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„Gott liebt verrückte Menschen“

Pfarrer Raimund Arnold ist seit 60 Jahren Priester — 50 Jahre wirkte er in der Pfarrei Ast und bewegte enorm viel.
Von Christa Bucher

Pfarrer Raimund Arnold Priester feiert sein 60-jähriges Priesterjubiläum.
Pfarrer Raimund Arnold Priester feiert sein 60-jähriges Priesterjubiläum. Foto: wbx

Waldmünchen.Seit 60 Jahren ist Pfarrer Raimund Arnold Priester mit Leib und Seele und seit 50 Jahren gehört er zu Ast, wie die Kirche zum Dorf. Am Sonntag kann der Geistliche sein 60-jähriges Priesterjubiläum feiern. Zeitgleich kann er auch auf 50 Jahre segensreiches Wirken als Seelsorger der Pfarrei Ast blicken, in der er unverwischbare Spuren hinterlassen hat.

Als der Ruhestandsgeistliche vor 50 Jahren nach Ast kam, hatte er wohl nicht geahnt oder gewusst, dass Ast seine neue Heimat werden würde, die ihm sehr ans Herz gewachsen ist. In all den Jahren, in denen er sich seelsorgerisch um die Pfarrangehörigen bemühte, hat er auch sichtbare, baumeisterliche Spuren hinterlassen.

Pfarrer Arnold mit seinem Aster Pfarreiteam
Pfarrer Arnold mit seinem Aster Pfarreiteam Foto: wbx

Der Arbeiter im Weinberg des Herrn bemühte sich aber nicht nur um die Seelsorge, er war auch ein hervorragender Baumeister, der zahlreiche Instandsetzungs-, Renovierungs-, Um- und Neubauten seiner Pfarrei angeregt und durchgeführt hat. Trotz dieser immensen Baumeistertätigkeit ist bei Arnold die Seelsorge nie zu kurz gekommen. Wer den Geistlichen mit dem flotten sportlichen Schritt sieht, der kann es kaum glauben, dass er bald 86 Jahre wird und vor 60 Jahren zum Priester geweiht wurde. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Arnold ein Mensch ist, der positiv denkt. Und das spürt man auch bei seiner priesterlichen Tätigkeit. Nach 50 Jahren priesterlichen Wirkens ist er noch immer bei seinen „Astern“ im Dienst. Noch immer hält er Gottesdienste und kümmert sich um die Kranken und Alten.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat ihm immer schon Freude bereitet. Das Schöne daran, so Arnold, war und ist noch immer, den Glauben weiterzugeben und die Kinder für den Glauben zu begeistern. In Ast hat er die Bücherei aufgebaut, Frauenbund und Landvolkgruppe und ein religionspädagogisches Team ins Leben gerufen. Seit über 42 Jahren gibt es den Seniorenkreis, in dem ältere Leute in verschiedenen Veranstaltungen Gemeinschaft erleben.

Im Jahr 2005 feierte Arnold sein Goldenes Priesterjubiläum. 2011 hat er die Ehrenbürgermedaille der Pfarrei Ast erhalten, 2012 hat ihn die Stadt Waldmünchen zum Ehrenbürger ernannt.

„Ast ist mir Heimat geworden“

Sein Ziel, so Arnold, sei es immer gewesen, eine lebendige Gemeinde zu bauen und dabei die Pfarrmitglieder mit einzubinden und verschiedene Aufgaben zu delegieren. Und die Rechnung ist aufgegangen. In der Zeit seines Wirkens hat er viele schöne und frohe Erlebnisse nicht nur mit Kindern und Jugendlichen gehabt, die er nicht missen möchte. „Ast ist mir zur Heimat geworden, hier fühle ich mich wohl“, stellt er uneingeschränkt fest.

Zusammen mit Pfarrer Arnold (Mitte) wurden vor 50 Jahren Erhard Unterburger und Ludwig Bock zu Priestern geweiht.
Zusammen mit Pfarrer Arnold (Mitte) wurden vor 50 Jahren Erhard Unterburger und Ludwig Bock zu Priestern geweiht. Foto: Arnold

Den Entschluss, vor 50 Jahren Ast als Pfarrstelle zu wählen, habe er nie bereut, auch nicht den Entschluss Priester zu werden. Er, der zusammen mit fünf Geschwistern in einer religiös geprägten Familie aufwuchs, war, wie er meinte, schon vorbelastet, einen geistlichen Beruf zu ergreifen, waren doch eine Schwester und ein Bruder bereits einem klösterlichen Orden beigetreten. Und so kam es nicht von ungefähr, dass der gebürtige Weidener vor 65 Jahren das Abitur ablegte. Arnold studierte an der damaligen philosophisch-theologischen Hochschule in Regensburg und wurde 1955 von Bischof Michael Buchberger zum Priester geweiht.

Pfarrer Arnold mit dem Waldmünchner Stadtpfarrer Wolfgang Häupl
Pfarrer Arnold mit dem Waldmünchner Stadtpfarrer Wolfgang Häupl Foto: wbx

Zunächst war er als Aushilfe in Neusorg bei Marktredwitz tätig, dann in Kirchenthumbach bei Grafenwöhr. Ab 1958 war er sieben Jahre Kaplan in Deggendorf St. Martin, ehe er seine erste und endgültige Pfarrstelle in Ast übernahm. Und nun darf er ein zweifaches Jubiläum feiern: 60 Jahre Priesterleben und 50 Jahre Ortsgeistlicher von Ast. Es gibt kaum mehr einen Geistlichen, der so lange in einer Pfarrei seelsorgerisch wirkte. Aber nicht nur Arnold liebt seine Aster Pfarrangehörigen, nein, auch seine Schäfchen haben den rührigen Geistlichen ins Herz geschlossen und er gehört einfach zu ihnen. Das konnte man bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand im August vergangenen Jahres erleben. Für sie ist Arnold nicht der Pfarrer in Ruhe, sondern einfach der „Herr Pfarrer“. Obwohl Arnold nun bereits im Ruhestand ist, hilft er Stadtpfarrer Wolfgang Häupl aus, wenn dieser ihn braucht.

Die Nebenheimat in Brixen

Arnolds Wunsch an die Zukunft ist, dass er noch viele Ferientage in seinem geliebten Südtirol verbringen kann. Seit 56 Jahren macht er in der Nähe von Brixen Urlaub. Heuer ist er bereits zum 87. Mal dort. Bereits 20 Jahre begleitet ihn auch der frühere Stadtpfarrer von Waldmünchen, Ludwig Bumes, in seine „Nebenheimat“.

Pfarrer Arnolds Resümee über 60 Jahre priesterliches Wirken: „Ich habe immer noch Freude an meinem Beruf“. Die Entscheidung Priester zu werden, sei ein Prozess gewesen. Aber er habe die Berufung zur Seelsorge gefühlt. Von seiner Familie habe er die notwendige Unterstützung erfahren.

An seinem 70. Geburtstag beantwortete er die Frage, wie lange er denn noch als Seelsorger wirken wolle mit: „So zwei drei Jahre werde ich schon noch dranhängen“. Letztendlich wurden 15 Jahre daraus. „Ohne Arbeit geht’s halt nicht“, so Arnold. Fazit: „Gott liebt verrückte Menschen mit ihren verrückten Ideen“.

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