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THEATER

Grausame Folter – große Liebe

Burghofspieler feierten glanzvolle Premiere des fesselnden Stücks „Der Glöckner von Notre Dame“ nach Roman von Victor Hugo.
Von Anton Feigl

  • Der Glöckner, die Tänzerin Esmeralda und Erzdekan Claude Frollo Foto: Anton Feigl
  • Der Glöckner wird zum Narrenpapst gekrönt. Foto: Anton Feigl

Falkenstein.Eine hochmotivierte Laienspielschar, ein anspruchsvolles Bühnenstück, eine zauberhafte Kulisse mit Felsen, Treppen und Arkaden in einem malerischen Burginnenhof, ein begeisterungsfähiges Publikum und heuer als Dreingabe optimales Freilichttheater-Wetter – das sind die Zutaten für das Erfolgsrezept der Falkensteiner Burghofspiele, die am Samstag mit der Premiere „Der Glöckner von Notre Dame“ wieder einen Akzent im ostbayerischen Festspielreigen gesetzt haben.

Das Ensemble unter Leitung der Regisseurinnen Bettina Schönenberg und Anika Pinter brannte in der Inszenierung des außerordentlich packenden, romantischen Dramas von Victor Hugo ein Theater-Feuerwerk ab. Mit Schwung und Einfühlungsvermögen schlüpften die Akteure in ihre Rollen, in denen die ausgelassenen und lustigen Szenen des feiernden Pariser Volkes der spannenden und dramatischen Handlung gegenüberstehen. Der Liebe, dem Tod und dem Narrenfest begegnet man hier an jeder Ecke. Notre-Dame de Paris, so der Name von Hugos großem Roman, erzählt die Geschichte von Außenseitern, die durch das Paris des 15. Jahrhunderts begleitet werden.

Spannende Charaktere

Da gibt es den missgestalteten Glöckner Quasimodo (Josef Meinzinger), der unter der Obhut des Erzdekans Claude Frollo (Josef Mackiewicz) in der Kathedrale Notre-Dame de Paris lebt. Vom Volk verlacht und verachtet fristet er ein zurückgezogenes Leben in den Gemäuern der Kathedrale. Außerdem lernt man den erfolglosen Dichter und Philosophen Pierre Gringoire (Michael Schmidbauer) kennen, der beinahe von der Königin der Bettler Madame Trouillefou (Dagmar Kölbl) hingerichtet wird und von der schönen Esmeralda (Amelie Fahnroth), die als tanzende „Zigeunerin“ immer wieder den Hass des Volkes auf alles Fremde zu spüren bekommt, gerettet wird.

Die Feier des Dreikönigstags und des Narrenfestes treibt die Menschen auf die Straßen von Paris. Während Quasimodo, der taube und verkrüppelte Glöckner von Notre Dame, zum Narrenpapst gekrönt wird, bezaubert die hübsche Zigeunerin Esmeralda vor dem Dom die Männer, besonders den Erzdekan von Notre Dame, Claude Frollo. Doch da Esmeralda in den Hauptmann Phoebus verliebt ist, versucht der eifersüchtige Frollo, Phoebus zu erstechen und sorgt dafür, dass Esmeralda als Hexe zum Tode verurteilt wird. Quasimodo rettet Esmeralda, in die er sich verliebt hat, in seine Kirche, wo ihr Asyl zusteht. Doch der König will das Asylrecht aufheben, um sie zu hängen. Aber ihre Freunde, allen voran die Bettler von Paris, versuchen Esmeralda zu befreien.

Stop-Motion-Marionetten

Um die verzweigte Geschichte voranzutreiben, haben sich die Regisseurinnen der Freeze-Stop-Motion-Technik bedient, bei der die Schauspieler zu einer Art lebender Stop-Motion-Marionette werden und Christiane Auburger in der Rolle der Putzfrau von Notre Dame als Erzählerin fungierte. Jedes Mal, wenn sie die Bühne betrat und mit dem Besen auf den Boden klopfte, erstarrten die Schauspieler in Bewegungen und Worten. Auch das funktionierte bravourös. Am Ende erinnerte sich die Erzählerin an die letzten Worte Quasimodos, ehe er verschwand: „... alles, was ich geliebt habe.“

Ausnahmslos allen Mitwirkenden auf, aber auch hinter der Bühne, darf man für ihre exzellenten schauspielerischen Leistungen ein großes Kompliment aussprechen. Das begeisterte Publikum erlebte einen bewegenden und begeisternden Abend und brachte dies auch durch den lang anhaltenden Applaus deutlich zum Ausdruck.

Bei der Premierenfeier im großen Rittersaal gab es dick unterstrichenes Lob von Peter Hintermeier, der zu Beginn der Vorstellung in Vertretung der erkrankten Bürgermeisterin Heike Fries die Premierengäste begrüßt hatte.

Auch Anika Pinter und Bettina Schönenberg zeigten sich „wahnsinnig stolz" auf ihre Truppe und sagten: „Es hat mega Spaß gemacht".

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