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Projekt

Grenzüberschreitender Unterweltstreifzug

Die Betreiber der Further Felsengänge erkundeten das unterirdische Labyrinth von Domažlice – und planen eine Zusammenarbeit.

Mitglieder der Gemeinschaft „Domažlický dejepis“ (Domažlicer Geschichte) in den Further Felsengängen Foto: Harald Eiban
Mitglieder der Gemeinschaft „Domažlický dejepis“ (Domažlicer Geschichte) in den Further Felsengängen Foto: Harald Eiban

Furth im Wald.Domažlice, die Partnerstadt von Furth im Wald, hat eine reiche Geschichte. Was die Partnerstädte gemeinsam haben, sind Gänge und Keller unter dem Stadtplatz. Während in Furth ein Teil der „Unterwelt“ seit gut zehn Jahren zugänglich ist und eine Touristenattraktion darstellt, ist das in Domažlice noch nicht möglich. Doch wenn es nach dem Willen der Mitglieder der Gemeinschaft „Domažlický dejepis“ (Domažlicer Geschichte) geht, soll sich das bald ändern.

Um Erfahrungswerte zu sammeln, trafen sie sich mit den Betreibern der Further Felsengänge, Rolf Schüler und Uli Stöckerl, in der Drachenstich-Stadt und besichtigten das unterirdische Felsen-Labyrinth. Dabei erhielten sie viele Tipps. Nach einer einstündigen Führung wurde eine Zusammenarbeit vereinbart, von der beide Seiten profitieren könnten, indem sie gegenseitig auf die touristischen Attraktionen aufmerksam machen.

Labyrinth unterm Stadtplatz

Nun folgten Rolf und Alex Schüler sowie Uli Stöckerl der Gegeneinladung nach Domazlice, um das dortige Keller-Labyrinth unter dem Stadtplatz zu besichtigen. Empfangen wurden sie von Mitgliedern der Gemeinschaft „Domažlický dejepis“ und 3. Bürgermeister Radek Wiesner im Pfarrhaus, wo sie Alexej Petrašovský mit der Geschichte von Domazlice vertraut machte. So erfuhren sie, dass Domazlice 993 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Beide Städte hatten gemeinsam, dass sie eine Zollstelle waren. Petrašovský ließ nicht unerwähnt, dass sowohl die Böhmen als auch die Bayern ihren Ursprung im Stamm der Kelten hatten.

Verschiedene Ausstellungsecken sind für die Besucher von Domažlice bereits vorbereitet.  Foto: Harald Eiban
Verschiedene Ausstellungsecken sind für die Besucher von Domažlice bereits vorbereitet. Foto: Harald Eiban

Bevor in die Keller gegangen wurde, erfuhren die Gäste, dass die Keller in Furth und Domažlice einiges gemeinsam haben: Sie dienten als Lagerkeller und Schutzbunker. Während die Keller in Furth in den Gneis gearbeitet wurden, besteht der Untergrund in Domažlice aus Ton und Sand. Der gravierendste Unterschied ist, dass in Domažlice die Keller und Gänge 1967 und 1968 ausbetoniert wurden. Erforderlich war das geworden, nachdem es aufgrund des weichen Materials einige Brüche gegeben hatte. So ist festgehalten, dass 1864 eine Frau bei einem Spaziergang mit ihrem Hund plötzlich in ein zwei Meter tiefes Loch fiel, was die Frau überlebte, der Hund nicht.

Zu einer Katastrophe kam es laut Alexej Petrašovský am 11. Januar 1964, als in der Nacht drei Häuser am Stadtplatz im Erdboden verschwanden, die Frontwände blieben stehen. Die Ursache: Eine kaputte Wasserleitung hatte die Keller unter Wasser gesetzt und das Erdreich aufgeweicht. Die Feuerwehr musste fünf Tage lang das Wasser abpumpen. Nun musste gehandelt werden, damit sich so etwas nicht wiederholte. Vom Rat der Stadt wurde beschlossen, die Keller und Gänge im ersten Keller-Stockwerk mit bis zu 30 Zentimetern Stahlbeton zu versehen.

Dafür wurde ein Einfüllschacht geschaffen, der noch heute sichtbar ist. Die Arbeiten zogen sich über zwei Jahre hin. Die Gäste aus Furth erfuhren, dass mit diesen Arbeiten auch der Stadtturm abgesichert wurde, der aufgrund des Ton-Sand-Untergrunds um 59 Zentimeter gekippt war.

Suche nach einem Jungen

Auch das Untere Tor in Domažlice wurde besichtigt.  Foto: Harald Eiban
Auch das Untere Tor in Domažlice wurde besichtigt. Foto: Harald Eiban

Und über noch einen Vorfall berichtete der Historiker. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwand in Domažlice ein siebenjähriger Junge. Wie sich herausstellte, war ein Gang zu den Kellern geöffnet, in den er sich begeben hatte. Danach war der Eingang zugesperrt worden. Drei Tage wurde nach dem Jungen gesucht, bis jemand auf die Idee kam, man sollte doch auch in die Keller sehen, wo man tatsächlich fündig wurde. Das letzte Ereignis war 2014 beim Unteren Tor, als ein Lastwagen absackte.

Das Projekt

  • Pläne:

    Die Gemeinschaft „Domažlický dejepis“ (Domažlicer Geschichte) und die Further Keller-Experten Rolf und Alex Schüler sowie Uli Stöckerl denken über eine Zusammenarbeit beider Partnerstädte nach.

  • Gemeinsamkeiten:

    In beiden Städten gibt es mit Blick auf die unterirdischen Keller und Gänge Gemeinsamkeiten. Sie sollen für den Tourismus genutzt werden.

Das Keller-Männchen im Untergrund von Domažlice begutachtete Rolf Schüler.  Foto: Harald Eiban
Das Keller-Männchen im Untergrund von Domažlice begutachtete Rolf Schüler. Foto: Harald Eiban

Die Keller-Experten erfuhren, dass die Gesamtlänge der Gänge unter dem Stadtplatz von Domažlice 3,5 Kilometer beträgt. Die Gemeinschaft „Domažlický dejepis“ plant, dass man einen Kilometer der Gänge für Besichtigungen anbietet, wenn die Auflagen juristisch abgeklärt sind. Einige Bereiche wurden bereits vorbereitet, unter anderem mit einem sprechenden Keller-Männchen, einem Keller-Geist und Ausstellungsstücken. Allerdings steht noch nicht fest, wann das unterirdische Labyrinth in Domažlice geöffnet wird. Derzeit wird noch über einen anderen Zugang nachgedacht. Beide Seiten kamen überein, sich gegenseitig zu unterstützen, etwa mit Flyern.

Zum Programm in Domažlice gehörte auch die Besichtigung des Unteren Stadttors und der Dekanatskirche. Fehlen durfte auch nicht der Aufstieg zum Stadtturm. Damit die Kontakte nicht abreißen, luden Rolf Schüler und Uli Stöckerl die Gastgeber im Frühjahr zum Besuch des Wildgartens und des Museums Flederwisch ein. (fhe)

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