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´Premiere

Grün schlägt in Waldmünchen Wurzeln

Am Montag gründete sich der erste Ortsverband im Landkreis. Die „Motoren“ Doris Hillebrand und Sepp Karl sind die Sprecher.
Von Petra Schoplocher

  • Der Kreisverband der Grünen feiert seinen ersten Ortsverband. Ihm stehen Sepp Karl (Dritter von rechts) und Doris Hillebrand (Zweite von rechts) vor, Schriftführerin ist Isabel Scheuerer (Dritte von links). Nach den Kreischefs Michael Doblinger und Andrea Leitermann, die sich freuen, die grüne Fahne künftig nicht mehr alleine hochhalten zu müssen, war Landesvorsitzender Eike Hallitzky (links) der erste Gratulant. Fotos: Petra Schoplocher
  • „Grün läuft!“, sagt Doris Hillebrand (links), die frisch gebackene Sprecherin der Waldmünchener Grünen. Davon ist auch ihre Mama Maria Schimpfhauser überzeugt, mit 89 Jahren das älteste Neumitglied der Oberpfalz.

Waldmünchen.Die Grünen im Höhenflug – Diese Schlagzeile hat am Montag Abend ganz neue Bedeutung gewonnen, als am Gibacht die wohl höchstgelegene Gründung eines Ortsverbands in ganz Bayern gewesen über die Bühne ging. Mit Sicherheit aber war es die erste im Landkreis Cham.

Kreisvorsitzender Michael Doblinger machte keinen Hehl daraus, dass dies zwei „Anschiebern“ zu verdanken sei, dank derer es „jetzt ganz schnell ging“: Sepp Karl und Doris Hillebrand, die später zu Sprechern des Ortsverbands gewählt wurden. „Wir sind jetzt da!“, sei die Botschaft, die vom Gibacht das Stadtgebiet durchdringen dürfe, meinte ein sichtlich zufriedener Landesvorsitzender Eike Hallitzky. „Grün muss vor Ort erlebbar sein“, deswegen sei jeder Ortsverband – Waldmünchen ist der 98. in Bayern – und jede Liste wichtig.

Mitgliederzahl im Landkreis verdoppelt

Hallitzky war voll des Lobes für den Kreisverband Cham, der die Zahl seiner Mitglieder seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt habe. Auch bayernweit seien die Zahlen glänzend: 5000 Neue in gut einem Jahr. Hallitzky führte diese Erfolge auf die authentische Politik zurück. „Wir schielen nicht nach der nächsten Wahl“. Zudem würden sich die Positionen der Grünen mit den gesellschaftspolitischen Anforderungen treffen: Klare Kante gegen Rechts, Fridays for Future, Artenvielfalt, „Wer Klimaschutz will, muss grün wählen“, zog er eine deutliche Linie zu dem, „was grün angemalt oder grün lackiert ist“.

Wir sind zum Taktgeber der bayerischen Politik geworden“: Landesvorsitzender Eike HallitzkyFoto: Petra Schoplocher
Wir sind zum Taktgeber der bayerischen Politik geworden“: Landesvorsitzender Eike HallitzkyFoto: Petra Schoplocher

Die CSU sei seinerzeit bei den Sondierungsgesprächen geflohen, „und das haben sie jetzt davon, einen Typen wie den Aiwanger“, meinte er. Die Agenda aber würden die Grünen bestimmen, „wir treiben Söder vor uns her“. Noch besser, als „seine“ Partei zu wählen, sei es, aktiv mitzugestalten, konstatierte der Niederbayer.

Politik

Grüne wollen in Waldmünchens Stadtrat

Bündnis 90/Die Grünen gehen erstmals mit einer Stadtratsliste ins rennen. Einen Bürgermeister-Kandidaten stellen sie nicht.

„Waldmünchen braucht mehr grüne Politik“, fand Co-Kreisvorsitzende Andrea Leitermann einen Grund für die Ortsverbandsgründung. Neben Klima- und Artenschutz stehe „Grün“ auch für mehr Frauen in der Politik. „Im öffentlichen Raum wird immer noch nach Männerregeln gespielt“, gab sie zu bedenken. In Waldmünchen würden gerade einmal zwei Frauen im Stadtrat sitzen, das sind deutlich weniger als die 20 Prozent im Landesdurchschnitt. „Das ist schade für die Frauen und die Gesellschaft als Ganzes“, urteilte sie.

Sympathisant Günther Mittelmaier bringt für die Aktion „Blühstreifen“ gerne sein Wissen als Gärtnermeister ein. Foto: Schoplocher
Sympathisant Günther Mittelmaier bringt für die Aktion „Blühstreifen“ gerne sein Wissen als Gärtnermeister ein. Foto: Schoplocher

„Ladies first“ hieß es dann bei der Wahl, nachdem ein Platz im Führungsduo mit einer Frau besetzt sein muss. Sechs der sieben Mitglieder mit Waldmünchener Adresse votierten – anwesend waren weit mehr Interessierte – für die einzige Kandidatin Doris Hillebrand. Diese brachte zwei besondere Geschichten mit zu diesem historischen Abend. 1983 hat sie schon einmal einen Ortsverband mit aus der Taufe gehoben, in Otterfing bei München. Halb soviele Einwohner, elf Aktive damals. Nun will sie, dass „sich auch hier was Grünes dreht“, denn trotzdem, dass es „hier unheimlich schee ist“, wie die Wahl-Waldmünchnerin begeistert feststellt, gebe es Probleme. Abzulesen etwa an der Kette Perlsee, Silbersee, Eixendorfer See. Während die angestaute Schwarzach bei Waldmünchen noch verschont sei, steigern sich die Umweltsünden hin zur „Algenkatastrophe“ Richtung Neunburg vorm Wald.

Beitritt mit 89 Jahren

Ihre zweite Geschichte ist die ihrer Mutter: Maria Schimpfhauser ist mit ihren 89 Jahren das älteste Neumitglied der Oberpfalz. „Seit fast 40 Jahren wähl’ ich grün!“, betonte sie. Wer nun denkt: Ganz schön alt, darf auf einen Einwurf von Eike Hallitzky hingewiesen werden: In Dillingen habe ein 71-Jähriger den Ortsverband gegründet, sein 99-Jähriger Vater flammend appelliert, endlich in Sachen Klimaschutz weiter zu kommen. „Weil nicht mehr viel Zeit bleibt.“

Sepp Karl packt's an

Auch Sepp Karl will anpacken, die Schaffung von Blühflächen sind sein Einstieg in grüne Themen. „Equipment trifft Wissen“, verwies er an Gärtnermeister Günther Mittelmaier, mit dem zusammen er gerne zusammen Hand anlegen wird, um mehr insektenfreundliche Flächen zu schaffen. Der 57-jährige gebürtige Waldmünchner will zudem die Jugend stärker einbinden.

Beisitzer müssen noch warten

Weil sie von der Einstellung „Nach mir die Sintflut“ die Schnauze voll hat und ihren Beitrag leisten möchte, damit die Welt auch für nachfolgende Generationen noch lebenswert bleibt, engagiert sich Isabel Scheuerer. Sie stammt aus der Nähe Erlangens und genießt nach dem Umzug in die Heimat Ihres Mannes „das Grün um mich herum“. Sie nahm die Wahl zur Schriftführerin an und komplettiert damit den Vorstand. Beisitzer soll es erst geben, wenn der Ortsverband mehr Mitglieder hat. Daran hatte am Montag keiner Zweifel: „Grün läuft und Grün wächst“.

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Grün in Wüm – so geht es weiter

  • Blühstreifen:

    Damit Worten Taten folgen, bieten die Grünen Hilfe beim Anlegen von Blühstreifen an – gerade in Privatgärten. Weil die Saatbeetvorbereitung nicht ganz ohne ist (Stichwort Unkraut), rückt Sepp Karl mit dem nötigen Gerät an. Idealerweise in den kommenden Wochen, dann kann noch gekalkt werden und im Frühjahr ausgesät. Wer Interesse hat, kann sich bei Doris Hillebrand melden, Telefon (0 99 72) 3 00 23 07.

  • Stadtratsliste:

    Ende September hatten Bündnis 90/Die Grünen verkündet, dass sie mit einer Stadtratsliste antreten. Voraussichtlich im November werden die Namen präsentiert.

  • Spaziergänge:

    Nachdem der erste moderierte Spaziergang im Sommer ein Erfolg war und zudem Ergebnisse zutage gefördert hatte, soll dieses Format beibehalten werden. „Und es wird noch mehr geben.“

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