet werden.
Von Wolfgang Baumgartner

Mit Hinweisschildern am Uferweg des Drachensees wird an die Hundehalter appelliert, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Foto: wb

Furth im Wald. Die Hysterie in den sozialen Netzwerken bezüglich eines Hunde- und Haustierhassers im Bereich des Drachensees ist laut aktueller Aktenlage bei der Polizeiinspektion Furth im Wald absolut unbegründet. „Wir hatten in diesem Jahr nur einen einzigen Verdachtsmoment, als uns Mitte August herumliegende Fleischbrocken gemeldet wurden“, erzählt Polizeioberrat Thomas Hecht. Dabei konnte jedoch nicht geklärt werden, ob die Fleischstücke vergiftet waren. Auf bitten unseres Medienhauses hat der Chef der Further Polizeiinspektion die Akten und Berichte der letzten beide Jahre penibel überprüfen und auswerten lassen.

Keine Anzeigen

„In puncto Giftköder-Attacken absolute Fehlanzeige“, gibt Thomas Hecht Entwarnung. Aktenkundig seien lediglich die mit Metall- und Rasierklingen gespickten Köder, die im April 2015 und Februar 2016 im Raum Weiding, bei Neumühlen, entdeckt wurden. „Es gibt bei uns keinerlei Hinweise oder Anzeigen, dass im Bereich des Further Drachensees in den letzten Wochen oder Monaten Giftköder ausgelegt worden sind“, versichert der Leiter der Further Polizeiinspektion. Auch er und seine Kollegen haben in jüngster Vergangenheit die Klagen und Befürchtungen von Hundebesitzern in den sozialen Netzwerken mitverfolgt. Doch bei der Polizei seien keine Hinweise oder Anzeigen eingegangen. Thomas Hecht appelliert deshalb an Hunde- und Haustierbesitzer, bei verdächtigen Wahrnehmungen, Funden oder akuten Erkrankungen von Hunden oder Katzen die Polizei einzuschalten. „Ohne konkrete Hinweise können wir nicht tätig werden!“

Bei Verdacht einer Vergiftung eines Haustieres sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Foto: dpa

Dabei sei es auch wichtig, dass ein Veterinärmediziner hinzugezogen wird. Nur dann könnten fundierte Aussagen bezüglich einer etwaigen Vergiftung gemacht werden. Ohne tierärztlichen Befund seien keine stichhaltigen Diagnosen möglich und damit der Verbreitung von Falschmeldungen Tür und Tor geöffnet.

Opfer eines Giftanschlags?

Johanna Stoiber befürchtet, dass der Mischlingsrüde Blessi (li.) an Weihnachten vergangenen Jahres im Bereich des Drachensees etwas giftiges gefressen hat und deshalb schwer krank wurde. Nun passt Frauchen auf ihn und seine neue Freundin „Emma“ besonders gut auf. Foto: wb

Auch Johanna Stoiber vom Blätterberg wurde von diesen offensichtlichen Falschmeldungen aufgeschreckt. Sie hat nämlich bereits einschlägige Erfahrungen gemacht. „Voriges Jahr an Weihnachten wurde mein Mischlingsrüde Blessi, mit dem ich regelmäßig um den Drachensee jogge, Opfer eines Giftanschlages“, ist sich Johanna Stoiber sicher. Der inzwischen 16 Jahre alte Rüde hat die Attacke nur knapp überlebt.

Für Johanna Stoiber und ihre Familie war es der Horror. Am Tag vor dem Heiligen Abend drehte sie mit Blessi ihre gewohnte Runde um den See. Plötzlich kam der kleine Mischlingshund mit einem etwa 15 Zentimeter langen Teil im Fang beim Frauchen an. „Es sah wie ein alter, vergammelter Knochen mit Fleischresten aus!“ Frauchen schenkte dem keine große Beachtung. Zuhause angekommen, begann Blessi sich massiv zu übergeben. „Er hat dunkelbraunen, sirupartigen Schleim erbrochen“, erzählt Johana Stoiber weiter.

15 Katzen verschwunden

Aktenkundig sind die mit Metall- und Rasierklingen gespickten Köder, die im April 2015 und Februar 2016 im Raum Weiding bei Neumühlen entdeckt wurden. Foto: dpa

Der Hund konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten. „Tags zuvor war er mit mir noch zehn Kilometer um den See gelaufen, jetzt schaffte er keine drei Meter mehr von seiner Hütte ins Haus!“ Aufgrund der Feiertage warteten die Stoibers bis nach Weihnachten, um einen Tierarzt aufzusuchen. Doch dann ging es Blessi wieder von Tag zu Tag besser; er erholte sich und wurde wieder gesund. „Anders erging es etwa 15 Katzen von mir, die in den vergangenen Jahren spurlos verschwunden sind“, klagt Johanna Stoiber. Auch ihre Nachbarn vermissen auffällig viele Katzen. Sie befürchtet, dass die Tiere eventuell Giftköder aufgenommen und sich dann schwer krank verkrochen haben und schließlich qualvoll verendet sind.

Dabei erinnert Johanna Stoiber, dass Hunde und Katzen ebenfalls Bestandteil der Schöpfung sind und ein Recht auf artgerechten Auslauf haben. Zudem wundert sie sich über die Schilder am Seerundweg mit dem Hinweis: „Hunde an die Leine nehmen!“ „In Furth und Umgebung gilt generell keine Anleinpflicht“, weiß Johanna Stoiber. Und das bestätigt auch Franz Würz, Leiter des Hauptamtes der Stadt, auf Anfrage.

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