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Projekt

Grenzüberschreitende Ausstellung geplant

Zusammen mit der Stadt Domazlice will das Further Kulturamt vor allem Schulklassen von der Geschichte beider Länder erzählen.
Von Evi Paleczek

Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat ist ein Stück gemeinsame Geschichte in der Grenzregion. Foto: Stadtarchiv Furth im Wald
Die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat ist ein Stück gemeinsame Geschichte in der Grenzregion. Foto: Stadtarchiv Furth im Wald

Furth im Wald.Wer weiß, was in der Vergangenheit passiert ist, versteht die Mentalität der Menschen besser. Mit diesem Hintergedanken arbeiten die Städte Domazlice und Furth im Wald gerade an einer gemeinsamen Ausstellung über die Grenzgeschichte. Bereits 2016 hat es diesbezüglich einen ersten Antrag gegeben, erzählt die Further Kulturamtsleiterin Karin Stelzer auf Nachfrage unseres Medienhauses. Nun wird das Projekt umgesetzt, im Sommer kommenden Jahres soll in Furth im Wald Ausstellungseröffnung sein.

In der Grenzstadt wird im Landestormuseum, das gerade bezüglich Brandschutz saniert wird, ein Sonderausstellungsraum eingerichtet, in Domazlice wird die Ausstellung in zwei Stockwerken des Brauereigebäudes ihren Platz finden. Die Informationen zu den Exponaten und der gemeinsamen Geschichte werden natürlich in beiden Ländern zweisprachig vorhanden sein.

Eine gemeinsame Aufgabe

Erster Gedanke ist aber, dass die Tschechen den Tschechen das tschechisch-deutsche Verhältnis erklären und umgekehrt. Über Jahrhunderte hinweg hat es an ihrem jetzigen Standort keine Grenze gegeben, und man hat zusammengehört, sagt Stelzer. Die heutige Generation weiß das nur nicht mehr. Und deshalb muss unbedingt vermittelt werden, damit die Völkerverständigung selbstverständlicher wird. Jeder fünfte Bayer hat eine Vertriebenengeschichte, vor allem an der Grenze sei es wichtig, diese auch zu kennen.

Und wenn die Grenzstädte nicht die Aufgabe hätten, diese gemeinsame Vergangenheit wieder in Erinnerung zu rufen, wer dann? Es gibt viele Bücher zu dem Thema, sagt Stelzer, aber keine Ausstellung und kein Museum.

In Domazlice wird die Ausstellung im Brauereigebäude zu sehen sein (links), in Furth im Wald im Landestormuseum. Foto: Stadt Furth im Wald
In Domazlice wird die Ausstellung im Brauereigebäude zu sehen sein (links), in Furth im Wald im Landestormuseum. Foto: Stadt Furth im Wald

In Domazlice soll das Ganze eine Dauerausstellung werden, dafür werden tolle Räume geschaffen. In Furth im Wald wird ein Sonderausstellungsraum mit vielen interaktiven Elementen entstehen. Die haben eine begrenzte Haltbarkeit, erklärt die Kulturamtsleiterin. Wenn sie nicht mehr für Schulklassen genutzt werden können, wird eine Vertriebenenabteilung eingerichtet im Museum.

Der Förderzeitraum für das Projekt endet Ende Oktober kommenden Jahres, sagt Stelzer. Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung ist, dass bis dahin zehn größere Veranstaltungen für Schulen stattgefunden haben. Die Stadt will den Raum deswegen bereits vor den großen Ferien 2020 für Schulklassen öffnen, zum Drachenstich soll er für alle Interessierten zugänglich sein. Für die Kinder und Jugendlichen wird es spielerische Elemente wie Touch-Displays, Virtual-Reality-Brillen und einen Multi-Media-Tisch geben, auf denen sie etwa die Grenzen nachfahren können.

Zur Ausstellung

  • Projektleitung:

    Die Stadt Domazlice hat das Projekt angestoßen und auch die Leitung inne, die Stadt Furth im Wald ist Projektpartner.

  • Standorte:

    In der Nachbarstadt wird die Ausstellung in zwei Stockwerken des Brauereigebäudes zu sehen sein, im Further Landestormuseum wird es einen Sonderausstellungsraum mit dem Titel „Museum des gemeinsamen Erbes“ der Region Domazlice – Furth im Wald geben.

  • Zeitpunkt:

    In Furth im Wald soll die Ausstellung zum Drachenstich im kommenden Jahr eröffnen.

  • Investition:

    Investiert werden in Furth im Wald knapp 90 000 Euro, der Eigenanteil der Stadt liegt bei 13 000 Euro.

  • Ziel:

    Wenn man weiß, was in der Vergangenheit passiert ist, versteht man seine Nachbarn besser. Das ist der Hintergedanke bei dem Projekt.

Bayerisch-böhmische Geschichte hört sich oft staubig an, meint die 48-Jährige, das Thema ist aber total interessant. Und die Kulturamtsleiterin ist guter Dinge, dass das durch die Art der Vermittlung auch ankommen wird bei den jungen Leuten. Die Stadt wird sämtliche Schulen im Landkreis ansprechen, kündigt Stelzer an. Bei den entsprechenden Führungen wird ein Museumspädagoge mit dabei sein.

Wohlwollen und Verständnis

Und es soll auch möglich sein, in Deutschland tschechische Führungen und umgekehrt anzubieten – die Städte werden dahingehend auch personell zusammenarbeiten. Das Ganze ist ein Spiegelprojekt, erklärt die 48-Jährige. Für das es eine große gemeinsame Eröffnung geben soll.

Durch die interaktiven Elemente wird deutlich, dass Geschichte vermitteln so viel mehr als Inhalt ist, meint Stelzer. Da steckt Wohlwollen dahinter, jemandem etwas verständlich machen zu wollen. Und es sollten alle im Grenzraum wissen, warum es heute so ist, wie es ist, um sich besser verstehen und damit umgehen zu können – auf deutscher und auf tschechischer Seite.

„Heimat – Grenze – Drache“ lautet das Konzept des Landestormuseums. Seit mehr als einem Jahr hat es aufgrund von Brandschutzertüchtigungs-Maßnahmen geschlossen. Deshalb ist die Möglichkeit für Neugestaltungen nun auch günstig, erklärt die Kulturamtsleiterin. Bis das komplette Museum wieder geöffnet hat, wird es auf jeden Fall 2021 werden, informiert die 48-Jährige. Dieser lange Zeitraum ist der Finanzierung geschuldet. Für Brandschutzertüchtigung gibt es keine Förderung, deshalb müssen die Mittel auf mehrere Jahre im Haushalt verteilt werden. Viele kleinere Museen mussten in letzter Zeit schließen, weil sie sich den nötigen Brandschutz nicht leisten konnten, weiß Stelzer. In Furth wird das nicht passieren, Ziel ist, so schnell wie möglich wieder zu öffnen.

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