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Politik

Gummibärchen in der Ideenwerktstatt

Mehr Dialog statt Monolog, mehr konkrete Ideen als Programmpunkte: Die Jungen Wähler starteten anders ins Rennen.
Von Petra Schoplocher

Mit Gummibärchen geht es gleich besser: Die Jungen Wähler waren bei ihrer Auftaktveranstaltung sichtlich kreativ unterwegs. Listenführer Christian Pfaffl (Mitte) und Bürgermeisterkandidat Wolfgang Kürzinger ließen sich gerne als Servicekräfte einspannen. Fotos: Schoplocher
Mit Gummibärchen geht es gleich besser: Die Jungen Wähler waren bei ihrer Auftaktveranstaltung sichtlich kreativ unterwegs. Listenführer Christian Pfaffl (Mitte) und Bürgermeisterkandidat Wolfgang Kürzinger ließen sich gerne als Servicekräfte einspannen. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen. Sie hatten einen etwas anderen Wahlkampfauftakt versprochen und Wort gehalten: Statt langer Reden gab es bei den Jungen Wählern (JW) kurze Statements, statt langwieriger Kandidatenvorstellung regen Austausch mit den Zuhörern. Und obendrein Gummibärchen in den Freien-Wähler-Farben orange und grün.

Keine ausführliche Agenda bedeutete nicht weniger Themen. Als brennendste kristallisierten sich die Bereiche Freizeitgestaltung und Mitsprache heraus – genau diese beiden nannte Matthias Heimann dann auf explizite Nachfrage von Christian Lommer, wo die Jugend nach Meinung der JW in Waldmünchen der Schuh am meisten drücke.

Heimann als Moderator knüpfte an die Programmvorstellung von Listenführer Christian Pfaffl an, der zuvor schon den Erlebnisraum Perlsee in den Fokus genommen hatte („der derzeit wirklich keiner ist“) und für das AquaFit neue Ideen gefordert hatte. Denkbar wäre eine Bewirtung im Saunabereich, ein Außenbecken und vor allem Anpassungen bei der Preisgestaltung.

Agieren auf Augenhöhe

Christian Pfaffl stellte die Ziele der Jungen Wähler vor und machte deutlich: „Das Original sind wir.“ Fotos: Schoplocher
Christian Pfaffl stellte die Ziele der Jungen Wähler vor und machte deutlich: „Das Original sind wir.“ Fotos: Schoplocher

Zweiter Schwerpunkt ist die Schaffung eines Jugend(bei)rats nach dem Vorbild Chams oder Bad Kötztings sowie analog dem Seniorenbeirat der Stadt. Dessen Aktionen sind ausdrücklich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Angeboten der Vereine gedacht. Zudem soll ein Jugendbeirat Netzwerke aufbauen, zu Schulen oder Betrieben, Sprechstunden halten und als Vermittler dienen. Und das auf Augenhöhe. Die derzeitigen Jugendbeauftragten des Stadtrats zu kontaktieren sei nach Meinung der Nachwuchsgruppe mit einer Hemmschwelle versehen.

Von der „wohl bunteren und jüngeren Durchmischung des neuen Stadtrats“ versprechen sich die JW folglich, dass der Jugendbeauftragte des Gremiums auch jung ist und sich „nicht nur einmal in sechs Jahren, sondern sechsmal im Jahr kümmert“, wie Matthias Heimann durchblicken ließ.

Wünschenswert wäre auch eine eigene Sammelstätte für den Nachwuchs, die keinem Verein angehören. Wie ein solcher aussehen könnte, das könnte eine erste wichtige Aufgabe des neuen Gremiums sein. Bürgermeisterkandidat Wolfgang Kürzinger pflichtete ihm bei, „die Jugend einen Treffpunkt braucht“.

Der etwas andere Discobus

  • Initiative:

    Die Jungen Wähler wollen nicht erst nach der Wahl Akzente setzen. Als erste Aktion ist die Fahrt zur Disco Rast an der Bundesstraße 22 bei Rötz geplant. Termin ist Freitag, 28. Februar.

  • Prozedere:

    Die genauen Abfahrtszeiten und Haltestellen werden nach Eingang der Anmeldungen bekannt gegeben. Christian Pfaffl umriss aber schon einmal die grobe Zeitspanne: 21/21.30 Uhr Abfahrt und 3 Uhr Rückkunft. Es wird ein kleiner Obulus zu entrichte sein, dafür gibt es aber eine „Weghalbe“.

  • Anmeldung:

    Weitere Informationen finden sich auf der Facebook-Seite der Jungen Wähler, Anmeldungen werden auch per Mail unter jw-waldmuenchen@gmx.de entgegen genommen.

Nicht nur in München, auch in Waldmünchen mangele es an bezahlbarem Wohnraum, riss Christian Pfaffl ein weiteres Themenfeld auf. Einen Lösungsansatz lieferte er in gezieltem Leerstandsmanagement gleich mit. Eine weitere Forderung der Gruppierung sind die bessere Nutzung der sozialen Netzwerke, um Themen zu spielen, aber auch, um die Stadt präsenter zu machen. Auf der Seite „Luftkurort Waldmünchen“ habe es in den vergangenen zwei Jahren keine fünf Einträge gegeben, bedauerte er.

Mit verhältnismäßig wenig Aufwand könnte das Stadtbild verschönert werden, betonte er mit Hinweis auf unzählige verwitterte und unleserliche Schilder sowie Hinweise auf längst nicht mehr vorhandene Einrichtungen. Gleiches gelte für eine Ideensammlung junger Menschen, die sich beispielsweise durch Auslobung von Preisen für Bachelor- oder Masterarbeiten zur Stadtentwicklung aufbauen lasse.

Seitenhieb in Richtung CSU

Wolfgang Kürzinger zog den Hut vor den engagierten JW-lern und freute sich, wie motiviert und heimatverbunden die Gruppe agiere. Dass neben den Kandidaten auch ältere Mitbürger zur Auftaktveranstaltung den Weg ins Bistro Weninger gefunden hatten, wertete er als Zeichen, dass nicht nur darüber geredet werde, wie wichtig Dialog und Kommunikation sind, sondern beides auch tatsächlich umgesetzt werde.

Einige Themen „der Jungen“ reicherte Kürzinger mit seinen Ideen und Erfahrungen an, etwa das Leerstandsmanagement, das es zwar auf Landkreisebene nun gebe, aber digital sei. „Wir brauchen ein personalisiertes“, betonte er, „eine Person, die auf die Hausbesitzer zugeht“.

Es sei bemerkenswert, dass kurz nachdem er bei seiner Nominierung als Bürgermeisterkandidat ein Gründerzentrum in einem Leerstand ins Gespräch gebracht hatte, auch von der CSU zu lesen sei, dass ein Gründerzentrum kommen soll. „Dann scheint die Idee ja nicht so verkehrt zu sein“, meinte er augenzwinkernd.

Was ihn hingegen ärgere, ist die Unterstellung, dass er aufgrund seines familiären Umfeldes mit Landwirtschaft nicht in der Lage sei, das Bürgermeisteramt auszuüben. Das bedeute nämlich, dass Frauen – seine Tochter Bettina ist ausgebildete Landwirtin und soll mit zwei weiteren neuen Kräften den Betrieb leiten – nicht ihren Mann stehen können. „Das finde ich mehr als schade“, kommentierte er.

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